Der große Mode-Satan
Irans Mullahs warnen Frauen, sich "unanständig" anzuziehen. Aber selbst Gefängnis schreckt nicht ab.
Teheran. Seit Jahrzehnten schon geht der islamische Klerus in Iran mit Macht gegen die "westliche Kulturinvasion" an. Gefahr für die Islamische Revolution drohe nicht nur von Satellitenfernsehsendern, Büchern, Musik und Filmen, sondern auch durch die Mode aus dem Westen. Durch den Vormarsch des Internets ist es zwar großteils gar nicht mehr möglich, diese "Kulturinvasion" zurückzuschlagen. Doch bei der Mode liegt das etwas anders.
Seit 26 Jahren versuchen die Mullahs nun schon, Iranerinnen vorzuschreiben, wie sie sich in der Öffentlichkeit zu zeigen haben: in bodenlangem wallenden Gewand, das Haar vor den Blicken fremder Männer unter einem Schal versteckt. Aber selbst Auspeitschen, Geld- und Haftstrafen halfen nichts. Alles erfolglos. Nun blasen die konservativen Kräfte mit Hilfe des staatlichen Fernsehens erneut zum Kampf. "Nicht beizeiten dagegen vorzugehen, würde die gesamte islamische Gesellschaft unseres Landes in Gefahr bringen", wetterte ein führender Ayatollah, Mohammed Kaschani.
"Vielleicht besiegt die Regierung ja eines Tages den Großen Satan (Bezeichnung Teherans für den Erzfeind USA)", meint Schahrokh M., ein Teheraner Ladenbesitzer. "Aber den Frauen können sie nicht vorschreiben, was sie anziehen sollen und was nicht."
In den Städten spazieren modebewusste Iranerinnen meist im kurzen, engen Mantel durch die Straßen. Auch die Hosen lassen Bein sehen bis zur Wade. Unter dem lässig umgeworfenen Designer-Schal wird am Make-up nicht gespart. Angesichts dieses "Neuen Looks" warnte die Obrigkeit erst kürzlich Frauen davor, sich nicht "unanständig herauszuputzen wie Mannequins". Anschließend wurden Hunderte Frauen vorübergehend ins Gefängnis gesteckt, die Kontrollen in Einkaufszentren und öffentlichen Einrichtungen verschärft.
Im Parlament haben die Konservativen Gesetzentwürfe eingebracht, um diese Welle einzudämmen. "Wir brauchen ein Bildungsprogramm, damit die Menschen zu ihren Wurzeln zurückfinden", meint ein Soziologe im Staatsfernsehen, das sich tagtäglich mit dem Thema beschäftigt.
Als neueste Idee propagiert das konservative Establishment die Kreation einer "Landeskleidung". "Westliche Designer verdienen Millionen mit ihren Entwürfen. Ich würde bezweifeln, dass wir hier überhaupt Designer haben", meint Schneider Hamed aus Teheran. Seine Tätigkeit besteht vorwiegend darin, für wenig Geld Schnitte aus westlichen Modemagazinen zu kopieren. "Die Regierung baut riesige Einkaufszentren, verkauft die Läden dann zu astronomischen Preisen und erwartet, dass die Besitzer dann dieses Nationalgewand an die Leute bringen", sagt der Teheraner Ladeninhaber Homajun. "Aber man kann uns nicht verbieten das zu verkaufen, was die Leute haben wollen."
"Natürlich sollten wir unsere nationalen Wurzeln achten", findet ein Jugendlicher. "Aber ich persönlich möchte eben aussehen wie David Beckham." (dpa)



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