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Ausland

Kommentar: Hisbollah in Beirut

Syrien als Drahtzieher

Im Nahen Osten wächst die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg im Libanon. Zu Recht. Denn was die schiitische Hisbollah derzeit in Beirut treibt, ist mehr als nur die Muskeln spielen zu lassen. Hier geht es um die Ausweitung der Machtbasis.

Seit Jahren versucht die radikalislamische Miliz ihren ursprünglich auf den Süden des Landes begrenzten Einfluss auszudehnen. Sie hat mächtige Geldgeber im Hintergrund: Syrien und - noch wichtiger - die Mullahs aus dem Iran. Sie ziehen eigentlich die Fäden, sehen die Hisbollah und ihren Chef Hassan Nasrallah als einen vorgeschobenen Posten im Kampf gegen Israel. Eine direkte Konfrontation mit dem südlichen Nachbarn verhindern seit dem Ende des jüngsten Kriegs 2006 unter anderem Uno-Blauhelm-Soldaten.

Die Gelegenheit, einen neuen Vorstoß zu machen, um die Gewichte im Land zu verschieben, ist dagegen günstig. Denn seit dem Rücktritt von sechs pro-syrischen Ministern in der mühsam zusammengezimmerten libanesischen Regierung halten sich Regierungs- und Oppositionskräfte die Waage. Am Patt scheiterte unter anderem die Wahl eines Nachfolgers für Staatspräsident Lahoud, dessen Amtszeit bereits im vergangenen November auslief.

Die Hisbollah kann in dieser Situation zwei Trümpfe ausspielen. Zum einen haben ihre Kämpfer eine solide militärische Ausbildung und sind dank der zahlungskräftigen Hintermänner auch sehr gut ausgerüstet. Zum anderen genießt die Miliz vor allem im von jahrelangen Kämpfen zermürbten Süden große Sympathien. Die Hisbollah finanziert und unterhält dort Schulen und Kindergärten, sorgt für relative Sicherheit und Ordnung auf den Straßen. Wer dann noch über eigene Kommunikationseinrichtungen und Funknetze verfügt, kann vom Staat im Staat leicht zum tatsächlichen Machthaber werden. Erst recht, wenn die gewählten Vertreter und ihr Militär zu schwach sind, um sich zu wehren.

 

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