02.09.12

US-Wahlkampf

Barack Obama liegt in Umfragen wieder vorn

Romneys Aufwind nur von kurzer Dauer. Trotzdem gilt er als ernstzunehmender Kandidat. Obama muss beim Parteitag der Demokraten überzeugen.

Foto: AFP
Jetzt liegt es an ihm: Präsident Barack Obama muss beim Parteitag der Demokraten überzeugen
Jetzt liegt es allein an ihm: Präsident Barack Obama muss beim Parteitag der Demokraten überzeugen

Washington. Kaum ist der Parteitag der US-Republikaner wieder vorbei, verliert Präsidentschaftskandidat Mitt Romney wieder an Zustimmung. In der jüngsten, am Samstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters übernahm der demokratische Amtsinhaber Barack Obama wieder die Führung. Mit 44 zu 43 Prozent lag er allerdings nur hauchdünn vor seinem Herausforderer. Romney hatte nach dem Parteitag, auf dem er offiziell zum Kandidaten gekürt wurde, am Freitag mit einem Punkt Vorsprung geführt, am Donnerstag schnitt er zwei Punkte besser ab als der Präsident. Insgesamt hat der Parteitag Romney aber nur kurz leichte Vorteile im Vergleich zu Amtsinhaber Barack Obama verschafft.

+++Clint Eastwood reißt Republikaner von den Stühlen+++

+++Obama und Romney - die Kontrahenten in Zitaten+++

Jetzt ist es an Obama in der Gunst der Wähler wiederzuzulegen. Dazu hat er in den kommenden Tagen die Gelegenheit, denn es steht der Parteitag der Demokraten an, auf dem er formell die Nominierung für eine zweite Amtszeit erhalten soll. Traditionell profitieren die Bewerber von der medialen Aufmerksamkeit, die ihnen jeweils während der Parteitage zukommt. Insgesamt würden die Umfragen aber voraussichtlich bis zum Urnengang am 6. November weiterhin ein enges Rennen abbilden, sagte die Ipsos-Demoskopin Julia Clark. (Für die Erhebung wurden 1505 eingetragene Wähler befragt, die Ergebnisse können bis zu 2,9 Prozent nach oben oder nach unten abweichen.)

Tatsächlich waren die vergangenen Tage für die Anhänger von US-Präsident Barack Obama eine Qual. Tagelang beherrschten die politischen Gegner in der vergangenen Woche die Hauptnachrichten und Titelseiten. Zur besten Sendezeit konnten die Republikaner bei ihrem Parteitag in Tampa (Florida) ihren Kandidaten Mitt Romney widerspruchslos als künftigen Präsidenten feiern und den Amtsinhaber genüsslich ohne Gegenwehr verunglimpfen und verspotten.

Nun aber bekommen die Demokraten die Gelegenheit zur Revanche: Mit ihrer Convention von Dienstag bis Donnerstag in Charlotte (North Carolina) wollen sie die Jubelbilder, Versprechen und gestiegenen Umfragewerte der Opposition schnell vergessen machen und Obamas Anspruch auf die Wiederwahl am 6. November zementieren. Das allerdings dürfte deutlich schwieriger werden als ihnen lieb ist.

Dabei ist es nicht die Kür, die US-typische Wahlkampfshow, die den US-Liberalen Kopfschmerzen bereitet. 100 000 Luftballons von der Decke fallen lassen und mit Konfettikanonen schießen können sie auch. Auch die geplanten Auftritte gefeierter Künstler wie die Soulsängerin Mary J. Blige oder die Rockband Foo Fighters dürften die seltsame Einlage von Hollywoodstar Clint Eastwood beim Republikaner-Parteitag in den Schatten stellen.

Problematisch dürfte es für die Demokraten hingegen in der Pflicht werden, Obama als aufregenden Spitzenkandidaten zu präsentieren und unentschlossene Wähler von seiner Politik zu überzeugen. Inzwischen kennen die Amerikaner den Mann im Weißen Haus in- und auswendig. Was soll er ihnen noch Neues von sich erzählen? Auch ist er längst nicht mehr der frische, aufregende, junge Kandidat von vor vier Jahren. Viele damalige Versprechen des Friedensnobelpreisträgers sind heute politischer Realität gewichen oder von Gegnern zu Tode blockiert.

Sein Kontrahent Romney weiß das ganz genau und machte es zum Leitmotiv seiner großen Parteitagsrede am vergangenen Donnerstag. "Seine Versprechen wichen der Enttäuschung", sagte er. Von Hoffnung und Wandel – so lautete damals Obamas Wahlkampfmotto – sei nichts mehr zu spüren. Die Begeisterung sei erloschen. Nicht nur der Kontrahent drückt das so bitterböse aus: "Von den Schwierigkeiten des Amtes zerschlissen, ist der große Reformer zum vorsichtigen Mann geworden", sekundiert das Magazin "The Economist" in seiner jüngsten Titelgeschichte.

Obama müsse seine Parteitagsrede am Donnerstag nutzen, um eine gute Antwort auf die Frage zu finden, warum ausgerechnet er vier weitere Jahre verdiene. Bis jetzt ziele der 44. US-Präsident in seinem Wahlkampf nämlich allein darauf ab, Romney als bösen Finanzhai hinzustellen, der Millionären auf dem Rücken der Schwachen teure Steuergeschenke machen wolle. "Ein Mann, der vor vier Jahren die Hoffnung verkörperte, kommt nach Charlotte mit einer Kampagne, die bislang an die Angst appelliert", kritisiert das Blatt.

Um sich die Macht in Washington nicht nach nur einer Amtszeit wieder entreißen zu lassen, will die Partei ihren Spitzenmann mit drei perfekt choreographierten Tagen ins beste Licht rücken. Am Dienstag soll die äußerst beliebte First Lady Michelle Obama neue Sympathiepunkte für ihren Ehemann sammeln, so wie es Ann Romney eine Woche zuvor gekonnt vormachte. Der Ex-Präsidentschaftskandidat von 2004, Senator John Kerry, soll Obamas außenpolitische Erfolge unterstreichen.

Am Mittwoch wird es an Ex-Präsident Bill Clinton (1993 – 2001) sein, in der offiziellen Nominierungsrede die richtigen Worte für Obama zu finden – und vielleicht etwas von seiner riesigen Popularität an den Nachfolger zu übertragen. Seine Ehefrau, die kaum minder beliebte Hillary Clinton, wird sich während der Convention dagegen für eine Dienstreise Tausende Kilometer entfernt aufhalten. Als Außenministerin soll sie ohnehin nicht in die Niederungen des Wahlkampfes herabsteigen – so will es die Tradition.

Das große Finale am Abschlusstag soll nach Planung der Partei zu einem regelrechten Festival der guten Laune werden. Statt in der Parteitagshalle werden Vizepräsident Joe Biden und Obama ihre großen Ansprachen in einem Stadion vor mehr als 70 000 Menschen halten - wenn es das Wetter erlaubt. Eingeheizt werden soll dem Publikum von zahlreichen hochkarätigen Musikern, darunter auch "Earth, Wind and Fire". Die Nationalhymne singt der Popbarde Marc Anthony. Das werde besonders die hispanischen Wähler freuen, meinen Experten.

Mit Material von reuters und dpa

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