06.09.12

Bericht von Human Rights Watch

USA lieferten libysche Oppositionelle an Gaddafi aus

Schwere Vorwürfe von Human Rights Watch: US-Geheimdienste sollen Gegner von Gaddafi gefoltert und an libyschen Diktator übergeben haben.

Foto: dpa
Der libysche Despot Muammar al-Gaddafi starb am 20.10.2011 vermutlich im Alter von 69 Jahren
Der ehemalige libysche Despot Muammar al-Gaddafi

Kairo. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA: Die amerikanischen Geheimdienste hätten während der Regierungszeit von George W. Bush libysche Oppositionelle an den damaligen Staatschef Muammar al Gaddafi übergeben. Mehrere von ihnen seien danach in libyschen Gefängnissen gefoltert worden, erklärte die Organisation am Donnerstag. HRW lagen außerdem Zeugenaussagen vor, denen zufolge das sogenannte Waterboarding in amerikanischen Geheimgefängnissen im Ausland deutlich häufiger eingesetzt wurde als bisher bekannt.

"Die USA haben ihm (Gaddafi) seine Feinde nicht nur auf dem Silbertablett serviert, es scheint so, als habe die CIA viele von ihnen zuvor gefoltert", erklärte Laura Pitter, die Autorin des Berichts. "Das Ausmaß der Misshandlungen während der Bush-Regierung ist offenbar weit größer als bisher eingeräumt wurde."

Die Organisation stützt sich in ihrem 154-seitigen Bericht auf Gespräche mit 14 libyschen Dissidenten im Exil. Sie beschrieben systematische Misshandlungen in US-geführten Haftanstalten in Afghanistan und bei Verhören durch US-Beamte in Pakistan, Marokko, Thailand und dem Sudan, bevor sie an Libyen übergeben worden seien.

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Die 14 Männer gehörten mehrheitlich der Libysch-Islamischen Kampfgruppe an. Die Gruppe betrieb Ausbildungslager in Afghanistan, hatte aber keine regelmäßigen Kontakte zur Al-Kaida von Osama bin Laden, sondern konzentrierte sich auf den Kampf gegen Gaddafi. Später unterstützten die USA die libysche Opposition beim Sturz des Staatschefs 2011. Heute haben mehrere der früheren Häftlinge Ämter in der libyschen Regierung inne.

Die Hinweise auf weitere Fälle von Waterboarding kamen von zwei früheren Häftlingen, Mohammed al Schoroeija und Chaled al Scharif. Beide wurden 2003 in Pakistan festgenommen und in US-Gefängnisse in Afghanistan gebracht. Sie beschrieben, sie seien dort monatelang in ihren Zellen angekettet worden, oft nackt in fast völliger Dunkelheit, während ständig laute Musik dröhnte. Al Scharif erklärte, er habe drei Wochen sitzend auf dem Boden seiner Zelle verbracht. Die ersten drei Monate hätten sie nicht duschen dürfen und keinen Zugang zu einer Toilette gehabt. "Wir haben ausgesehen wie Monster", sagte er.

Al Schoroeija sagte HRW, er sei nackt eineinhalb Tage in einer nur 50 Zentimeter breiten Kammer gefangen gehalten worden. Später habe man ihn in eine enge Truhe gesperrt und mehr als eine Stunde lang mit langen, spitzen Objekten gestochen. Eine amerikanische Beamtin habe zu ihm gesagt: "Du bist jetzt in Gewahrsam der Vereinigten Staaten von Amerika. An diesem Ort gibt es keine Menschenrechte. Seit dem 11. September haben wir Menschenrechte vergessen."

Beide Häftlinge beschrieben auch das sogenannte Waterboarding, bei dem ein Ertrinken des Häftlings simuliert wird. Der frühere Präsident Bush und die CIA haben erklärt, diese Foltermethode sei nur drei Mal an ranghohen Al-Kaida-Verdächtigen in CIA-Gefängnissen in Thailand und Polen angewendet worden. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama hat das Waterboarding und andere aggressive Verhörmethoden gestoppt.

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