250 000 Mann - die Streitmacht gegen Saddam
Der Aufmarsch in der Golfregion ist nahezu abgeschlossen. Die Kosten pro Monat: 1,8 Milliarden Dollar.
Hamburg. "Die Leute hinzufliegen ist noch das Geringste. Viel schwieriger ist es, das ganze Material dorthin zu schaffen." Diese Aussage eines US-Luftwaffenoffiziers wirft ein Schlaglicht auf den Aufwand, den die USA und Großbritannien derzeit betreiben, um ihre Streitmacht am Golf zu konzentrieren. Rund 250 000 Soldaten sind auf Basen von Armee und Luftwaffe sowie auf Schiffen der Marine rund um den Irak aufmarschiert. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten und sind nun weitgehend abgeschlossen. In einem endlosen Strom fliegen Transportflugzeuge vom Typ "Galaxy" und "Globemaster III" sowie etwa 50 von zivilen Fluggesellschaften gecharterte Jumbo-Jets über den Atlantik und bringen neue Soldaten und Material. Zeitweilig sind bis zu 80 Flugzeuge gleichzeitig in der Luft. Die Fluglotsen auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen, eines der Drehkreuze für den Aufmarsch, sind genervt. Denn viele der US-Piloten, die für diese Luftbrücke eingesetzt werden, sind Reservisten mit eingerosteter Flugerfahrung. Die kommen schon mal versetzt zur Landebahn herein. Einer verflog sich jüngst um sechs Kilometer. Die US-Marine ist derzeit mit 187 Schiffen - 61 Prozent ihres Bestandes - unterwegs. 129 Schiffe mit 56 200 Menschen an Bord sind in der Golf-Region oder auf dem Weg dorthin. Nicht wenige dieser Schiffe sind bereits seit einem halben Jahr auf See. Militärexperten sagen, dass dies für einen baldigen Einsatz spricht, denn die ersten Truppen, die schon im September an den Golf geflogen wurden, müssten eigentlich bald wieder ausgetauscht werden. Anders als beim Golfkrieg 1991 können die USA und Großbritannien für diese Truppenansammlung auf Basen zurückgreifen, die obendrein in den zurückliegenden zwölf Jahren zum Teil deutlich ausgebaut worden sind. Ein Beispiel ist die Prince Sultan Air Base bei Riad in Saudi-Arabien, die von einem eher provisorischen Flugplatz zu einem modernen Luftwaffenstützpunkt erweitert worden ist. Sie bietet etwa 300 Kampfflugzeugen samt Wartungspersonal Platz. Amerikanische Lebensart inklusive. Ein Faktor übrigens, auf den gerade die USA besonderen Wert legen. Wenn ihre Soldatinnen und Soldaten in den Wüstencamps ankommen, sollen sie sich so heimisch wie möglich fühlen. Satelliten-Fernsehen, der Soldatensender AFN, Hamburger und Army-Shops, alles wie daheim in Georgia oder Nevada. Und alles wurde vorher hingebracht, per Transportflugzeug oder per Schiff. Im britischen Stützpunkt Diego Garcia, mitten im Indischen Ozean, liegt ständig ein Dutzend großer Frachtschiffe in Bereitschaft, die für den permanenten Transport von Material und Waffen in die Golfregion eingesetzt werden. Dort ist auch die Basis für die schweren US-Bomber vom Typ B-52 wie auch die hoch geheimen Tarnkappenbomber B-2. Für die wurden zwei voll klimatisierte und hermetisch abgeriegelte Hangars aufgestellt, damit die Spezialbeschichtung, die die Bomber für Radarstrahlen unsichtbar macht, nicht durch das Salz der Seeluft angegriffen wird. Rund 1,8 Milliarden Dollar pro Monat kostet der Aufmarsch am Golf. Sollte es zum Einsatz der Truppen kommen, wird diese Militäroperation eine Milliarde Dollar pro Woche verschlingen. Zeitweilig sind 80 Transportflugzeuge gleichzeitig in der Luft, um Soldaten und Material aus den USA heranzuschaffen.



100. Geburtstag
Axel Springer

Branchenbuch Hamburg




Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




