09.08.12

US-Präsidentschaftskandidat

Romneys Peinlichkeiten: Aus "Sikh" mach' "Scheich"

Der Republikaner fiel einmal mehr durch einen Versprecher im Wahlkampf negativ auf. Kaliforniens Schulden verglich er mit denen Griechenlands.

Foto: dapd/DAPD
Welfare Politics
Mitt Romney hat sich einmal mehr einen Fauxpas erlaubt

West Des Moines. Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, Mitt Romney, tut sich mit Fremdländischem weiter schwer: Nach einer verpatzten Auslandsreise Ende Juli trat er nun bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Staat Iowa abermals ins Fettnäpfchen. Mit Blick auf den tödlichen Amoklauf an einem Sikh-Tempel im Staat Wisconsin sprach Romney von einem "Scheich-Tempel" und den "Scheich-Leuten" (englisch: sheik). Die Schuldenprobleme Kaliforniens verglich der Multimillionär zudem mit denen Griechenlands.

Romney erklärte vor seinen Anhängern, er komme gerade aus dem US-Staat Illinois, wo er an einer Schweigeminute zu Ehren jener teilgenommen habe, die ihr Leben "an diesem Scheich-Tempel" verloren hatten. Er habe darauf hingewiesen, dass das Verbrechen auch eine Tragödie sei, weil "die Scheich-Menschen" zu den friedlichsten und liebenswürdigsten Personen zählten, die man sich vorstellen könne. Bei der Veranstaltung in Illinois hatte Romney den Namen der Sikh-Religion noch korrekt ausgesprochen.

Sein Sprecher Rick Gorka sagte, der Kandidat habe "ähnlich klingende Wörter falsch ausgesprochen". Es liege ihm fern, gläubige Sikhs zu beleidigen. Mit Blick auf den riesigen US-Schuldenberg sagte der Republikaner, die Vereinigten Staaten bräuchten hier weitere Anstrengungen, sonst ende das Land wie Griechenland – oder wie das ebenfalls hoch verschuldete Kalifornien.

Bereits bei seiner Reise nach Großbritannien, Israel und Polen hatte Romney mit ungeschickten oder politisch heiklen Äußerungen Aufsehen erregt. Mit den Besuchen wollte er eigentlich sein außenpolitisches Profil schärfen. Stattdessen erntete er auch in den USA Spott.

In Israel hatte seine Äußerung unter Palästinensern für Empörung gesorgt, Jerusalem sei die Hauptstadt des Landes. Zugleich ließ der Republikaner erkennen, dass er die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen würde, wäre er Präsident. Romney deutete überdies an, die israelische Kultur habe dazu beigetragen, dass das Land wirtschaftlich erfolgreicher sei als die Palästinenser. Bei einem Besuch in London hatte er zuvor bezweifelt, dass Großbritannien ausreichend auf die Olympischen Spiele vorbereitet sei. (dapd)

Das sagen Obama und Romney zu zentralen Themen in den USA
Das sagen Obama und Romney zu zentralen Themen in den USA
Wirtschaftspolitik: Obama hat in der Finanzkrise Banken und Autoindustrie gestützt. Staatliche Interventionen im Privatsektor sind für Obama kein Tabu. Romney glaubt als Geschäftsmann an die Selbstregulierungskräfte der Wirtschaft und will den Staat aus dem Privatsektor heraushalten.
Steuerpolitik: Obama will Großverdiener (mehr als 250.000 Dollar jährlich) steuerlich stärker belasten und die Sätze für andere Einkommensgruppen niedrig halten. Romney will die Steuern für alle Einkommensgruppen schrittweise um 20 Prozent senken und auch die Unternehmenssteuer reduzieren. Romney erhofft sich dadurch Wirtschaftswachstum.
Verschuldung: Obama erlebte in seiner ersten Amtszeit, wie die Staatsschulden einen neuen Höchstwert erreichten, und will nun Ausgaben reduzieren. Romney will nicht sicherheitsrelevante staatliche Ausgaben von derzeit rund 25 Prozent pauschal auf unter 20 Prozent drücken.
Außenpolitik: Obama steht für Friedenspolitik, sieht die USA als Vorreiter in der westlichen Weltgemeinschaft fest verankert. Romney hat wenig außenpolitische Erfahrung, sieht Amerikas Führungsrolle durch Rücksichtnahme auf andere Länder gefährdet.
Verteidigungspolitik: Obama hat die US-Truppen aus dem Irak abgezogen und mit dem Abzug aus Afghanistan begonnen. Er will auch beim Militär sparen. Romney will das Militär reformieren, auch wenn dies kostet. Er hält Präsenz in Afghanistan im Kampf gegen den Terrorismus für notwendig.
Terrorismus: Obama kann die Tötung von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden für sich verbuchen. Er hat ein Gesetz unterzeichnet, wonach Terrorverdächtige ohne Prozess unbefristet in Gewahrsam gehalten werden können. Romney will die nationale Antiterror-Strategie reformieren, den Informationsaustausch der Geheimdienste stärken. Er will enger mit Muslimen kooperieren, um Radikalisierung zu verhindern.
Gesundheitspolitik: Obama hat eine Gesundheitsreform ("Obamacare") durchgesetzt, die fast allen Amerikanern eine obligatorische Krankenversicherung bringen soll. Romney will "Obamacare" rückgängig machen. Er setzt auf Eigenverantwortung und Konkurrenz im Gesundheitssektor, um Kosten zu senken.
Abtreibung: Obama sieht das Recht auf Abtreibung als Grundrecht, das die Gesundheit von Frauen und freie Familienplanung sichert. Romney ist Abtreibungsgegner und will ein Grundsatzurteil, das Abtreibungen legalisierte, revidieren.
Energiepolitik: Obama hat erneuerbare Energien gefördert, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu senken und den Umweltschutz zu stärken. Romney will die Genehmigung von Bohr- und Pipelineprojekten vereinfachen, um mehr Öl und Gas fördern zu können.
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