US-Soldat bestätigt Massaker
Irak: Marines sollen "aus Hass" 24 Menschen hingerichtet haben. Militär informierte Präsident Bush erst, als die Ermittlungen begannen. Erster Zeuge meldet sich.
Bagdad. Nach Berichten über ein Massaker an Irakern durch US-Soldaten hat ein US-Marineinfanterist von blindem Haß seiner Kameraden gesprochen. Nach einem Bombenanschlag im November vergangenen Jahres in Haditha und dem Tod eines Marineinfanteristen seien einige Soldaten offenbar ausgerastet, sagte Unter offizier James Crossan dem Sender KING-TV in Seattle. "Ich glaube, daß sie einfach blind vor Haß waren und die Kontrolle verloren haben."
US-Präsident George W. Bush ist nach Angaben seines Sprechers erst nach Fragen eines Journalisten auf die Militäraktion in Haditha aufmerksam gemacht worden, bei der etwa 24 Iraker umgebracht worden sein sollen. Ein "Time"-Reporter habe die Fragen gestellt. Gestern äußerte der US-Präsident sich erstmals dazu. "Wenn tatsächlich Gesetze gebrochen wurden, dann gibt es eine Bestrafung" sagte er. Zuvor war bekannt geworden, daß ein Untersuchungsbericht die beteiligten Soldaten schwer belastet. Demnach hat es sich bei der Tötung von 24 Zivilisten im November offenbar um einen Angriff der US-Truppen gehandelt, dem keine Provokation vorausging.
Die Forensik beweise, daß die Zivilisten Schußwunden aufwiesen, sagte ein US-Behördenvertreter zu dem Bericht. "Das zeichnet ein anderes Bild als das, das die Soldaten gaben."
Das Marineinfanteriekorps hatte zunächst erklärt, die Iraker seien durch eine am Straßenrand versteckte Bombe und bei anschließenden Kämpfen mit Aufständischen ums Leben gekommen. Der Kongreßabgeordnete John Murtha warf den Soldaten vor, kaltblütig getötet zu haben. Unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder. Inzwischen wird gegen rund ein Dutzend Marineinfanteristen ermittelt, auch wegen des Versuchs, den Vorfall zu vertuschen. Familienangehörige von zwei Marineinfanteristen sagten, ihre Söhne seien damit beauftragt worden, die Leichen unbewaffneter irakischer Zivilpersonen zu fotografieren und dann wegzuschaffen.
Erstmals äußerte sich auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki zu den Vorwürfen. In der BBC sagte er am Dienstag abend, die multinationalen Streitkräfte im Irak müßten die Menschenrechte einhalten. "Es ist nicht entschuldbar, daß eine Familie getötet wird, weil jemand Terroristen bekämpft."
Der Ministerpräsident verhängte gestern den Notstand in Basra, um die anhaltende Gewalt einzudämmen. Bei einem Besuch in der südirakischen Stadt verurteilte al-Maliki die Welle von Entführungen und Morden, für die sunnitische Geistliche schiitische Todesschwadronen verantwortlich machen. Man werde mit "eiserner Hand" gegen Rädelsführer vorgehen. Die Sicherheitskräfte seien ausreichend gerüstet, um die Situation unter Kontrolle zu bringen, sagte er.
Der Gewalt im Irak fielen erneut mehrere Menschen zum Opfer. In Mossul im Norden des Landes tötete eine Autobombe mindestens fünf Polizisten und verwundete weitere 14. In Bagdad wurden 19 Leichen gefunden. Den meisten Opfern waren die Hände gefesselt und die Augen verbunden.




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