08.09.12

Nach Auftritt bei Republikaner-Parteitag

Eastwoods "Stuhl-Rede" gegen Obama war improvisiert

Clint Eastwood hat seinen umstrittenen Auftritt beim Republikaner-Parteitag verteidigt. Idee für Dialog mit leerem Stuhl war ihm spontan gekommen.

Foto: dpa/picture alliance/EPA
Hollywood-Star Clint Eastwood legte beim Parteitag der US-Republikaner eine Schauspieleinlage hin und führte ein Scheingespräch mit Präsident Obama
Hollywood-Star Clint Eastwood legte beim Parteitag der US-Republikaner eine Schauspieleinlage hin und führte ein Scheingespräch mit Präsident Obama

Los Angeles. Clint Eastwood schätzt seinen umstrittenen Auftritt beim Nominierungsparteitag der US-Republikaner inzwischen selbst als "sehr unorthodox" ein. Der 82-Jährige hatte vergangene Woche eine Rede gehalten und dabei mit einem imaginären Barack Obama gesprochen, der durch einen leeren Stuhl neben dem Rednerpult symbolisiert wurde. Die Idee dazu sei ihm spontan erst kurz vor dem Betreten der Bühne gekommen, sagte Eastwood am Freitag in einem Interview der kalifornischen Tageszeitung "Carmel Pine Cone".

"Ich hatte mir nicht genau zurechtgelegt, was ich sagen würde, bis ich es gesagt habe", erklärte der Schauspieler und Regisseur. Auf die Idee sei er gekommen, als man ihm hinter der Bühne einen Stuhl angeboten habe. "Da war dieser Stuhl und jemand fragte mich, ob ich mich nicht setzen wolle", sagte Eastwood. Ursprünglich sei ihm gesagt worden, dass er fünf Minuten Redezeit habe. Allerdings sei es kompliziert gewesen, die Zeit zu messen, auch weil es keinerlei Signale gegeben habe. Eastwoods Auftritt dauerte am Ende zwölf Minuten.

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Die umstrittene Rede des bekennenden Republikaners sorgte weltweit für Schlagzeilen und löste einen Sturm in der Twitter-Szene aus. Er habe sein Ziel erreicht, drei Dinge zu vermitteln, zog Eastwood nun Bilanz: "Dass nicht jeder in Hollywood links steht, dass Obama eine Menge Versprechen gebrochen hat und dass die Leute das Recht haben, jeden Politiker abzusetzen, der keine gute Arbeit leistet".

Eastwood sagte, er sei sich bewusst gewesen, dass er einige Male ins Stocken geraten sei. Aber so sei das eben, "wenn du keine ausgearbeitete Rede hast", sagte Eastwood. Anschließend hätten ihm der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney und dessen Vize Paul Ryan jedenfalls gedankt. "Sie waren sehr begeistert und wir haben alle gelacht", sagte Eastwood.

Mitarbeiter von Romney hätten zuvor noch versucht, ihn zu fragen, was er denn in dieser eigentlich streng durchchoreographierten Veranstaltung zu sagen gedenke. "Sie überprüfen die meisten Menschen, aber ich sagte ihnen: Nicht mit mir, denn ich weiß noch nicht, was ich sagen werde", sagte Eastwood.

An seiner Kritik an Obama hielt Eastwood auch in dem Zeitungsinterview fest. "Präsident Obama ist der größte Betrug, der je am amerikanischen Volk begangen wurde", sagte er.

mit Material von dpa und dapd

Obama und Romney - die Kontrahenten in Zitaten
Zitate aus dem Wahlkampf der Kontrahenten Mitt Romney und Barack Obama:
Barack Obama: "Das ist das Gegenteil von Robin Hood – Romney Hood"! (am 6. August auf einer Kundgebung in Connecticut zu den Steuerplänen seines Gegners)
Obama: "Ich glaube, es wird eng, aber ich denke, wir werden gewinnen." (am 30. Juli auf einer Veranstaltung in New York) "Ich werde jeden Morgen aufwachen und hart für euch kämpfen." (am 25. Juli auf einer Kundgebung in New Orleans)
Obama: "Diese Regelung gilt ab sofort." (am 15. Juni zur Aussetzung der Abschiebung von illegalen jungen Latinos)
Obama: "Dem privaten Sektor geht es gut. (....) Wenn du erfolgreich bist, hat dir jemand dabei geholfen, hat in Straßen und Brücken investiert." (am 8. Juni auf einer Pressekonferenz zur Lage auf dem Arbeitsmarkt)
Obama: "Für mich ist es wichtig voranzugehen und zu bekräftigen, dass gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit zur Heirat haben sollten." (am 9. Mai in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC zur Homo-Ehe)
Obama: "Wir werden unsere Mission abschließen und den Krieg in Afghanistan beenden." (am 1. Mai bei einer Visite auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan)
Obama: "Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei, (...) was für ein Snob." (am 28. April vor der Presse über seinen Konkurrenten Romney)
Mitt Romney: "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert bleiben. (...) Ich schäme mich nicht für die Macht Amerikas." (am 24. Juli vor der US-Veteranenvereinigung VFW)
Romney: "Ich will alle Amerikaner repräsentieren, von jeder Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung, von den Ärmsten bis zu den Reichsten und jedem dazwischen." (am 11. Juli vor Vertretern der schwarzamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP)
Romney: "Unser geliebtes Land ist in Gefahr. Darum kandidiere ich als Präsident." (am 21. Juni vor der Latino-Vereinigung NALEO)
Romney: "Als euer Präsident werde ich vom ersten Tag an alles in meiner Macht Stehende tun, um die Tage von Niedergang und Enttäuschung zu beenden (... .) Ich werde Obamacare (die Gesundheitsreform Obamas) am Tag eins zurückdrehen." (am 7. Juni in St. Louis, Missouri)
Romney: "In diesem Land glauben wir, dass jedes Kind etwas beitragen kann. Egal, in welche Verhältnisse es geboren wurde (...) Zu viele Träume werden nie wahr, weil unser Bildungssystem scheitert." (am 23. Mai vor der US-Handelskammer)
Romney: "Es gibt keine größere Kraft zum Wohle der Nation als ein tätiges christliches Bewusstsein." (am 13. Mai in einer Grundsatzrede über traditionelle Werte)
Romney: "Meiner Ansicht nach ist die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau." (Am 9. Mai zu Obamas Plädoyer für die Homo-Ehe)
Romney: "Zusammen werden wir am 6. November gewinnen." (am 24. April nach seinem Vorwahlsieg in New Hampshire)
Quelle: dpa
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