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Ausland

Konfliktforscher halten Iran-Krieg 2007 für möglich

PARIS/WASHINGTON. In der Krise um das iranische Atomprogramm halten europäische Experten einen Militäreinsatz der USA für immer wahrscheinlicher.

"Es gibt zwei unversöhnliche Visionen", faßt der Pariser Konfliktforscher Dominique Moïsi die Lage zusammen: "Die Iraner sind zu allem bereit, um ihre Bombe zu kriegen - die Amerikaner ebenfalls, damit sie sie nicht bekommen." Auch andere Spezialisten schließen einen neuen Krieg nicht aus - frühestens ab nächstem Jahr, vielleicht erst 2009.

Die Chancen stünden "50 zu 50, daß wir uns mittelfristig auf eine militärische Lösung hinbewegen", sagt Moïsi, der am Französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI) arbeitet. Für die Fachwelt ist klar, daß Washington Angriffspläne ernsthaft prüft. "Es gibt eindeutig eine amerikanische Militäroption", sagt Bruno Tertrais von der Stiftung für strategische Forschung (FRS) in Paris. Schließlich schließt selbst US-Außenministerin Condoleezza Rice einen US-Militäreinsatz nicht aus.

Für Mark Fitzpatrick vom renommierten Internationalen Institut für Strategische Studien in London (IISS) geht es nicht nur um Drohgebärden: Washington erwäge "ernsthaft" einen Angriff - "nicht heute, aber als letzte Option, wenn alles andere scheitert". Noch aber sei "Platz für Diplomatie". Zu einem Militäreinsatz werde es frühestens in drei Jahren kommen - soviel Zeit brauche der Iran mindestens, um die Atomwaffe zu entwickeln.

Frederic Tellier vom Institut für Internationale und Strategische Beziehungen (IRIS) glaubt kaum, daß Verhandlungen "Teheran noch zum Nachgeben bringen können". Er hält ein US-Angriffsszenario schon ab nächstem Jahr für plausibel.

Nach Einschätzung von US-Geheimdienstdirektor John Negroponte ist der Iran aber noch Jahre von der Atombombe entfernt. Es sei für Teheran noch ein Prozeß von Jahren, um genügend spaltbares Material für eine Atomwaffe herzustellen. Negroponte hält es auch für denkbar, daß die iranische Regierung ihre Fortschritte auf dem Weg zur Urananreicherung übertreibt.

Der Ölpreis blieb vor dem Hintergrund des Streits weiter hoch. In London notierte die Nordseesorte Brent bei 72,57 Dollar. Auch der Benzinpreis stieg auf durchschnittlich 1,40 Euro pro Liter Super und 1,20 Euro für Diesel. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad äußerte sich zufrieden. Die reichen Industrieländer, die Milliarden Dollar an Einkommen hätten, müßten "den wahren Ölpreis bezahlen", sagte Ahmadinedschad.Fra, afp

 

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