Putin-Rede erinnerte an Chruschtschows Schuh
MÜNCHEN/BERLIN/RIAD. Eine gute Waffe gegen Ärger und Schrecken ist die Ironie: Also reagierte US-Verteidigungsminister Robert Gates auf der Münchner Sicherheitskonferenz betont amüsiert auf die heftigen Vorwürfe des russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen der Großmachtpolitik der USA. Als erfahrener "Kalter Krieger" habe er bei Putins Rede "nostalgische Gefühle" bekommen, scherzte Gates.
In den versteinerten Gesichtern der anwesenden US-Senatoren John McCain und Joe Lieberman während Putins Rede war allerdings sehr viel deutlicher das tiefe Unbehagen abzulesen, das US-Politiker auf internationalen Bühnen immer häufiger befällt. Auch Putin hatte nicht zum ersten Mal seinem "Freund" US-Präsident George W. Bush wegen "Missachtung des Völkerrechts" und "militärischem Abenteurertum" die Leviten gelesen - und gelassen russische Waffenlieferungen an den Iran verteidigt, damit Teheran "sich nicht in die Ecke gedrängt fühlt".
Die Putin-Kritik fand in den USA nicht viel Beachtung, erinnerte allerdings manchen Kommentator an den berühmten Auftritt des ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chruschtschow, der 1960 bei der Uno-Vollversammlung aus Wut über den Westen mit seinem Schuh auf den Tisch hämmerte. Auch die russische Tageszeitung "Kommersant" schrieb: "Es schien so, als fehlte Putin nur noch jener berühmte Schuh, mit dem einst Nikita Chruschtschow bei den Vereinten Nationen auf den Tisch klopfte. Zum Abschluss der Rede wirkte es, als ginge zwischen Putin und seinen Zuhörern ein Vorhang nieder. Das war ein eiserner Vorhang."
Die Bundesregierung hat Vorwürfen des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen den Westen widersprochen, wertet sie aber nicht als Zeichen eines neuen Kalten Krieges. "Einen solchen Rückfall sehen wir mit Bestimmtheit nicht", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Außen-Staatsminister Gernot Erler wertete die Aussagen gegenüber Reuters als Zeichen für ein neues Machtstreben Russlands.
Auf seiner Reise in den Nahen Osten sagte Putin in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, Russland sei selbst ein Land mit vielen muslimischen Bürgern, die in Eintracht mit anderen Konfessionen lebten. Saudi-Arabien und Russland als die größten Erdölexporteure der Welt seien keine Konkurrenten, sondern Partner.



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