Botschafterin: Melody Sucharewicz (27) repräsentiert ihr Land
Israels Gesicht für die Welt
Aufgewachsen ist sie in Deutschland. Jetzt bereist sie alle Kontinente, um für Israel zu werben.
Hamburg. Diese Frau fällt auf. Da sind die krausen, blonden Locken, die ins Gesicht fallen und der offene Blick. Und dann dieser Name - Melody. Doch die 27 Jahre alte Melody Sucharewicz hat nicht nur einen ungewöhnlichen Vornamen. Die gebürtige Deutsche ist auch eine der populärsten Personen des öffentlichen Lebens in Israel. Vor einem Jahr gewann sie im israelischen Fernsehen die Casting-Show "HaShagrir - Der Botschafter". Seitdem reist sie als Diplomatin durch die Welt und macht politische Werbung für Israel.
"Mir geht es darum, die Dinge richtigzustellen. Die Menschen sollen verstehen, was wirklich im Nahen Osten geschieht", sagt sie. Es war der Zufall, der Melody Sucharewicz zum Fernsehen und zu dieser ungewöhnlichen Karriere führte. Dass sie in Israel lebt, ist keiner.
Kurz vor Abschluss ihrer Magisterarbeit in Anthropologie überredet sie ein Freund, sich für die Show zu bewerben. "Ich wollte nie bei einer Reality-Show mitmachen, doch das Konzept der Sendung hat mich überzeugt", sagt sie dem Abendblatt. 14 Studenten, darunter sechs gebürtige Israelis, kämpfen um den Titel "Botschafter Israels". Der Gewinner repräsentiert ein Jahr lang das Land in der Welt.
In der Jury saßen Armeegeneral Gil Regev, die Fernsehredakteurin Rina Mazliach und der ehemalige Armeesprecher General Nachman Shai. Das israelische Außenministerium unterwies die Kandidaten in einem Schnellkursus in der Kunst der Diplomatie. "In der ersten Sendung flogen wir nach Uganda und mussten vor 200 Journalisten für Israel werben", erzählt Melody. Am Ende präsentierten sie sich vor der Uno in New York. Ein Jahr dauerten die Dreharbeiten. Die Sendung wurde zum Quotenhit und Melody Sucharewicz Israels erste offiziell gewählte "inoffizielle Botschafterin".
Geboren und aufgewachsen ist Melody Sucharewicz in München. Bereits als Kind entwickelte sie eine besondere Verbindung zu Israel. Die Familie pflegt ihre jüdischen Wurzeln, Melodys Vater engagiert sich politisch für Israel. Im Alter von vier wusste sie, dass ihr Großvater einer der wenigen Überlebenden des Vernichtungslagers Treblinka war. Sie spürte, dass sie in ihrer deutschen Umgebung anders wahrgenommen wird. "Für viele Menschen ist es ungewöhnlich, dass es Juden in Deutschland gibt, die sich stark mit Israel identifizieren und für die das Land eine Heimat ist", sagt sie. Als sie zum ersten Mal nach Israel fuhr, fühlte sie sich zu Hause. Später verbrachte sie dort ihre Sommerferien. Mit 19 packte sie endgültig ihre Koffer und zog nach Tel Aviv. "Ich habe die Warmherzigkeit der Menschen in Israel immer geliebt", sagt sie.
Fast jede Woche ist Melody Sucharewicz jetzt in einer anderen Stadt oder einem anderen Land unterwegs. Sie hält Vorträge, diskutiert im Europaparlament und repräsentiert Israel auf Veranstaltungen. Die Reaktionen auf ihre Arbeit sind unterschiedlich. "Die Leute wissen oft nicht, als was sie mich sehen sollen: als Jüdin, Deutsche oder Israelin", sagt sie.
Geht es um die Politik Israels, wird der Ton ihr gegenüber meist schärfer. "Es erschreckt mich, dass viele junge Menschen in Europa eine sehr anklagende Haltung gegenüber Israel haben und nicht bereit sind, ihr Wissen zu hinterfragen." In Diskussionen werde sie oft mit Stereotypen konfrontiert. "Es heißt dann immer die armen Palästinenser und der Aggressor Israel." Das habe sie anfangs sehr wütend gemacht, jetzt sei es eine Frage der Geduld. "Kritik ist nicht schlecht. Aber es macht einen Unterschied, ob Kritik benutzt wird, um Wut oder Vorurteile herauszulassen."
Wie hat die Arbeit als "Botschafterin" sie verändert? "Ich bin bestimmter geworden in dem Willen, etwas zu tun und etwas zu verändern", sagt sie. In wenigen Wochen ist ihr "Botschafterjahr" vorüber. Eine neue Staffel der Show wird es vorerst nicht geben. Was aus ihrem beruflichen Leben wird, weiß Melody Sucharewicz noch nicht. Klar ist, sie wird sich weiterhin für Israel einsetzen.



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