31.08.12

Bundeskanzlerin auf Reisen

Deutsche Wirtschaft will besseren Marktzugang in China

Chinesischer Premier zeigte offenes Ohr für die Sorgen der deutschen Wirtschaft. Nach Visite bei Airbus flog Merkel nach Berlin zurück.

Foto: dpa/DPA
Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Prmier Wen Jiabao (l.) besuchen die Verbotene Stadt in Beijing
Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Prmier Wen Jiabao (l.) besuchen die Verbotene Stadt in Beijing

Tianjin. Die deutsche Wirtschaft hat einen besseren Zugang zum chinesischen Markt angemahnt. Beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in China forderten deutsche Spitzenunternehmer im Gespräch mit Regierungschef Wen Jiabao am Freitag in Tianjin gleiche Wettbewerbsbedingungen, eine einfachere Produktzulassung nach internationalen Regeln und mehr Transparenz im Patentschutz. Der chinesische Regierungschef versprach Besserung, warb aber auch um Verständnis für die Probleme Chinas. Zum Abschluss ihres zweitägigen Besuches besuchte Merkel mit dem Premier das Airbus-Werk in Tianjin, wo der 100. Airbus feierlich ausgeliefert wurde.

+++Handfeste Sorgen für Kanzlerin Merkel in China+++

+++Großauftrag für Airbus+++

Bei der Bewältigung der Euro-Krise erhielt die Kanzlerin chinesische Rückendeckung für ihre in Europa kontrovers diskutierte Politik. In den Gesprächen sei deutlich geworden, dass Deutschland aus chinesischer Sicht "für die richtige Politik steht", berichteten Delegationskreise. Bei einem Abendessen mit Chinas Finanzspitzen sei "sehr schonungslos" über die Krise gesprochen worden. Es wurde auch Unverständnis geäußert, dass die Europäer so lange brauchten, um die Beschlüsse und Reformen zur Euro-Rettung auch umzusetzen.

Bei ihrem zweitägigen Besuch in China setzte sich Merkel entschlossen für die deutsche Wirtschaft ein. Gemeinsam mit Chinas Premier nahm sie vor dem Rückflug nach Berlin an einem Festakt zur Fertigstellung des 100. Airbus im Endmontagewerk in Tianjin südöstlich von Peking teil. "Die Luftfahrtindustrie ist genauso für Deutschland wie für China ein strategischer Wirtschaftszweig mit enormer Aussicht auf Wachstum", sagte Merkel. China ist heute schon der zweitwichtigste Luftfahrtmarkt der Welt.

Wen Jiabao sagte, künftig sollten in Tianjin nicht mehr nur Flugzeuge für den chinesischen Markt gebaut werden, was bei Airbus eigentlich nicht so geplant war, wie Branchenkenner sagten. Beide Regierungschefs sehen in dem einzigen außereuropäischen Werk von Airbus ein Symbol für die erfolgreiche Kooperation in einem technologisch anspruchsvollen Arbeitsfeld. Es sei ein "Meilenstein für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit in der zivilen Luftfahrt", sagte Merkel.

Auch bei der Hubschrauber-Fertigung zeichne sich eine enge europäisch-chinesische Zusammenarbeit ab, nachdem die EADS-Hubschraubertochter Eurocopter ebenfalls ein neues Fertigungszentrum in Tianjin plane. Auch Airbus ist eine EADS-Tochter. Am Vortag hatte Airbus den Verkauf von 50 neuen Maschinen des Typs A320 und die Fortsetzung seiner Endmontage in China besiegelt. Der Flugzeugverkauf hat ein Volumen von 3,5 Milliarden US-Dollar (ca. 2,8 Mrd Euro). Das Abkommen über die Verlängerung der Montage in Tianjin hat einen Wert von 1,6 Milliarden US-Dollar (ca. 1,28 Mrd Euro). China soll einen Bedarf von 3800 Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren haben.

Premier Wen hatte auch ein Ohr für die Sorgen der deutschen Wirtschaft. "Der faire Marktzugang, dass unsere Tochtergesellschaften auch als chinesische Unternehmen anerkannt werden, liegt uns am Herzen", sagte Siemenschef Peter Löscher. Er hat auch den Vorsitz im Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (APA). Chinas Premier versprach Besserung: "Wir haben hier viele Mängel behoben, aber wenn wir Fehler begangen haben, können Sie gerne an mich schreiben und ich versichere Ihnen, wir werden das beheben."

BASF-Chef Martin Brudermüller bescheinigte China zwar "enorme Fortschritte" beim Schutz des geistigen Eigentums, wies aber auf eine "Flut von chinesischen Patenten" hin, die trotz geringer erfinderischer Bedeutung neuerdings in China angemeldet werden. Es gehe mehr um Quantität als Qualität. Viele chinesische Patente seien nicht veröffentlicht oder übersetzt und international verfügbar, so dass sie leicht verletzt werden könnten.

Bahn-Chef Rüdiger Grube rechnet mit Erleichterungen im Schienenverkehr mit China. Falls bestimmte organisatorische und rechtlichen Hindernisse abgebaut werden könnten, sei eine erhebliche Verkürzung der Frachtzeit zwischen Deutschland und China möglich.

Mit Material von dpa

Hintergrund: Die deutsch-chinesischen Absichtserklärungen
Hintergrund: Die deutsch-chinesischen Absichtserklärungen
Sieben Minister auf deutscher und acht Minister auf chinesischer Seite haben am Donnerstag bei den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Peking zahlreiche Absichtserklärungen verhandelt.
Geleitet wurde das Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao.
Hier ein Überblick über die wichtigsten Punkte:
Die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform der Volksrepublik und das deutsche Wirtschaftsministerium wollen ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Medizinwirtschaft und Biotechnologie fortsetzen.
Die Bildungsministerien beider Länder richten ein deutsch-chinesisches Sprachjahr aus.
Das Ministerium für Wissenschaft und Technologie in Peking und das Bundesumweltministerium in Berlin verabreden den Ausbau ihrer Zusammenarbeit bei Elektromobilität und Klimaschutz.
Das Umweltministerium steht China zudem bei der Kraftstoffeffizienz von Fahrzeugen mit Rat und Tat zur Seite.
Die deutsch-chinesische Umweltpartnerschaft soll ausgebaut werden.
Geplant ist die Einrichtung eines Beratendes Ausschusses der chinesisch-deutschen Wirtschaft.
Beide Länder wollen in der Notfall- und Katastrophenmedizin des öffentlichen Gesundheitswesens eng kooperieren.
Das Forschungsministerium und sein chinesisches Gegenstück verabreden eine Zusammenarbeit in der Meeres- und Polarforschung.
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