15.08.12

Wikileaks-Gründer Assange

Ecuadors Präsident dementiert Asyl-Entscheidung

Präsident Rafael Correa streitet ab, dass sein Land über den Asylantrag von Wikileaks-Gründer Julian Assange bereits entschieden habe.

Foto: REUTERS
Die britische Zeitung "Guardian" hatte unter Berufung auf ecuadorianische Kreise gemeldet, Assanges Asylantrag sei stattgegeben worden. Ecuadors Präsident Rafael Correa streitet dies jedoch ab
Die britische Zeitung "Guardian" hatte unter Berufung auf ecuadorianische Kreise gemeldet, Assanges Asylantrag sei stattgegeben worden. Ecuadors Präsident Rafael Correa streitet dies jedoch ab

Quito/London. Ecuadors Präsident Rafael Correa hat Berichte der britischen Zeitung "Guardian" über eine Asyl-Entscheidung zugunsten des Wikileaks-Gründers Julian Assange dementiert. "Es gibt keine Entscheidung in dieser Angelegenheit" twitterte Correa am Dienstagabend in Quito. "Ich habe noch nicht einmal den Bericht vom Außenministerium erhalten." Auch andere Politiker in Quito dementierten den Bericht der Zeitung.

Kurz zuvor hatte der "Guardian" berichtet, dass sich die Regierung Ecuadors dazu entschlossen habe, dem Gründer der Internet- Enthüllungsplattform politisches Asyl zu gewähren. Man sehe in dem Fall Assange eine Angelegenheit der Menschenrechte, schreibt der "Guardian" in seiner Onlineausgabe unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Die Regierung hatte angekündigt, die Entscheidung solle noch in dieser Woche verkündet werden.

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Assange (41) befindet sich seit sieben Wochen in der Botschaft Ecuadors und lebt dort den Angaben zufolge in einem kleinen Zimmer mit Internetanschluss. Es habe bereits Verhandlungen auf diplomatischer Ebene gegeben, bevor Assange den Schritt in die Botschaft ging, hieß es. Die Behörden in Großbritannien und Schweden seien bei den Gesprächen nicht besonders kooperativ gewesen.

Assange soll von Großbritannien nach Schweden ausgeliefert werden. Dort wird ihm vorgeworfen, im Sommer 2010 zwei Frauen sexuell belästigt und in einem Fall vergewaltigt zu haben. Assange bestreitet dies. Er befürchtet, dass einem Verhör in Schweden die Auslieferung in die USA folgen könnte. Seine Plattform Wikileaks hatte Tausende Depeschen öffentlich gemacht, die die Rolle der USA in verschiedenen internationalen Konflikten, unter anderem in Afghanistan und im Irak öffentlich machen. (dpa)

Warum Ecuador? - Assanges Versuch eines Asylantrags
Warum ausgerechnet Ecuador? Für die Flucht des Wikileaks-Gründers Julian Assange in die Botschaft des 14-Millionen-Einwohner-Landes in Südamerika gibt es nicht die unmittelbar auf der Hand liegende Erklärung.
Bereits im November 2010 hatte Ecuador Assange einen Aufenthalt in dem südamerikanischen Land angeboten. Es hatte damals aber darauf hingewiesen, es handele sich nicht um ein Asylangebot.
Assange wird ein persönlich gutes Verhältnis zu Ecuadors Präsidenten Rafael Correa nachgesagt. Correa war Gast in Assanges Talkshow im Fernsehsender Russia Today gewesen.
Ecuador hat vergleichsweise viel Erfahrung mit politischen Flüchtlingen.
Nach Informationen des "Guardian" kommen dort 8,5 Flüchtlinge auf je 10.000 Einwohner. In Großbritannien liegt diese Quote nur bei 3,1.
Die meisten der insgesamt 144.000 Flüchtlinge kommen aus dem Nachbarland Kolumbien. 68 Prozent aller Asylanträge werden abgelehnt.
Politisch liegt Ecuador mit den USA über Kreuz und das Verhältnis ist stark angespannt.
Das vergleichsweise arme Land pflegt aber gute Wirtschaftsbeziehungen zu den USA und auch Großbritannien.
Offizielles Zahlungsmittel in Ecuador ist der US-Dollar.
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