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Ausland

Der Scharfmacher von Teheran schockiert die Welt

Präsident: "Holocaust ein Märchen - Israel nach Alaska". Israel warnt mit Blick auf Irans Atomprogramm: "Wir verteidigen uns." Bundesregierung bestellt Gesandten ein. Grüne fordern: Iran von WM ausschließen!

TEHERAN/BERLIN. Mit einer neuen anti-israelischen Hetzrede hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad weltweit für Fassungslosigkeit gesorgt. Unbeeindruckt von der Empörung über seine früheren Verbalattacken gegen Israel bezeichnete der islamistische Scharfmacher den Holocaust als erfunden. Statt die israelischen Angriffe gegen die Palästinenser zu thematisieren, widme sich der Westen dem "Märchen vom Massaker an den Juden", sagte Ahmadinedschad vor Tausenden Iranern im Südosten des Landes.

Israels Premier Ariel Scharon ließ umgehend erklären, daß sich sein Land "jederzeit verteidigen" könne. "Gott sei Dank verfügt Israel über Mittel, um das extremistische Regime im Iran scheitern zu lassen", sagte Scharons Sprecher Raanan Gissin. "Es wird keine zweite Endlösung geben", sagte er unter Hinweis auf den Holocaust, der von den Nazis als "Endlösung der Judenfrage" bezeichnet worden war. Zuvor hatte Israels Generalstabschef gewarnt, binnen drei Monaten könne dem Iran der entscheidende Durchbruch bei der Entwicklung einer Atombombe gelingen. Von diesem Punkt an gebe es dann "kein Zurück mehr".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies die Aussagen Ahmadinedschads als "unfaßbar" zurück. Sie wolle sich zunächst beim EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel für eine gemeinsame Ablehnung einsetzen, sagte ein Regierungssprecher. Alle im Bundestag vertretenen Parteien wollen die Äußerungen am Freitag in einer Resolution verurteilen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bezeichnete die antisemitische Hetze, die nicht nur das Existenzrecht Israels, sondern auch den Holocaust leugne, als "schockierend und völlig inakzeptabel". Der Geschäftsträger der iranischen Botschaft in Deutschland wurde einbestellt. Ihm sei der Protest der Bundesregierung klargemacht worden, hieß es.

Ahmadinedschad hatte bereits zuvor mehrfach mit Forderungen für Empörung gesorgt, das "Krebsgeschwür" Israel "auszulöschen". In seiner vom Staatsfernsehen übertragenen Rede sagte er: "Wenn Gott, die Propheten und die Religion im Westen abgelehnt werden, kümmert das niemanden, aber wenn jemand dieses Märchen vom Massaker an den Juden nicht glaubt, dann heult die zionistische Propagandamaschine laut auf." Zugleich wiederholte er seine Forderung nach Verlagerung des jüdischen Staates. Wenn der Westen an die Ermordung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges glaube, sollte Israel "ein Stück Land in Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada oder Alaska zur Verfügung gestellt werden".

Mehrere Grünen-Politiker forderten den Fußball-Weltverband Fifa auf, den Iran von der WM 2006 in Deutschland auszuschließen. "Das würde eine ernsthafte Debatte im Iran auslösen", sagte der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit. Die Fifa erteilte der Forderung eine Absage. Verbandssprecher Andreas Herren sagte, die Fifa trenne "strikt zwischen Politik und Sport". Der Iran habe sich regulär für die WM qualifiziert.

Das US-Außenministerium bezeichnete die Äußerungen Ahmadinedschads als "empörend". Er werde sich und sein Volk damit nur noch weiter in die Isolation führen. In Polen, wo die Nationalsozialisten ihre Vernichtungslager errichtet hatten, rief die Brandrede besondere Bestürzung hervor. "Die Beunruhigung ist um so größer, da dies eine weitere Äußerung des Präsidenten eines Uno-Mitgliedsstaates ist, die einem anderen Uno-Mitglied das Existenzrecht abspricht", so das Außenministerium.

 

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