"Palästinenser und Israelis müssen das Zusammenleben nur wollen"
Friedensmission: Sumaya Farhat-Naser spricht in Hamburg
Hamburg. "Das Land ist groß genug für beide Völker. Beide Seiten, Palästinenser und Israelis, müssen das Zusammenleben nur wollen." Sumaya Farhat-Naser verfolgt ihr Ziel der friedlichen Ko-Existenz zäh und unbeirrt. Aber die 57 Jahre alte Palästinenserin sieht auch die vielen Probleme. "Israel handelt oft einseitig, ohne die Wünsche der Palästinenser zu berücksichtigen."
Die Professorin für Botanik und Ökologie hat in den vergangenen Jahren ihre Lehrtätigkeit an der Universität in ihrem Heimatort Birzeit nördlich von Jerusalem ruhen lassen, um sich der Friedensarbeit zu widmen. Zuerst war es das israelisch-palästinensische Frauenprojekt "Jerusalem Link", jetzt sind es Seminare mit Schülern und Studenten in Birzeit, Ramallah, Jericho und Bethlehem.
Heute wird Sumaya Farhat-Naser in Hamburg, wo sie zehn Jahre lang studierte und ihre Ausbildung mit der Promotion abschloß, über den stockenden Friedensprozeß berichten. (19 Uhr, Evangelisch-Reformierte Kirche, Palmaille 2).
"Der Abzug der israelischen Soldaten aus dem Gaza-Streifen ist nicht das Ende der Besatzung", bilanziert die Wissenschaftlerin, die für ihr Friedensengagement schon zahlreiche Preise bekommen hat, gegenüber dem Abendblatt. "Das Militär ist jetzt rund um den Gaza-Streifen postiert, also ist es eine ferngesteuerte Besatzung." Farhat-Naser beklagt, daß der Aufbau im Gaza-Streifen deshalb auch nur schleppend vorankomme. "Müll- und Abwasserentsorgung funktionieren nicht, der Flughafen und viele Häuser sind zerstört, es fehlen Investitionen und damit Arbeitsplätze."
Deshalb würden viele Palästinenser unzufriedener und ungeduldiger. "Die Menschen fühlen sich wie in einem großen Gefängnis und haben den Eindruck, daß man ihnen das Leben so schwermachen möchte, daß sie irgendwann das Land verlassen."
Aber auch auf israelischer Seite registriert die Palästinenserin Frust und Resignation. "Die Menschen sind müde und verspüren psychischen Druck. Die Selbstmordrate steigt, die Armut nimmt zu." Farhat-Naser spricht von einer "schizophrenen" Gesellschaft. "Einerseits sind die Israelis stolz auf ihren liberalen Staat, andererseits sind sie Besatzer."
Die aktuellen Entwicklungen in der israelischen Politik stimmen Farhat-Naser zuversichtlich. "Da läuft jetzt ein Selbstklärungsprozeß, der hoffentlich dem Friedensprozeß dient."



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