Stromausfälle waren angeordnet, um Mitleid zu erzeugen - alles nur für das Fernsehen?
Hamburg. Worte, Programme und Konzepte mögen politische Botschaften transportieren. Weit bedeutender jedoch sind die Bilder, die Geschichten erzählen. Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben. Kein Wunder, dass es allen Mächtigen immer wichtig gewesen ist, Bilder zu kontrollieren. Oder zu manipulieren, um die Effekte, die sie erzeugen, zu steuern. Jetzt also die Hamas.
Ägypten scheitert bei Versuch der Grenzschließung zu Gaza
Mit den Bildern von Zehntausenden Palästinensern, die den Grenzübergang Rafah nach Ägypten stürmen, um das nackte Überleben zu sichern, hat die radikal-islamische Organisation globales Mitleid für die 1,5 Millionen Menschen geweckt, die im Gazastreifen eingesperrt sind.
Die Botschaft der Bilder, von al-Dschasira in alle Welt ausgestrahlt: Seht her, dass ist kein Aufstand von gefährlichen Terroristen, sondern von Verzweifelten, die Not leiden. Prompt haben die Uno und EU Israel aufgefordert, die Blockade des Küstenstreifens am Mittelmeer, eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde, aufzuheben. Sogar der israelische Schriftsteller Uri Avnery fiel beinahe auf die Inszenierung herein. "Ich dachte an den Fall der Berliner Mauer von 1989", sagte er dem Abendblatt. "Nur war diesmal der Grenzübergang von Rafah das Brandenburger Tor."
Der Grenzdurchbruch markiert für die Hamas einen riesigen PR-Erfolg. Den Radikalen ist es gelungen, die Lage der Palästinenser in ein für die Weltöffentlichkeit dramatischeres Licht zu rücken. Wer kann sich schon dem Anrecht von 1,5 Millionen Menschen auf humane Lebensbedingungen widersetzen? Gleichzeitig war der Marsch "hungernder" Palästinenser ein orchestrierter Coup, um die wahren Ziele der Hamas in den Hintergrund treten zu lassen: alle Israelis ins Meer zu jagen und einen islamischen Gottesstaat zu errichten. Niemand sprach mehr davon, dass die Hamas Israel täglich mit 30 Kassam-Raketen und Mörsergranaten angreift, die über Ägypten nach Gaza geschmuggelt werden.
Was ein Hamas-Sprecher als "spontane Aktion von Familien" beschreibt, war in Wahrheit von langer Hand vorbereitet. Die "New York Times" berichtet, selbst in Gaza gelangten keine Sprengsätze "ganz spontan" in Grenznähe. Zudem seien unmittelbar nach den Mauersprengungen Bulldozer angerückt, um die Grenzanlange einzureißen. Ohne die in Gaza alleinherrschende Hamas gehe das nicht.
Außerdem habe die Hamas zweimal einen Stromausfall inszeniert, um die Sanktionen Israels zu stoppen. Das berichteten palästinensische Journalisten, die zu einer Konferenz der Hamas eingeladen worden waren, der "Jerusalem Post". So habe Hamas-Premier Ismail Hanijah eine Kabinettsrunde bei Kerzenlicht abgehalten - die Vorhänge waren zugezogen, um kein Tageslicht hereinzulassen. "Es war offensichtlich, dass die ganze Sache inszeniert war", sagte ein Journalist. Israelische Medien berichteten, nicht die Benzin-Kürzungen durch Israel hätten zu Stromausfällen geführt. Die Hamas selbst habe das einzige Kraftwerk in Gaza abgeschaltet. Und pünktlich zu den Nachrichtensendungen in Israel und Europa um 19 Uhr hätten Hunderte Kinder mit brennenden Kerzen bereitgestanden.
Die israelische "Haaretz" schreibt, die Wahrheit über die Lage in Gaza müsse untersucht werden. Die Zeitung hebt aber auch hervor, dass "Araber im Allgemeinen und Palästinenser im Besonderen Experten seien in der Inszenierung ihrer Leiden".
Die ägyptische Regierung hat am Freitag damit begonnen, die Menschenmassen an der Grenze abzufangen. Ägyptens Präsident Husni Mubarak kann sich der palästinensischen Sache zwar nicht entziehen. In Wahrheit aber fürchtet er offene Grenzen. Denn die radikale Hamas sympathisiert mit der in Ägypten verbotenen Muslimbruderschaft. Aus deren Reihen stammt der Mörder von Mubaraks Vorgänger Anwar al-Sadat.











