Befreiung: Armee holte Kameraden mit Gewalt aus dem Gefängnis. Waren sie reguläre Soldaten, Untergrundkämpfer oder Geiseln? Iraker wütend.
BASRA/LONDON. Die britische Kommando-Aktion zur Befreiung zweier britischer Soldaten aus irakischer Haft hat zu schweren Spannungen im Südirak geführt.
Wie gestern berichtet, hatte die britische Armee im südirakischen Basra zwei Soldaten mit Waffengewalt aus den Händen der Schiiten-Miliz von Moktada el-Sadr befreit. Dabei hatte eine wütende Menge britische Panzer mit Brandflaschen beworfen.
Der britische Verteidigungsminister John Reid verteidigte gestern die Aktion, die zu schweren Spannungen mit der irakischen Polizei und der Zivilbevölkerung in Basra führte.
Bislang waren die Briten bei den Südirakern nicht auf jene Feindseligkeit gestoßen wie die Amerikaner in Bagdad und den anderen Landesteilen des Irak. Die Briten bemühten sich erfolgreich um ein gutes Verhältnis zu den Irakern und konnten sogar auf Helme und Panzerschutz verzichten. Das hat sich nun geändert.
Die beiden als Araber verkleideten britischen Soldaten, nach Angaben des Londoner "Daily Telegraph" Angehörige der Elite-Einheit "Special Air Service' (SAS), waren am Montag nach irakischen Polizeiangaben festgenommen worden, nachdem sie auf eine Polizei-Patrouille geschossen hatten. Daraufhin kam es zu einer gewaltsamen Demonstration von rund 300 Bewohnern der Stadt gegen die Briten; gepanzerte Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt.
Nach Meldung des "Telegraph" waren die beiden Kommando-Soldaten in einer verdeckten Aufklärungs-Operation unterwegs, als sie an einem irakischen Checkpoint angehalten und erkannt wurden. Beim Versuch, sie festzunehmen, sei es zu einem Schußwechsel gekommen. Die SAS-Männer wurden überwältigt und später der Sadr-Miliz übergeben. Verteidigungsminister Reid bezeichnete es als "absolut richtig", daß die beiden Soldaten gewaltsam befreit wurden. Noch sei unklar, unter welchen Umständen die irakische Polizei die beiden der Mehdi-Armee von Sadr überlassen habe.
Die Schiiten-Miliz habe die britischen Soldaten als Geiseln genommen, um die Freilassung zweier ihrer Anführer zu erzwingen, die am Sonntag von den Briten festgenommen worden seien, sagte der irakische Abgeordnete Ali Dabagh.
Aus dem irakischen Verteidigungs- und Innenministerium hieß es, nach der Festnahme der beiden Soldaten seien acht britische Panzer in der Nähe des Polizeigefängnisses aufgefahren. Britische Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben, später den Haupteingang des Polizeigefängnisses in Basra umstellt und den Eingang des Gebäudes eingerammt. 150 Gefangene hätten die Gelegenheit zur Flucht genutzt. Dies wurde von London dementiert.
Die britischen Zeitungen berichteten gestern in großer Aufmachung über die undurchsichtige Befreiungsaktion und von der Demonstration in Basra. Fotos zeigten britische Soldaten, die aus gepanzerten Fahrzeugen flüchteten. "Wir waren zu der Annahme verleitet worden, Basra sei eine relativ friedfertige Gegend", hieß es im "Evening Standard". "Nun wissen wir es besser."
Bei einem Autobombenanschlag auf einen diplomatischen US-Fahrzeugkonvoi kamen derweil in der nordirakischen Öl-Stadt Mossul vier Amerikaner ums Leben.











