Tödlicher Angriff auf US-Konsulat
Obama drängt Libyen zu rascher Bestrafung der Attentäter
Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi fordert Obama rasche Bestrafung der Täter. Geheimdienste vermuten Terroranschlag.
Washington/Bengasi. Der amerikanische Präsident Barack Obama fordert nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi eine rasche Bestrafung der Täter. Obama telefonierte mit dem Präsidenten der libyschen Nationalversammlung, Mohammed Magarief, und vereinbarte eine enge Zusammenarbeit bei den Ermittlungen, wie das US-Präsidialamt am Donnerstag mitteilte. Der US-ÜPräsident habe deutlich gemacht, dass alles Erforderliche getan werden müsse, um die für den Angriff Verantwortlichen ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Am Dienstagabend hatten Bewaffnete das US-Konsulat in Bengasi angegriffen. Dabei wurden der US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Botschaftsangehörige getötet.
Präsident Obama ordnete verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für die diplomatischen US-Vertretungen im Ausland an, besonders in Libyen. Aus US-Quellen verlautete, es würden auch 50 US-Marineinfanteristen nach Libyen geschickt.
Die US-Geheimdienste gehen Hinweisen auf einen gezielten Terroranschlag nach. Der Angriff sei "geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt" worden, erklärte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte dagegen, es sei noch zu früh für ein klares Urteil.
+++ Wut und Gewalt gegen USA - Botschafter in Libyen getötet +++
Rogers erklärte weiter, die US-Geheimdienste hätten noch nicht ermittelt, wer hinter der Tat stecke, aber "unsere Liste wird kürzer". Sicher habe es sich nicht um eine spontane Tat gehandelt. Das FBI schickte nach Angaben aus Behördenkreisen Teams nach Libyen, die die Ermittlungen unterstützen sollen.
Amerikanische Kriegsschiffe vor libyscher Küste
2Dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi waren Tumulte von Demonstranten vor der US-Botschaft in Kairo vorausgegangen, ausgelöst durch einen in den USA hergestellten Schmäh-Film über den Propheten Mohammed. Dazu telefonierte Obama nach Angaben seines Hauses mit dem ägyptischen Amtskollegen Mohammed Mursi. Obama habe von Ägypten eine Zusammenarbeit beim Schutz der US-Diplomaten gefordert. "Der Präsident sagte, dass er Versuche, den Islam zu verunglimpfen, ablehnt, aber unterstrich zugleich, dass es niemals eine Rechtfertigung für Gewalt gegen Unschuldige gibt und auch nicht für Akte, die amerikanische Mitarbeiter und Einrichtungen in Gefahr bringen."
Zu dem umstrittenen Film gibt es einen 14-minütigen Trailer, der auf dem zum US-Internetkonzern Google gehörenden Videoportal Youtube zu sehen ist. Google sperrte den Trailer zwar in Ägypten und Libyen wegen der besonderen Umstände dort. Ansonsten sind die Filmausschnitte aber frei zugänglich. Google will das Video nach eigener Auskunft nicht aus dem Netz nehmen, weil dieses nicht gegen die eigenen Richtlinien verstoße. Der Film stellt den Propheten Mohammed als Betrüger und Schürzenjäger dar. Als verantwortlich für den Film gilt ein Mann, der nach eigenen Angaben ein in Kalifornien lebender Israeli ist.
Das Pentagon verlegte unterdessen zwei Kriegsschiffe vor die libysche Küste . Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer "USS Laboon" habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die "USS McFaul" sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Weiter hieß es, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gäben den Kommandeuren jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, die der US-Präsident anordne.
Clinton gibt libyschem Volk keine Schuld
Die Flaggen an Regierungsgebäuden und militärischen US-Einrichtungen in der ganzen Welt wurden auf Halbmast gesetzt. US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich schockiert. Sie betonte, der Angriff sei von einer kleinen Gruppe und nicht von Vertretern der libyschen Volks begangen worden.
Der stellvertretende libysche UN-Botschafter Ibrahimi Dabbaschi machte "eine extremistische Gruppe" für den Angriff verantwortlich. Er bekräftigte vor dem Weltsicherheitsrat in New York die Zusicherung seiner Regierung, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden würden.
"Dieser Angriff dient nicht den Interessen des Volkes oder der libyschen Behörden und kann auch nicht als Verteidigung des Islams betrachtet werden", sagte Dabbaschi. "Dieser Angriff beschädigt das Ansehen des Islams beträchtlich." Der Sicherheitsrat und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilten den Angriff aufs Schärfste.
Mit Material von dapd und reuters
















