05.09.12

Parteitag der US-Demokraten

Michelle Obama: "Wir werden es schaffen - das tun wir immer!"

Mit feurigen Emotionen sprach die Gattin von US-Präsident Barack Obama auf dem Parteitag der US-Demokraten über die Wirtschaftskrise, den versprochenen Wandel und verteilte Seitenhiebe auf Obamas Herausforderer Mitt Romney. Die beliebte First Lady versetzte die Delegierten in Begeisterungsstürme. Politikwissenschaftler überzeugte der Auftritt.

Foto: Reuters/REUTERS
U.S. first lady Michelle Obama gestures after addressing the first session of the Democratic National Convention in Charlotte
First Lady Michelle Obama dankt den Zuhörern ihrer Parteitagsrede in Charlotte, North Carolina. Tausende Delegierte der Demokraten wedelten mit Schildern: "We love you, Michelle"

Charlotte. Mit einem emotionalen Appell zur Einheit der US-Demokraten hat Präsidentengattin Michelle Obama die heiße Phase im Kampf um eine Wiederwahl ihres Mannes eingeläutet. Barack Obama verdiene das Vertrauen der Amerikaner, um das Land in einer zweiten Amtszeit aus der Wirtschaftskrise zu führen, sagte die First Lady am Dienstag zum Auftakt des Nominierungsparteitags in der Südstaaten-Metropole Charlotte. Unter dem Applaus der Delegierten verteilte sie auch Seitenhiebe auf Obamas Herausforderer Mitt Romney, in dem sie die Politik ihres Mannes als dessen Herzensangelegenheit porträtierte. Am Mittwoch soll Ex-Präsident Bill Clinton als wirtschaftpolitische Gallionsfigur der Demokraten Amtsinhaber Obama Schützenhilfe leisten.

Die bei den Amerikanern beliebte Michelle Obama räumte ein, dass der vor vier Jahren versprochene Wandel nur langsam komme. Es gelinge nie alles auf einmal, sagte sie am ersten Tag des Nominierungsparteitags, der am Donnerstag in der Dankesrede ihres Mannes gipfeln soll. "Aber schließlich werden wir es schaffen", fügte die wie ihr Mann an der Elite-Universität Harvard ausgebildete Juristin hinzu, "das tun wir immer." Barack Obama rufe ihr selbst immer wieder in Erinnerung, dass Wandel mitunter hart ist und lange brauche. Die Demokraten müssten Obama vertrauen und sich geschlossen hinter ihn stellen, damit er das Land weiter voranbringen könne.

Wahrscheinlich mit Blick auf Obamas Herausforderer, den Multimillionär Romney, strich Michelle Obama heraus, dass ihr Mann Politiker aus Überzeugung sei. "Für Barack geht es bei Erfolg nicht darum, wie viel Geld man verdient." Es wolle vielmehr anderen Menschen zu einem besseren Leben verhelfen. Romney arbeitete früher für die Beteiligungsgesellschaft Bain Capital, was ihm bei Kritikern den Ruf eines unterkühlten Managers eingebracht hat. Doch Romney selbst wuchert angesichts der Konjunkturflaute und der hohen Arbeitslosenrate mit seinen Wirtschaftserfahrungen. Zwölf Millionen neue Jobs versprach er den Amerikanern bei seiner Nominierung. Dabei hatte sich auch seine Frau Ann darum bemüht, Romney ins rechte Licht zu rücken.

Politikwissenschaftler attestieren beiden Politiker-Frauen Erfolge bei ihren Auftritten. Doch obwohl Michelle Obama die Delegierten am Mittwoch in Begeisterungsstürme versetzte, bedeute dies noch nicht viel. "Ehepartner gefallen den Wählern, aber sie ändern nicht den Wahlausgang", sagt Larry Sabato von der University of Virginia. Neun Wochen vor der Wahl am 6. November liefern sich Obama und Romney ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Jüngsten Umfragen zufolge liegt Romney mit 46 Prozent Zustimmung unter Amerikas Wahlwilligen knapp vor Obama mit 45 Prozent.

Vor allem die desolate Wirtschaftslage wirft einen Schatten auf Obamas Amtszeit. Die Demokraten fahren daher am Mittwoch Ex-Präsident Bill Clinton als Unterstützung für Obama auf. Er ist das Sinnbild der Partei für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik. Clintons Amtszeit von 1993 bis 2001 war von Wachstum und einem ausgeglichenen Haushalt geprägt. Umfragen zufolge stehen 66 Prozent der Amerikaner Bill Clinton positiv gegenüber; er genießt Zustimmung in weiten Teilen der Bevölkerung. Die demokratischen Parteistrategen setzen darauf, dass auch dies Obama zugutekommt. Vor allem wird Clinton ein Draht zur weißen Arbeiterklasse nachgesagt, die Obama als erstem schwarzen Präsidenten bisher strikt die Gefolgschaft verweigert hat. (Reuters)

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