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Ausland

Nahost-Experte: Irans Präsident will neuer Khomeini sein

Hamburg. Auch Tadel verpflichtet. Völlig unbeeindruckt von internationaler Kritik verneint der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad, erst seit Juni im Amt, aber seitdem konsequent auf rhetorischer Geisterfahrt, weiter das Existenzrecht Israels, fordert die Verlegung des Judenstaates nach Europa oder Österreich, leugnet den historisch belegten Massenmord an sechs Millionen Menschen. Ein Verrückter ganz offenbar, ein islamistischer Scharfmacher, von dem Einsicht nicht zu erwarten ist.

Was treibt diesen Fanatiker, dessen ideologisches Sendungsbewußtsein sich im Regierungsalltag nicht abgeschliffen hat? Udo Steinbach, Leiter des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg, sieht in den Verbalattacken Ahmadinedschads den Versuch, innenpolitisch einen neuen Kurs durchzusetzen, und zwar gegen den Reformprozeß seines Amtsvorgängers Khatami. "Ahmadinedschad sieht sich als Erbe des Revolutionsführers Khomeini", sagte Steinbach dem Abendblatt. Als solcher suche er "auch die Konfrontation mit einem Teil des politischen Establishments im Iran, das ihm als korrupt gilt".

Ahmadinedschad, so Steinbach, "ist revolutionäres Urgestein". Sein Vater ist Schmied, er stammt aus jener Schicht, die 1979 die Revolution getragen hatte: den "Mostaz'afan", den entrechteten Massen. Und es waren die vernachlässigten Armen, die den 49 Jahre alten Doktor der Ingenieurswissenschaften zum Präsidenten gewählt haben, weil er ihnen als eine Art Robin Hood sozialen Wohlstand versprochen hatte. Bislang freilich folgenlos.

Erfahrungen mit dem Ausland, vor allem mit der nichtislamischen Welt, hat Ahmadinedschad, durch und durch Antizionist, keine. Er mag mit seiner Israel-Hetze durchaus vielen Arabern aus dem Herzen sprechen. Dem ehemaligen Bürgermeister Teherans fehlt aber jedes Gespür für das Empfinden im Westen.

"Der Mann ist ein reiner Ideologe", sagte Steinbach. "Und er hat keine Ahnung, was er anrichtet." Er schade dem Iran nicht nur außenpolitisch, sondern auch wirtschaftlich, indem er Investoren abschreckt. Zudem nimmt die Kapitalflucht ins Ausland zu.

Die Gemäßigten im Regierungsapparat wissen zwar, daß der anti-israelische Kurs den Interessen des Iran zuwiderläuft. Freunde Israels sind allerdings auch die Gemäßigten nicht. Die Führung in Teheran hält seit jeher Terrororganisationen wie die Hisbollah im Libanon und die palästinensische Hamas an der Sponsorenleine. "Die arabischen Nachbarn wiederum verhalten sich still", sagte Steinbach. Vielen erscheine die Konfrontation als die einzige Strategie im Umgang mit Israel.

Im Westen allerdings läßt der Gedanke, der pathologische Hardliner im Iran könnte möglicherweise schon bald die Hand am Atomknopf haben, alle Alarmsirenen schrillen. Ein islamisches Schlüsselland mit 70 Millionen Einwohnern, das über Atomwaffen verfügt und nicht zögern wird, diese auch einzusetzen? Ein Alptraum. "Mit Gewalt wird man diesen allerdings nicht loswerden", sagte Steinbach, der im Atomkonflikt mit dem Iran zunächst für weitere Gespräche plädiert. Der Nahostexperte äußerte aber die Vermutung, daß Pläne für eine militärische Option längst in Tel Aviv und Washington bereitlägen. Das sei die "verhängnisvollste Antwort". Heute sei die Lage eine andere als 1981, als Israel mit einem Blitzangriff im Irak die Atomanlage Osirak zerschlagen hatte. Anders als Osirak seien Atomanlagen des Iran weit im Land verteilt, und die Atomindustrie sei vorangeschritten. Außerdem sei Teheran in der Lage, in der Region eine Menge in Bewegung zu setzen, in Afghanistan, im Irak und im Libanon. "Das sind Dimensionen, die noch gar nicht zu übersehen sind."

Mit fatalen Folgen auch im Iran. "Jeder Angriff von außen führt im Innern zu einem Schulterschluß aller Iraner mit dem Regime." Dann komme der schiitische Opferkult ins Spiel. Steinbach hält es für möglich, daß sich die Erben der Revolution einen Militärschlag geradezu herbeiwünschten, um sich als schiitische Muslime für den Islam zu opfern. "Ahmadinedschad rechnet nicht mit dem Schlimmsten, er provoziert es."

 

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