17.08.12

Pussy Riot-Prozess in Moskau

Strafmaß unklar - Weitere Festnahmen vor dem Gericht

Das Moskauer Gericht hat die Musikerinnen schuldig gesprochen und berät derzeit über das Strafmaß. Vor dem Gebäude stehen viele Demonstranten.

Foto: AFP

Müssen hinter Gitter: Die Pussy-Riot-Musikerinnen Jekaterina Samuzewitsch, Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa

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Hamburg/Moskau. In Moskau dauert die Urteilsverkündung gegen die kremlkritische Punkband Pussy Riot an. Währenddessen hat die Moskauer Polizei vor dem Gericht etwa 30 Anhänger der drei jungen Frauen festgenommen. Auch der Kremlkritiker und Ex-Schachweltmeister Garri Kasprow sowie Sergej Udalzow, einer der Oppositionsführer, seien abgeführt worden, meldete die Agentur Interfax am Freitag. Vor dem Gebäude warteten Hunderte Menschen, darunter auch Gegner von Pussy Riot, auf die Verkündung des Strafmaßes. Die Richterin hatte die jungen Frauen zuvor wegen "Rowdytums aus Motiven des religiösen Hasses" schuldig gesprochen. Gemeint ist damit Hass auf Gläubige und ihre Religion.

Die drei Musikerinnen Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa hatten im Februar mit einem "Punk-Gebet" in der orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gegen eine Wiederwahl Wladimir Putins als Staatspräsident protestiert. Sie verbrachten seitdem ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Dort seien sie Foltermethoden wie überlangen Verhören und Schlafentzug ausgesetzt gewesen, erklärten sie.

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In der Urteilsverkündung von Richterin Marina Syrowa hieß es, die drei Frauen hätten ihre öffentliche Missachtung der kirchlichen Ordnung bewusst geplant und eine Verletzung religiöser Gefühle von Gläubigen in Kauf genommen. Sie hätten keine Reue gezeigt und sich lediglich auf eine künstlerische Darstellung berufen. Beobachter erwarten, dass die Anwälte der Angeklagten Berufung gegen das Urteil einlegen.

Staatspräsident Putin und ein Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche hatten sich im Vorfeld gegen eine harte Bestrafung ausgesprochen. Er hoffe, die drei Frauen hätten ihre Lektion gelernt, so Putin. Die Anwälte der als Nebenkläger auftretenden Kirchenmitarbeiter äußerten während des Prozesses unterschiedliche Ansichten. Die Strafe müsse von einer Wiederholung der Tat abschrecken. Die Vertreter von zwei weiteren Nebenklägern forderten hingegen Bewährungsstrafen.

Für eine Freilassung der Frauen indes setzen sich neben Menschenrechtsorganisationen auch zahlreiche Politiker, Prominente und Kirchenvertreter aus dem Ausland ein. Vor dem Gerichtsgebäude warteten Hunderte Schaulustige. In vielen Städten, auch in Deutschland, fanden Flashmobs und Demonstrationen statt. Amnesty International stuft die drei Angeklagten als politische Gefangene ein und sprach von einem "Signalfall" für die Menschenrechte.

Demo auch vor russischer Kirche in Hamburg

In Hamburg hatten vor der Urteilsverkündung am Freitag etwa 100 Menschen für die Freiheit der Aktivistinnen demonstriert. Mit Masken versammelten sich die Protestler am Mittag auf dem Tschaikowskyplatz an der Russisch-Orthodoxen Kirche des Heiligen Johannes von Kronstadt. Über das soziale Netzwerk Facebook hatte es zuvor 273 Zusagen gegeben. Es sei zunächst alles ruhig verlaufen, sagte ein Polizeisprecher in der Hansestadt.

"Eine Entschuldigung ist von den drei angeklagten Aktivistinnen nicht zu erwarten", sagte Veranstalterin Irina. Wenn, dann müsse sich Präsident Wladimir Putin entschuldigen. Die drei Aktivistinnen hätten ihre Würde behalten, und das sei das Wichtigste, sagte die 30-Jährige weiter. Weltweit hatten in 64 Städten Unterstützer der Punkband Proteste angekündigt, darunter neben Hamburg auch in Berlin, Frankfurt am Main und Köln.

Kurz vor dem Urteil hatten die Pussy-Riot-Anwälte die Anhänger der Musikgruppe zur Unterstützung vor dem Gericht aufgerufen. Um nicht wegen einer illegalen Kundgebung festgenommen zu werden, sollten sie aber ohne Masken, Fahnen und Transparente erscheinen, sagte Verteidiger Mark Fejgin der Zeitung "Nowyje Iswestija" (Freitag). Rund 700 Unterstützer kündigten sich über soziale Netzwerke an. Die Moskauer Polizei sperrte daraufhin das Gerichtsgebäude nahe dem Moskwa-Fluss ab.

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Eisengitter blockierten bereits am frühen Morgen an beiden Seiten die Zufahrt zum Gericht, wie die Agentur Interfax meldete. Zahlreiche Polizeibusse seien vorgefahren. Schon Stunden vor dem Urteil warteten Dutzende Journalisten vor dem Gebäude.

Weltweit sind kurz vor der Urteilsverkündung um 13.00 Uhr (MESZ) Solidaritätsaktionen geplant, darunter auch in Berlin. In Russland wollten hingegen Ultranationalisten und strenggläubige orthodoxe Christen für eine Verurteilung demonstrieren.

Die Mehrheit der Russen glaubt einer aktuellen Umfrage des Lewada-Zentrums zufolge, das Verfahren sei fair und unabhängig verlaufen. Nur eine Minderheit halte Putin oder Patriarch Kirill für die Initiatoren der Anklage, berichtete die Zeitung "Kommersant".

Mit Material von dpa, kna und dapd

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