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Ausland

Frauen-Beschneidung

Das Ende der barbarischen Sitte?

Kommentar

Menschen mit Visionen und dem Mut, sie auch zu verwirklichen, sind die treibende Hefe unserer Gesellschaft. Viele in Deutschland haben das erschütternde Buch "Wüstenblume" der Somalierin Waris Dirie gelesen, in der sie die Qualen einer weiblichen Genitalverstümmelung beschreibt. Doch nur sehr wenige haben aus ihrem Mitleid den eisernen Willen destilliert, diesem grausamen Ritual ein Ende zu bereiten. Als der Hamburger Rüdiger Nehberg vor sechs Jahren eigens zu diesem Zweck eine Organisation gründete, gab es mehr Skepsis als Unterstützung.

Doch dann erreichte Nehberg zunächst, dass das äthiopische Volk der Afar nach Jahrhunderten mit dieser Tradition brach. Und nun verurteilten höchste islamische Rechtsautoritäten auf Nehbergs Betreiben die Genitalverstümmelung als Verbrechen gegen Islam und Menschlichkeit.

Die Fatwa von Kairo bedeutet noch nicht das sofortige Ende der barbarischen Sitte. Zu fest ist sie in vielen Köpfen verankert. Doch wahrscheinlich markiert die Konferenz in der Al-Azhar-Universität den Anfang vom Ende der Beschneidung. Denn jetzt erfahren alle Muslime, dass die Verstümmelung von Frauen nicht vom Koran gefordert wird, wie man ihnen lange erzählt hatte.

Mehr als 150 Millionen Frauen auf der Welt - das entspricht fast der doppelten Bevölkerungszahl Deutschlands - leiden entsetzlich unter den Folgen dieses Eingriffs, beraubt ihrer körperlichen Unversehrtheit und ihrer weiblichen Würde. Natürlich wird es auch diesmal Nörgler geben, die vom Sessel der Tatenlosigkeit aus den sensationellen Erfolg des Hamburgers in Frage stellen. Doch sollte aufgrund dieser Fatwa auch nur einem einzigen Kind diese grausamen Qualen erspart bleiben, hätte sich Nehbergs Einsatz bereits gelohnt.

 

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