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Ausland

Blumenteppich für den Papst

Johannes Paul II. wurde in Guatemala und in Mexiko-Stadt euphorisch gefeiert.

Mexiko-Stadt. Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Menschen begleiteten gestern in Mexiko-Stadt die Heiligsprechung des Indios Juan Diego durch Papst Johannes Paul II. Damit wurde erstmals ein aztekischer Ureinwohner heilig gesprochen. Aus allen Teilen Mittelamerikas waren die Gläubigen im Großraum um die Basilika von Guadalupe zusammengeströmt. Tänzer in aztekischen Kostümen begleiteten das Bild des heiligen Juan Diego zu der Zeremonie. In der Basilika selbst hatten nur 22 000 Menschen Platz gefunden, doch säumten Hunderttausende die Straßen, um einen Blick auf den Papst zu erhaschen, als er zur Messe fuhr. Die Polizei sprach sogar von vier Millionen Menschen. "Bruder Johannes Paul, jetzt bist du ein Mexikaner", rief die Menge. Die Mexikaner empfinden eine besondere Zuneigung zu dem Papst: Ihr Land war das erste Ziel seiner Auslandsreisen - und wird womöglich auch das letzte sein, glauben viele Beobachter angesichts seines Gesundheitszustandes. "Meine Freude darüber, dass ich zum fünften Mal in dieses gastfreundliche Land kommen kann, ist immens", sagte Johannes Paul II. bei seiner Ankunft mit schleppender Stimme. Er sei von tiefer Freude darüber erfüllt, Juan Diego als ersten Indio heilig sprechen zu dürfen. Während der Begrüßung mussten ihn ein Helfer und Präsident Vicente Fox stützen. Von Hubschraubern aus überwacht, legte der Papst zuvor im "Papamobil" die 20 Kilometer lange Strecke von seinem Quartier bis zu der Basilika zurück. Das gläserne Gefährt passierte dabei auch den Zocalo-Platz im Zentrum der 22-Millionen-Metropole. Dort segnete das 82-jährige Kirchenoberhaupt die Teilnehmer eines Jugendtreffens. Auf dem Platz, der von der größten Basilika Lateinamerikas beherrscht wird, hatten die jungen Menschen die ganze Nacht hindurch getanzt und gebetet. Präsident Fox selbst ließ sich von der euphorischen Stimmung mitreißen. Er überschritt mit seiner Teilnahme an der Zeremonie sogar die mexikanische Verfassung, die eine strikte Trennung von Staat und Kirch fordert. Fox hätte bei der Begrüßung des Papstes den päpstlichen Ring nicht küssen dürfen und schon gar nicht in erster Reihe an der Heiligsprechung des mexikanischen Volkshelden Juan Diego teilnehmen dürfen. Das mexikanische Parlament wird über den Fall jetzt beraten. Fox rechtfertigte sich damit, dass die Heiligsprechung für Mexiko ein Jahrhundertereignis sei. Er weiß, dass die Mehrheit der Mexikaner ihm einen kühlen Empfang des Papstes nicht verziehen hätte. Der Vatikan sah nicht ungern, wie groß der Einfluss der katholischen Kirche in Mexiko wirklich ist. Dem Indio Juan Diego soll im Jahr 1531 die Madonna erschienen sein. Ihr Bild, das Juan Diego erhielt und dessen Herstellung bis heute unerklärlich ist, löste eine Massenbekehrung unter den Ureinwohnern Amerikas aus. Mexikanische Wissenschaftler und selbst der ehemalige Vikar des Heiligtums von Guadalupe, Guillermo Schulenburg, zweifeln allerdings daran, ob Juan Diego je existierte. Die Figur des Heiligen sei erfunden worden, um die Indios zum katholischen Glauben bekehren zu können, meinen Fachleute.SAD/HA

 

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