29.08.12

US-Präsidentschaftswahlen

Romney offiziell Spitzenkandidat – Unruhe an der Basis

Zwar wurde Romney formell nominiert., es gab aber Unruhe beim Parteitag. Barack Obama nannte es eine "ziemlich unterhaltsame Show".

Foto: AFP
New Jerseys Gouverneur Chris Christie spricht beim Nominierungsparteitag der US-Republikaner in Tampa, Florida. Mitt Romney ist offiziell zum Präsidentschaftskandidat nominiert worden
New Jerseys Gouverneur Chris Christie spricht beim Nominierungsparteitag der US-Republikaner in Tampa, Florida. Mitt Romney ist offiziell zum Präsidentschaftskandidat nominiert worden

Tampa. Turbulenter als erwartet ging es zu bei den US-Republikanern - und das nicht nur wegen Tropensturm Isaac. Die US-Republikaner haben auf ihrem Parteitag zwar wie erwartet Mitt Romney offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gewählt. Allerdings konnten sie am Dienstagabend in Tampa nicht die Geschlossenheit demonstrieren, die im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Amtsinhaber Barack Obama notwendig sein dürfte. Die wegen des Sturms "Isaac" verschobene Sitzung wurde von Buh-Rufen der Anhänger des unterlegenen Bewerbers Ron Paul unterbrochen. Dagegen schlug Romneys Frau Ann begeisterter Applaus entgegen, als sie die menschliche Seite ihres Ehemanns betonte. Obama nannte den Parteitag eine "ziemlich unterhaltsame Show".

+++Ann Romney öffnet die Herzen - Jetzt muss Mitt nachlegen+++

Eine große Mehrheit der etwa 2290 Delegierten aus allen Teilen der USA stimmte für Romney. Lautstarken Protest gab es jedoch aus den Reihen von konservativen Aktivisten und der Paul-Anhänger, als dessen Delegierten aus dem Bundesstaat Maine die Mandate entzogen wurden. Zudem wurde die Satzung des Parteitags so geändert, dass Abweichler wie Ron Paul in Zukunft noch geringere Chancen haben dürften. Für Unmut sorgte zudem die Entscheidung, nur die Zahl der Stimmen für Romney vorzulesen.

Romney und Obama liegen in der Wählergunst etwa gleichauf: In einer Reuters/Ipsos-Umfrage vom Dienstag führte der Amtsinhaber mit gerade zwei Prozentpunkten. Der viertägige Parteitag gilt als wichtige Gelegenheit für Romney, sich den Wählern zu präsentieren. Dabei stehen zwei Punkte im Fokus: Die menschliche Seite des Kandidaten zu betonen, der von Kritikern als distanziert beschrieben wird, und seine Position bei Frauen zu stärken. In dieser Wählergruppe liegt Obama deutlich vorne.

Entsprechend hielten auf dem Parteikonvent eine Reihe von Frauen Reden. Mit besonderer Spannung war der Auftritt von Romneys Ehefrau Ann erwartet worden, die zum ersten Mal in ihrem Leben von einem Teleprompter ablas. Die 63-Jährige fand nur schwer den Einstieg in ihre 20-minütige Rede, in der sie ihn als fürsorglichen Familienvater und Ehemann beschrieb. Ann wies die Vorstellung zurück, dass sie und Mitt eine Ehe wie aus dem Märchenbuch führten. In solchen Geschichten gebe es nie lange Nachmittage im Winter mit fünf schreienden Jungen oder Kapitel über Brustkrebs und Multipler Sklerose, sagte sie. Romney sei wie in seinem sonstigen Leben auch im Kampf gegen ihre Krankheiten nie einer Herausforderung aus dem Weg gegangen. "Nein, es ist keine Ehe wie aus dem Märchenbuch", sagte sie. "Was Mitt Romney und ich haben, das ist eine echte Ehe."

Andere Redner griffen Obamas Politik an. Der streitlustige Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, hielt die Begrüßungsrede, die meist aufstrebenden Talenten in der Partei zugedacht wird. "Unsere Ideen sind die richtigen für Amerika und ihre Ideen sind die falschen", sagte er über die Demokraten. Es werde Zeit, eine wirkliche Führungspersönlichkeit ins Weiße Haus zu bringen. Auch der Präsident des Repräsentantenhauses John Boehner erklärte, der erste Schritt müsse sein, den alten Präsidenten aus dem Amt zu jagen. Romney selbst soll die Abschlussrede am Donnerstag halten.

Obama wies während eines Wahlkampfauftritts in den Bundesstaaten Iowa und Colorado die Angriffe zurück und erklärte, der Parteitag der Republikaner in Tampa sei eine "ziemlich unterhaltsame Show". Dann warf er ihnen vor, im Zweifelsfall ihr Wahlkampf-Material zu erfinden. "Sie tun das jetzt schon", sagte er Colorado. "Manchmal – wie soll ich das höflich sagen? – flunkern sie." Die Präsidenten- und Kongresswahl findet am 6. November statt.

Auf die "Swing States" kommt es an
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