Sonntag, 27. Mai 2012, 22:07

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Ausland

Auch Störtebeker diente als Söldner

"Huren des Krieges" seit der Antike

Söldner sind seit jeher Menschen mit einem schlechten Ruf. Sie gelten als geldgierig, grausam, unmoralisch und illoyal. Sie sind sozusagen die Huren des Kriegs, immer bereit, sich dem Meistbietenden zu verkaufen.

Dieses Bild läßt sich historisch widerlegen. Im Gegenteil: Gerade Söldnertruppen zeigten sich ihrem Kriegsherrn gegenüber häufig als besonders loyal, auch dann noch, als die regulären Truppen längst geflohen waren.

Als Beleg für die Loyalität der Mietsoldaten mag gelten, daß viele Herrscher gerade Söldner als Leibwachen hatten - wie König David die Kreter und Philister, jene berühmten "Krethi und Plethi", die französischen Könige im Mittelalter schottische Leibwachen oder die Päpste die legendäre Schweizer Garde.

Söldner sind vor allem professionelle Krieger. Diese Haltung prägt jede Söldnerformation durch die Geschichte. Sie fühlen sich deshalb vor allem Werten verpflichtet, die mit ihrem Beruf, dem Kriegshandwerk, verbunden sind. Deshalb war und ist Loyalität vor allem an Personen und Gruppen gebunden, selten nur an abstrakte Werte wie eine Verfassung oder eine Staatsform.

So zog der Karthagerfürst Hannibal vor allem mit keltischen und numidischen Söldnern nach Italien und versetzte Rom in Angst und Schrecken. Rom selbst bediente sich später ebenso anderer Völker als Reservoir für ihre Legionen.

Die großen Landsknechtsheere des 30jährigen Kriegs waren vor allem auf ihre Führer wie Wallenstein, Tilly oder den schwedischen König Gustav Adolf eingeschworen. Weniger auf die Länder oder die Konfession, für die diese Feldherren standen. Gleiches gilt für die berüchtigte "Schwarze Garde", die 1500 in der Schlacht bei Hemmingstedt von den freien Dithmarscher Bauern geschlagen wurde.

Im Mittelalter traten Söldner nicht selten als sogenannte "freie Kompanien" auf, Kampfverbände, die als Gruppe angeheuert werden konnten, freie Unternehmer des Kriegshandwerks.

Eine der bekanntesten Truppen dieser Art fand in Hamburg ihr Ende: die "Vitalienbrüder" unter ihren Anführern Klaus Störtebeker und Godeke Michels. Echte Seeräuber waren sie erst zum Ende ihrer Karriere, die zudem stark romantisiert wird. Zum Ende des 14. Jahrhunderts dienten sie vor allem als seefahrende Söldnerkompanie auf unterschiedlichen Seiten des Kriegs zwischen Margarete von Dänemark und Albrecht von Mecklenburg, die sie zu diesem Zweck mit Kaperbriefen ausstatteten.Frank Ilse

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus