26.08.12

Wettrüsten

Kim Jong Un droht USA und Südkorea mit Krieg

Pjöngjangs Staatschef kündigt "tödliche Schläge" an, sollten die "Feinde" bei gemeinsamen Manövern auf nordkoreanisches Gebiet feuern.

Peking/Neu Delhi. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat im Aufrüstungsstreit mit den USA und Südkorea zu einem verbalen Schlag ausgeholt und den politischen Rivalen mit einem Krieg gedroht. "Wenn die Feinde nur ein Geschoss auf unser unverletzliches Staatsgebiet feuern, wird die gesamte Armee zu einem umfassenden Gegenangriff aufmarschieren", sagte Kim laut amtlicher nordkoreanischer Nachrichtenagentur KCNA angesichts eines groß angelegten Militärmanövers von Südkorea und den USA. Es sei mit "tödlichen Schlägen" zu rechnen, sagte Kim am Sonnabend in einer Rede vor Militärangehörigen weiter.

Die Armeen Südkoreas und der USA hatten am Montag ein gemeinsames Manöver gestartet. An der bis Ende August dauernden Militärübung, die vor allem virtuell von den südkoreanischen Kasernen aus und nicht auf freiem Feld stattfindet, nehmen nach Angaben der US-Armee mehr als 30.000 ihrer Soldaten teil. Südkorea ist der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge mit etwa 56.000 Militärangehörigen beteiligt.

Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des Korea-Kriegs im Jahr 1953 offiziell im Kriegszustand. Nach eigenen Angaben besitzt Nordkorea eine Atomwaffe. Experten rechnen seit geraumer Zeit mit einem dritten Atomtest des Landes, nachdem Pjöngjang im Oktober 2006 und im Mai 2009 Bomben testete. Der Westen droht für diesen Fall mit einer Verschärfung bestehender Sanktionen.

Nordkoreas Wirtschaft will Kontakte nach China

Unterdessen streckt die Regierung in Pjöngjang auf der Suche nach Investitionen in die marode Wirtschaft Nordkoreas ihre Fühler nach China aus. Der nordkoreanische Führungszirkel hat Kreisen zufolge für Staatschef Kim einen Besuch in Peking angebahnt. Dies wäre die erste Auslandsreise des jungen Machthabers, der nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il im Dezember die Führung des verarmten Landes übernommen hat.

Auf der für kommenden Monat geplanten Reise wolle Kim Jong Un die chinesische Führung kennenlernen und sich selbst in der Volksrepublik vorstellen, sagte eine Person mit guten Kontakten nach Peking und Pjöngjang am Freitag. Nordkorea ist stark von Chinas wirtschaftlicher und diplomatischer Unterstützung abhängig.

+++ Nordkoreas Wirtschaft erhält zivile Führung +++

Wegen umstrittener Atomtests und des Konflikts mit Südkorea ist die Führung in Pjöngjang international weitgehend isoliert. China gilt als einer der wenigen Verbündeten des kommunistisch regierten Landes, in dem Beobachter zuletzt eine vorsichtigen Öffnung konstatiert hatten. Doch zugleich gehen Experten davon aus, dass Nordkorea kurz vor einem dritten Atomtest stehen dürfte. Damit stoße das Land auch in China auf vehemente Kritik, sagte der Kenner der Entwicklungen weiter.

Indien testet Atomrakete

Derweil hat Indien am Sonnabend erfolgreich eine taktische Atomrakete des Typs Prithvi-II getestet. Die ballistische Rakete mit einer Reichweite von 350 Kilometern sei vom Versuchsgelände Chandipur im Bundesland Orissa gestartet, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Prithvi-II kann Sprengsätze von einer halben Tonne Gewicht tragen und auch von Fahrzeugen aus abgefeuert werden. Indien entwickelt derzeit eine ganze Familie von Raketen unterschiedlicher Reichweiten.

Mit Material von rtr und dpa

Resolution 1874 der Vereinten Nationen
Im Streit um Nordkoreas Atomprogramm haben die Vereinten Nationen mehrfach Sanktionen gegen die kommunistische Diktatur verhängt.
Als Reaktion auf Nordkoreas zweiten Atomwaffentest im Mai 2009 verabschiedeten die 15 Mitgliedstaaten des Uno-Sicherheitsrates einstimmig die Resolution 1874 vom 12. Juni 2009.
Sie ist völkerrechtlich verbindlich und lässt gemäß Kapitel VII der Uno-Charta notfalls auch die Anwendung von Gewalt zu.
In der Resolution fordert der Rat Pjöngjang auf, keine weiteren Atomtests zu unternehmen, alle Atomwaffen und existierenden Nuklearprogramme "vollständig, nachweisbar und unwiderruflich aufzugeben" sowie unverzüglich zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückzukehren.
Auch weitere Raketentests "unter Verwendung ballistischer Flugkörpertechnologie" habe das Land zu unterlassen. Zudem soll Fracht von und nach Nordkorea in Häfen, Flughäfen und auf hoher See stärker auf verbotene Waffenlieferungen kontrolliert werden.
Die Resolution verschärft das bereits 2006 nach dem ersten Atomtest verhängte Waffenembargo gegen Nordkorea. Damit soll das Regime, dessen Einnahmen auch aus dem Waffenhandel stammen, finanziell getroffen werden.
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