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Ausland

Nahost-Experte warnt vor Islam-Hysterie im Westen

Hamburg. Irak, Afghanistan, die Palästinensergebiete, Libanon, Iran und neuerdings Pakistan - die aktuellen Krisengebiete liegen in der islamischen Welt. Wer dann den Titel von Michael Lüders' neuem Buch "Allahs langer Schatten - Warum wir keine Angst vor dem Islam haben müssen" (Verlag Herder) liest, kann dem Autor als erste Reaktion entgegenhalten: "Guter Mann, Sie haben Nerven."Aber dem 48 Jahre alten promovierten Nahost-Experten, Publizisten und Politik-Berater geht es um Differenzierung. "Was in diesen Ländern passiert, ist in erster Linie politisch und nicht religiös motiviert", sagte Lüders dem Abendblatt, das vor einigen Jahren seinen ersten Roman "Gold im Gilf Kebir" als Fortsetzungsroman druckte.

Laut Lüders müsse unterschieden werden zwischen dem Islam als Religion, der sich weltweit 1,5 Milliarden Menschen zugehörig fühlen, und dem Islamismus, der ein politisch verstandener Islam sei, sowie dem Terrorismus im Namen des Islam. "Jegliche Gewalt ist natürlich abzulehnen, aber gleichwohl muss der Islam fair betrachtet und nicht nur als große Geißel der Menschheit gesehen werden", sagte Lüders bei einer Diskussionsrunde im Nachtasyl des Thalia-Theaters.

Ein gutes halbes Jahr hat der Autor an seinem Buch gearbeitet, weil er sich über die "großen Vereinfacher" geärgert hat, die sich laut Lüders nur oberflächlich mit dem Islam auseinandersetzen. "Da wird oft Kritik mit Denunziation verwechselt. Ich wollte einen Kontrapunkt setzen."

Lüders' These: Wer in jedem Muslim einen potenziellen Terroristen sieht, nimmt selbst eine extremistische Position ein und spielt so den Fundamentalisten in die Hände. Undifferenzierten Ängsten setzt der Autor fundierte Informationen entgegen: Anschaulich und einfühlsam gibt er einen Überblick über die Geschichte der islamischen Welt, über die unterschiedlichen Strömungen und den kulturellen Reichtum dieser Weltreligion - für eine faire und sachliche Auseinandersetzung mit dem Islam.

Lüders fordert vom Westen gleichzeitig Selbstkritik im Umgang mit dem Islam und weniger Forderungen. "Wenn es politisch nützte, wurden islamische Staaten aufgerüstet." So seien die Mudschaheddin in Afghanistan im Kampf gegen die Russen oder der Irak im Krieg gegen den Iran von den USA mit Waffen versorgt worden.

 

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