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Ausland

Mann gegen Mann in Bagdad?

Saddam will den US-Soldaten ein "Stalingrad am Tigris" bereiten.

Hamburg/Washington. Die amerikanische Kriegsmaschine kommt auf Touren: 200 000 Mann stehen bereits kampfbereit am Persischen Golf. Am Freitag wurde bekannt, dass mit der "USS Nimitz" nun der sechste von zwölf US-Trägern in Marsch gesetzt wird. Auch die 101. US-Luftlandedivision, die legendären "screaming eagles", rücken an. Die "schreienden Adler" gelten als Speerspitze einer möglichen Invasion - wie einst in der Normandie, in Vietnam oder 1991 am Golf. Was hat Iraks Kriegsherr Saddam Hussein dieser gigantischen Übermacht entgegenzusetzen? Mit welcher Taktik wollen die irakischen Streitkräfte - insgesamt mehr als 420 000 Mann - Amerikanern und Briten begegnen? Wie es aussieht, planen die Iraker, die US-Soldaten in ein "Stalingrad am Tigris" hineinzuziehen. Saddam hat das Ausheben von Schützengräben in allen irakischen Städten befohlen. Auch Armee und Republikanische Garde ebenso wie die schwer einzuschätzende, bis zu 150 000 Personen umfassende Miliz der regierenden Baath-Partei, die Dschaisch al Shaabi, bauen überall Bunker, Unterstände und Tunnel, vor allem im Stadtgebiet der Fünf-Millionen-Metropole Bagdad. Saddam will den Fehler von 1991, als er seine Panzertruppen in der Wüste zur Schlacht aufstellte, nicht wiederholen. Einwände seiner Experten, die Amerikaner hätten tödliche Panzerabwehrsysteme wie das Flugzeug A-10 "Warzenschwein" oder den Kampfhubschrauber "Apache", der mit seinen "Hellfire-Raketen" sechs verschiedene Ziele gleichzeitig bekämpfen kann, hatte der Präsident damals als "Mythen" abgetan. Ergebnis: Seine Panzerarmee verglühte im Feuersturm. Diesmal will Saddam die alliierten Truppen in einen blutigen Häuserkampf zwingen - in der Hoffnung, Amerika werde bei hohen eigenen Verlusten einen Rückzieher machen. Die US-Streitkräfte nehmen diese Gefahr sehr ernst. Seit Wochen trainieren sie verbissen in ihren heimischen Standorten oder in Ausbildungskulissen in der Golfregion den Kampf Mann gegen Mann. Technische Überlegenheit hilft hier kaum weiter - von Wärmebildgeräten, die durch Mauerwerk sehen können, einmal abgesehen. Die Frage ist jedoch, ob die irakischen Truppen fähig sind, es im Häuserkampf, der schwierigsten aller Kampfformen, mit den hochtrainierten Eliteeinheiten der Briten und Amerikaner aufzunehmen. US-Experten stellen sich den Irak als eine Fläche vor, die von konzentrischen Ringen militärischer Kräfte rund um die Hauptstadt Bagdad gekennzeichnet ist. Auf dem äußeren Ring stehen die regulären irakischen Streitkräfte: 17 Divisionen aus Infanterie, Panzern und Artillerie mit jeweils rund 10 000 Soldaten. Diese sind nach Einschätzung amerikanischer Verteidigungs- und Geheimdienstexperten nur bedingt loyal gegenüber Saddam Hussein und könnten sich im Fall einer Invasion bald ergeben. Der mittlere Ring wird von Einheiten der Republikanischen Garde geschützt. Diese rund 100 000 Soldaten, von denen wiederum rund 15 000 eine besondere Eliteeinheit bilden, sind besser ausgebildet als die reguläre Armee. Allerdings stammt auch ihre Ausstattung mindestens aus Zeiten des Golfkriegs 1991. "Sie sind nicht besonders gut, aber sie sind zäh", sagt der Militäranalyst Michael O'Hanlon. Dass sie sich gegen Saddam wenden könnten, hält der Experte vom Washingtoner Brookings-Institut für unwahrscheinlich. Das Stadtgebiet von Bagdad selbst wird von mehreren Sicherheitsverbänden geschützt. Im Mittelpunkt steht die "Spezielle Sicherheitsorganisation" unter Saddams gefürchtetem Sohn Kusai, die sämtliche Geheimdienststellen und Einrichtungen der inneren Sicherheit überwacht. Daneben wird das Stadtzentrum mit dem Präsidentenpalast von der 15 000 Mann starken Eliteeinheit "Feddayin Saddam" gesichert. Als letztes Bollwerk ist Saddams Leibwächtergarde zu überwinden, die al-Himaya, die aus Blutsverwandten besteht.

 

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