Präsidentenwahl
Angolas Staatschef kann es auch mit 70 nicht lassen
Afrikas dienstältestes Staatsoberhaupt hat sich immer neue Verbündete gesucht. Die Wiederwahl scheint gesichert – trotz Misswirtschaft.
Luanda. Afrikas dienstältester Staatschef richtet sich auf fünf weitere Jahre im Präsidentenpalast ein. Am Dienstag, 28. August, stellt sich Angolas Staatsoberhaupt (70) zur Wiederwahl. Auch dieses Mal muss sich "O pai grande", "der große Vater", wie die Menschen ihren Präsidenten José Eduardo dos Santos nennen, nicht sorgen. Denn der Sieg seiner MPLA scheint ausgemachte Sache.
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Mit 33 Jahren an der Macht ist er Afrikas dienstältester Staatschef, zählt zudem weltweit zu den dienstältesten. Alles hat sich immer wieder geändert: Seine Feinde und seine Freunde, seine politische Ideologie, seine Verbündeten. Erst ging es gegen die portugiesische Kolonialmacht, dann gegen rivalisierende Befreiungsbewegungen. Erst war er Marxist, dann sorgte er für den rauschenden Einstieg in den Kapitalismus. Erst waren die DDR und die Sowjetunion seine Freunde, dann multinationale Ölkonzerne und die neue Supermacht China. Gleichgeblieben sind für dos Santos nur zwei Dinge: Er war fast immer die Nummer eins in Angola und er ist mit seiner Familie immer reicher geworden.
Das moderne Angola ist zu einem guten Teil das Werk dieses Mannes. Er kann sich rühmen, seinem Land seit 2002 Frieden und Stabilität zu sichern. Dank reichlich Erdöls und vieler Diamanten erfreut sich Angola seither eines enormen Wirtschaftsbooms. Die Hauptstadt Luanda hat sich von einem verschlafenen Nest zu einer pulsierenden Wirtschaftsmetropole mit glitzernden Hochhäusern, vornehmen Villenvierteln und prächtiger Uferpromenade gemausert. Überall im Land wird gebaut, geplant und investiert.
Aber die Mehrheit der Menschen ist bitterarm. Angola mangelt es an allem: an Energie und Lebensmitteln, an funktionierenden Schulen und Krankenhäusern. Das Ansehen Angolas ist verheerend. Wegen grassierender Miss- und Vetternwirtschaft sowie wuchernder Korruption rangiert das südwestafrikanische Land in einschlägigen Listen internationaler Organisationen immer in der Spitzengruppe der miesesten Staaten weltweit.
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Dos Santos regiert sein Land zwar so autokratisch wie viele andere in Afrika, aber der Angolaner protzt und prasst nicht. Er gilt als diszipliniert und bedächtig. Korruptionsvorwürfe hat er stets zurückgewiesen, das sei "unehrliche Propaganda". Nachdem im Frühjahr einige Zeitungen behauptet hatten, er habe 20 Milliarden Dollar privat abgezweigt, forderte er vor einem Parteigremium, man solle doch "Beweise vorlegen, Nummernkonten nennen". Die gibt es wohl nicht. Die weit verzweigte Familie des Präsidenten sitzt aber in zahlreichen Schlüsselpositionen von Politik und Wirtschaft. Das US-Magazin "Forbes" zählt seine Tochter Isabel zu den reichsten Frauen Afrikas.
Der Sohn eines Maurers aus São Tomé und Príncipe trat schon 1958 als Schüler der MPLA bei, lebte später in Frankreich, in der Republik Kongo und studierte in der Sowjetunion, wo er zum Erdölingenieur ausgebildet wurde. Nach der Unabhängigkeit Angolas wurde er zweimal Außenminister, dann Planungsminister und Vize-Premier. 1979 trat er die Nachfolge des gestorbenen Gründerpräsidenten Agostinho Neto als Staatschef und Parteivorsitzender an. Nachdem 2002 sein Widersacher Jonas Savimbi von der anderen großen Befreiungsbewegung Unita bei Kämpfen getötet wurde, dominiert dos Santos Angola.















