16.09.12

US-Präsidentschaftswahlen

Obamas Wiederwahl wird wahrscheinlicher

Der Vorsprung auf seinen Herausforderer Mitt Romney wächst in verschiedenen Umfragen - auch in besonders umkämpften Staaten.

Foto: AFP
Barack Obamas Wiederwahl im November wird neuesten Umfragen zufolge immer wahrscheinlicher
Barack Obamas Wiederwahl im November wird neuesten Umfragen zufolge immer wahrscheinlicher

Washington. Die jüngsten Meinungsumfragen in den USA signalisieren einen Schwenk in Richtung des demokratischen Amtsinhabers Barack Obama. Die Mehrzahl der Forschungsinstitute melden einen wachsenden Vorsprung des Amtsinhabers. Anfang der Woche hatte zunächst der Nachrichtensender CNN mit einer Umfrage überrascht, nach der der Präsident mit sechs Prozent vor seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney liegt. Weitere Befragungen in den letzten Tagen bestätigten zumindest in der Tendenz einen größer werdenden Vorsprung Obamas.

Nach einer von Sender CBS und der "New York Times" in Auftrag gegebenen Umfrage hat Romney inzwischen auch seinen Kompetenzvorsprung bei der Wirtschaftspolitik verloren. Demnach liegt erstmals seit Monaten bei einem größeren Anteil der Wähler (47 Prozent) der amtierende Präsident bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Ankurblung der Wirtschaft vor Romney (46 Prozent). Lediglich im Umgang mit dem Haushaltsdefizit traut demnach noch eine Mehrheit dem republikanischen Bewerber mehr zu, auf allen anderen Feldern bis hin zur Außenpolitik liegt Obama klar vorne. Und in der Beurteilung der eigenen wirtschaftlichen Lage wie auch der Zukunft des Landes wächst in den Umfragen die Minderheit, die etwas optimistischer nach vorne blickt.

Bedrohlich sind für Romney darüber hinaus die Ergebnisse in Ohio, Virginia und Florida. In allen drei US-Staaten liegt Obama nach jüngsten, vom "Wall Street Journal" und NBC dort durchgeführten Umfragen, vorne, in Ohio sogar deutlich mit 50 zu 43 Prozent. Sollte Obama zwei dieser Staaten für sich gewinnen können, ist ihm nach Einschätzung fast aller Wahlforscher der Wiedereinzug ins Weiße Haus kaum noch zu nehmen. Er hätte dann in jedem Fall die notwendige Zahl von Wahlmännern erreicht.

In Florida zeigt vor allem die Kampagne der Demokraten zur Krankenversicherung für Rentner Wirkung. Die Umfragen geben Obama auf diesem Gebiet einen klaren Kompetenzvorsprung. Und in Ohio könnte das Schicksal der amerikanischen Autoindustrie den Ausgang entscheiden. Obamas Rettungsprogramm hat dem Staat eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote beschert. Pennsylvania, einer der Staaten, der vor einigen Wochen noch für Romney erreichbar schien, gilt inzwischen mit einem Vorsprung von bis zu elf Prozent als sichere Demokratenhochburg.

Der offenkundige Meinungsumschwung war das Thema der sonntäglichen Fernsehrunden zur politischen Lage. Selbst entschiedene Befürworter Romneys wie der konservative Kolumnist Bill Kristol werfen dem Kandidaten der Republikaner den aus ihrer Sicht entscheidenden Fehler vor, sich nicht hinreichend zu erklären. Das "Wall Street Journal", unter den einflussreichen Tageszeitungen der schärfste Obama-Kritiker, veröffentlichte am Wochenende einen Leitartikel, der mit Romney hart ins Gericht geht. "Herr Romney hat deswegen Schwierigkeiten mit seiner Botschaft zur Wirtschaft, weil er sich offensichtlich bislang nicht die Zeit genommen hat, diese festzulegen", heißt es darin. Ähnlich argumentiert die eher den Republikanern zugeneigte Washington Post, die Romney nahelegt "mehr Substanz und weniger Schlagworte" zu liefern.

Zwtl: Unruhen im Nahen Osten kommen Obama zugute

Die Demokraten dagegen zeigen sich geschlossen. Sie starteten am Samstag einen neuen aggressiven Werbespot, der Romney als Vertreter der Multimillionäre und Verfechter einer bereits gescheiterten Wirtschaftsphilosophie darstellt. "Die wollen zurück zu der alten Politik, die uns überhaupt in diese Schwierigkeiten brachte", sagt darin der frühere Präsident Bill Clinton. Clinton, dessen große Popularität ungebrochen bleibt, unterstützt darüber hinaus mit einer Reihe von viel beachteten Auftritten beispielsweise in Florida den Präsidenten.

Auch die jüngsten Unruhen im Nahen Osten haben die Position des Präsidenten eher verbessert. Romneys Attacken auf die Außenpolitik Obamas zeigten keine Wirkung. Unter den Republikanern gibt es offensichtliche Meinungsverschiedenheiten bei der Beurteilung der Lage. Senator John McCain, der Obama vor vier Jahren unterlegen war, bleibt ein entschiedener Befürworter des arabischen Frühlings, während nicht wenige Republikaner den Zeiten nachtrauern, in denen Autokraten wie Husni Mubarak oder Diktatoren wie Muammar al Gaddafi berechenbare Faktoren waren. (dapd)

Das Programm des Parteitags der US-Demokraten
Das Programm des Parteitags der US-Demokraten
Der Parteitag der US-Demokraten in Charlotte im US-Staat North Carolina eröffnet am Dienstag und schließt mit der Rede von US-Präsident Barack Obama am Donnerstagabend.
Bereits am Montag, an dem in den USA der Labor Day gefeiert wird, startete das Rahmenprogramm mit Parteikonferenzen und einer Feier im Zentrum von Charlotte.
Dienstag: Am ersten Abend wird unter anderem First Lady Michelle Obama in der Time Warner Cable Arena zu den Delegierten sprechen. Als erster Hispanic bei einem Demokratischen Parteitag wird der Bürgermeister der texanischen Stadt San Antonio, Julian Castro, am selben Abend die Grundsatzrede halten. Die beiden sollen vor allem Frauen und die hispanische Bevölkerung ansprechen. Der ehemalige Präsident Jimmy Carter wird per Video zugeschaltet.
Mittwoch: Wichtigster Redner am Mittwoch ist Ex-Präsident Bill Clinton, der Barack Obama offiziell zum Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl am 6. November nominiert. Vor ihm tritt unter anderem auch Elizabeth Warren auf, die sich in Massachusetts für einen Sitz im US-Senat bewirbt.
Donnerstag: Vizepräsident Joe Biden und John Kerry, der Senator von Massachusetts ist, werden am Donnerstagabend zur Menge im Bank-of-America-Stadion sprechen, bevor Obama selbst das Podium betritt und gemeinsam mit Biden die Nominierung durch seine Partei annimmt.
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