US-Vorwahlen: Auch Puerto Rico, Montana und South Dakota ändern nichts mehr
Obama hat das Weiße Haus fest im Blick
Das war's: Demokraten zählen Ergebnisse von Florida und Michigan zugunsten von Obama. Clinton-Fans sind wütend wie nie.
Washington. "Ein Bürgerkrieg - so fühlte es sich an. Demokrat gegen Demokrat", schreibt die "Los Angeles Times" über die Stimmung bei der Sitzung des Regelausschusses der Demokraten am Sonnabend in Washington. Zahlreiche Clinton-Unterstützer, vor allem weibliche, waren angereist, um zu verfolgen, "ob Parteiregeln Regeln sind oder ob Regeln gemacht wurden, um sie zu brechen", so das Blatt.
Vordergründig ging es um eine rein rechnerische Entscheidung: wie die Vorwahl-Ergebnisse von Florida und Michigan zu werten seien; dort war gegen eine klare Frist bereits im Januar abgestimmt worden. In Michigan stand Obama gar nicht auf den Wahlzetteln. In einer emotionsgeladenen, streckenweise turbulenten 5-Stunden-Sitzung entschied sich der Regelausschuss nun für einen Kompromiss: Obama bekommt auch Stimmen aus Michigan zugesprochen, und die Ergebnisse beider Bundesstaaten werden beim Nominierungsparteitag Ende August nur zur Hälfte gewertet. Damit bleibt Obama im Kampf um die Delegierten-Mehrheit weiterhin so gut wie uneinholbar in Führung.
"Diese Regeln sind verrückt", schimpfte die Managerin einer Restaurantkette gegenüber Reportern. "Es gibt immer einen Schlamassel wegen Florida, und wir haben es satt", sagte eine andere Clinton-Befürworterin (in Anspielung auf das umstrittene Florida-Wahlergebnis der Bush-Wahl im Jahr 2000). Viele enttäuschte Demokratinnen seien "so wütend, dass sie zum ersten Mal drohten, ihrer Partei abtrünnig zu werden, falls Hillary Clinton nicht nominiert werde", berichtet die "Los Angeles Times". Clinton selbst behielt sich noch vor, gegen den Kompromiss Beschwerde einzulegen.
Die letzte Vorwahlenrunde begann gestern in Puerto Rico, morgen folgen noch South Dakota und Montana. Auf der mit den USA assoziierten Karibikinsel Puerto Rico wird nach Umfragen eine klare Mehrheit für Clinton erwartet, doch aus den Abstimmungen in Montana und South Dakota dürfte Obama als Sieger hervorgehen.
Danach werden sich dann auch diejenigen sogenannten Superdelegierten auf einen der beiden Kandidaten festlegen, die bisher noch unentschieden sind. Viele Demokraten hoffen auf eine Entspannung der Lage: "Das Land will Sommerferien", sagt die demokratische Analystin Jenny Backus.
US-Medien rechneten damit, dass sich Obama möglicherweise noch in dieser Woche zum Präsidentschaftskandidaten erklären und Clinton (60) das Handtuch werfen werde. Wenn Obama die nötige Zahl von Delegierten und Superdelegierten demnächst erreiche, habe Clinton drei Möglichkeiten, schreibt die "New York Times": Sie könne "ihre Kampagne beenden und Obama unterstützen; oder ihre Kampagne beenden, ohne ihn zu unterstützen; oder den Kampf auf dem Nominierungsparteitag durchfechten". Letzteres halten aber auch ihre Unterstützer für falsch: Ein Konfrontationskurs gegen Obama gefährdet ihre eigene Position in der Demokratischen Partei. Die wolle sich jetzt zum Endspurt gegen den Republikaner McCain (71) zusammenschließen, sagen führende Parteimitglieder.
Die beiden Rivalen ringen nun schon seit mehr als einem Jahr um jeden Delegierten und jeden Spendendollar. Seit Beginn der Vorwahlen nahmen sie an 21 Debatten teil und gaben mehr als 404 Millionen Dollar aus. "Das war eine lange Vorwahlzeit", sagte Obama, "Es gibt Babys, die geboren wurden, als ich meine Kandidatur angekündigt habe, und die inzwischen laufen und sprechen."
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erwartet, dass sich Barack Obama gegen Hillary Clinton durchsetzt. "Es wird sich auf eine Endentscheidung zwischen McCain und Obama zu bewegen", sagte Steinmeier am Sonnabend in Nürnberg. Ein neuer US-Präsident müsse mit Europa die transatlantischen Beziehungen erneuern. Steinmeier hatte mit Obama bei einer US-Reise Kontakt und äußerte sich positiv über ihn.














