USA liefern Indien F-16- und F-18-Jets
Rüstungsexport: Bush umwirbt Neu-Delhi - wütende Proteste gegen seinen Besuch. Heute reist der US-Präsident zum Nachbarn nach Pakistan. Und der sieht sich benachteiligt . . .
Neu-Delhi/Islamabad. George W. Bush sähe das politisch wie wirtschaftlich aufstrebende Indien gern stärker eingebunden in seinen Kampf gegen den Terrorismus. Schmerzlich dürfte der US-Präsident sich daran erinnern, daß Neu Dehli ihm einst die dringend erbetenen Truppen für den Irak verweigerte. Bush sparte deshalb nicht mit Schmeicheleien und hatte auch handfeste Argumente in Form von Rüstungsverträgen.
Am Donnerstag hatten Indien und die USA ein von beiden Seiten als historisch bezeichnetes Atom-Abkommen unterzeichnet. Danach werden die USA als erstes Land der Welt wieder Atomtechnologie und Nuklearmaterial zur zivilen Nutzung an Indien liefern. Am Freitag folgten die Abkommen über die Lieferung moderner Rüstungstechnologie. Dazu zählen unter anderem F-16- und F-18-Kampfjets, aber auch Hubschrauber, Flugzeuge zur Seeraumüberwachung und Schiffe.
Bush besuchte am Freitag die südindische High-Tech-Metropople Hyderabad. Während dort auf den Straßen Tausende Menschen gegen den Besuch protestierten, traf der Präsident mit Jungunternehmern, Bauern und Wissenschaftlern zusammen. Die Proteste eskalierten in einem blutigen Zusammenstoß zwischen Hindus und Muslimen, bei dem in Lucknow drei Menschen ums Leben kamen und mindestens 18 weitere verletzt wurden.
Bei seiner abschließenden Rede in Neu-Delhi nannte Bush es die gemeinsame Pflicht beider Länder, Demokratie rund um den Globus zu verbreiten. Vor der Kulisse eines historischen Forts gab es von den ausgesuchten indischen Gästen freundlichen Beifall. Zumal Indien das bekommen hat, was es sich von dem Bush-Besuch versprach: Die De-facto-Anerkennung als Atommacht.
Der US-Präsident reise nach seiner Ansprache gleich weiter zum atomar nicht weniger gerüsteten Nachbarn Indiens - nach Pakistan. Dessen Regierung in Islamabad ist über den Schmusekurs der Amerikaner verärgert. Indiens Erzrivale sieht sich als einen der wichtigsten Partner der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Dieser ist in Pakistan selbst noch lange nicht vorbei. Erst am Donnerstag riß ein Selbstmordattentäter vor dem US-Konsulat in der südpakistanischen Hafenstadt Karatschi einen amerikanischen Diplomaten und drei weitere Menschen mit in den Tod.
Doch am Tag zuvor, zeitgleich mit dem Beginn von Bushs Südasien-Reise, tötete die pakistanische Armee im Grenzgebiet zu Afghanistan 25 mutmaßliche Terroristen. Der US-Präsident wird den erneuten Beweis des Engagements seines pakistanischen Amtskollegen Pervez Musharraf im Anti-Terror-Kampf wohlwollend zur Kenntnis genommen haben.
Bush und Musharraf dürften sich zwar bei ihren Gesprächen beim Thema Terrorismus einig sein, doch Konflikte drohen an anderer Stelle. US-Außenministerin Condoleezza Rice hat bereits deutlich gemacht, daß das Atom-Abkommen der USA mit Indien für Pakistan keinesfalls in Frage kommt. Dafür hat Pakistan nach illegalen Atomlieferungen an den Iran und Libyen eine zu unsaubere Weste. Doch Musharraf wird nicht klaglos hinnehmen, daß der Erzrivale Indien bevorzugt wird.




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