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Ausland

Klimawandel: In San Francisco beraten Wissenschaftler über Probleme und Lösungen -

"Die Welt braucht eine Revolution"

Angela Merkels Berater für Klimaschutz fordert eine globale Anstrengung der Forscher, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. "Sonst verlieren wir . . . "

San Francisco. Wir müssen in die Zeit nach dem Erdöl starten." Der Spruch sticht jedem ins Auge, der nach der Landung in San Francisco zum Ausgang des Flughafens geht. "Wir glauben an das Zeitalter der Sonnenenergie und arbeiten hart dafür", erklingt es um kurz nach sechs Uhr morgens aus dem Fernsehen, BP wirbt dafür. "Als ich vor zwei Tagen in Washington landete", erzählte Professor Hans Joachim Schellnhuber, Chefberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Sachen Klimaschutz und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), auf der weltgrößten Wissenschaftskonferenz AAAS, "gab es einen starken Schneesturm, und das Computersystem fiel aus. So musste ich warten und kam mit den Passbeamten ins Gespräch. Als ich ihnen sagte, dass ich in die USA komme, um über den Klimawandel zu reden, da stellten sie viele spannende Fragen."

Vor wenigen Jahren undenkbar. Die USA ist kein Klimamuffel mehr. "Ich habe in Washington mit mehreren Senatoren aus beiden Parteien gesprochen", so Schellnhuber, "die nehmen die Herausforderungen des Klimawandels ernst." Natürlich gebe es noch viele Rückwärtsgewandte, aber die Gewichte veränderten sich.

Zum ersten Mal in der Geschichte der USA gibt es die Chance, dass eine wirkliche Klimapolitik gemacht wird, sagt Professor John Holdren, Präsident der amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS), im Gespräch mit dem Abendblatt. Der neue Bericht des Weltklimarates (IPCC), der Film des ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore, die neue Zusammensetzung des Kongresses, all das stimmt den international renommierten Wissenschaftler optimistisch. Spätestens nach den US-Präsidentschaftswahlen 2008 werde sich die Politik ändern, sagt der Veteran der Nachhaltigkeitsforschung. Seit 40 Jahren arbeitet er für diese Wissenschaft. Holdren: "Was wir jetzt brauchen, ist ein Plan, der fachübergreifend alle Forschungsanstrengungen und Erfolge zusammenträgt, damit wir auflisten können, was als Nächstes zu tun ist, und die Strategien gegeneinander abwägen können, mit denen wir für weniger Hunger und mehr Gesundheit sorgen, den Klimawandel und die unkontrollierte Verbreitung von Nuklearwaffen stoppen und die Ozeane retten können. Nur so können wir gefährliche Nebeneffekte vermeiden." Ein ehrgeiziges Projekt, für das sich beispielsweise bereits die National Academy of Science oder die National Science Foundation (SNF) begeistert.

"Wenn die Forscher es nicht schaffen, in den kommenden fünf Jahren alle davon zu überzeugen, dass wir wirksame Klimapolitik brauchen, dann haben wir das Spiel verloren", stellte Schellnhuber fest. Er forderte ein globales "Manhattan Projekt", wie einst für die amerikanische Atombombe, um das Unbeherrschbare zu vermeiden und das Unvermeidbare zu beherrschen.

Unter dem Dach dieses Projekts soll es drei Forschungsvorhaben geben. Die besten 100 Wissenschaftler weltweit müssten in den kommenden fünf Jahren erforschen, wo die kritischen Grenzen sind, wann die großen Systeme wie der Eisschild von Grönland oder der Golfstrom umkippen. "Das ist mit zwei Milliarden Euro zu schaffen", so Schellnhuber. "Zudem müssen wir ein überzeugendes Modell für eine dritte industrielle Revolution entwickeln, Innovationen so massiv vorantreiben, dass wir bis Ende des Jahrhunderts auf regenerative Energien umgestiegen sind." Wer auf Kernkraft setze, dem gehe in etwa 30 Jahren das Uran 235 aus, sagte Schellnhuber. Und: "Um den Klimawandel mithilfe der Atomenergie zu stoppen, müssen daher weltweit 10 000 Schnelle Brüter gebaut werden. Damit aber liefern wir die Bomben Terroristen frei Haus."

Das dritte Programm ziele auf die Neuerfindung der Stadt, so Schellnhuber. "Wir brauchen wieder Städte, die sich aus ihrer direkten Umgebung heraus versorgen können."

Um Herausforderungen wie diese zu meistern, appellierte AAAS-Präsident Holdren an die Konferenzteilnehmer: Jeder Forscher, egal welcher Disziplin, sollte zehn Prozent seiner Zeit dazu nutzen, um zur Lösung der globalen Probleme beizutragen. Eine Anregung, die hoffentlich auf fruchtbaren Boden fällt.

 

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