06.08.12

Damaskus

Bombenanschlag auf staatliches syrisches Fernsehen

Im Gebäude des syrischen Staatsfernsehens in Damaskus ist am Montagmorgen eine Bombe explodiert. Mindestens drei Menschen verletzt.

Foto: dpa/DPA
Syria unrest
Bei einer Explosion in der Innenstadt von Damaskus sind mehrere Menschen verletzt worden (Archivbild)

Beirut. Bei einem Bombenanschlag auf ein Gebäude des staatlichen syrischen Fernsehens sind nach Angaben des Senders mindestens drei Menschen verletzt worden. Die Explosion erschütterte am Montagmorgen den dritten Stock des Hauses in der Innenstadt von Damaskus, in dem auch der staatliche Radiosender untergebracht ist. Das Fernsehprogramm war nicht beeinträchtigt.

Schwere Kämpfe um Aleppo – Regierung verstärkt Truppen weiter

Der Kampf um Aleppo ist nach Angaben von Oppositionellen heftiger geworden. Die Regierungstruppen attackierten mehrere Stadtviertel, berichteten die syrischen Menschenrechtsbeobachter in der Nacht zum Montag im Internet.

Im britischen Sender BBC hieß es am Sonntagabend, die syrischen Regierungstruppen seien in Vorbereitung auf einen noch größeren Angriff auf Aleppo ständig verstärkt worden. Eine große Zahl von Soldaten sowie Panzern und anderen Militärfahrzeugen sei zusammengezogen worden, berichtete BBC-Korrespondent Richard Galpin von der türkischen Grenze. Kampfflugzeuge, Helikopter und Artillerie hätten Positionen der Rebellen attackiert.

+++ Die Schlacht um Aleppo lässt Bewohner verzweifeln +++

Das Rote Kreuz appellierte an Regierung und Rebellen, Zivilisten von Gewalt zu verschonen. Als eines der ersten europäischen Länder erwägt die Schweiz die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen. Man prüfe Möglichkeiten zur Hilfe für eine begrenzte Zahl von Syrern, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Migration in Bern.

Russische Medien berichteten, dass dem Regime vor allem raffinierte Erdölprodukte wie Diesel ausgehen. Die Delegation um Vizeregierungschef Kadri Dschamil habe in Moskau "eine gewisse Summe in harter Währung beantragt, um die komplizierte Lage in Syrien zu überbrücken". Von russischer Seite lag zunächst keine Reaktion vor.

Am Sonnabend entführte eine islamistische Aufständischen-Gruppe in Damaskus 48 iranische Pilger, denen sie unterstellt, feindliche Agenten zu sein. Der Iran ist einer der engsten Verbündeten von Machthaber Baschar al-Assad – die Rebellen bekommen vom iranischen Erzrivalen Saudi-Arabien Geld und Waffen. Knapp 17 Monate Rebellion und die Sanktionen des Westens haben Syrien auch wirtschaftlich ausbluten lassen.

Ein Video, das der saudische Nachrichtensender Al-Arabija am Sonntag ausstrahlte, zeigt einen Teil der entführten Iraner in der Gewalt der sogenannten Al-Baraa-Märtyrerbrigade. Sie hatte sich im Februar mit dem Ziel gegründet, Einrichtungen des Assad-Regimes mit Selbstmordanschlägen anzugreifen. Der Kommandeur der Einheit, Nasser al-Schumeir, hält ausweisartige Dokumente in die Kamera, die die Zugehörigkeit der Entführten zu den iranischen Revolutionsgarden beweisen sollen. Unabhängig überprüfen ließ sich das nicht.

+++ Maizière gegen Intervention - Rebellen verschleppen Iraner +++

Das iranische Außenministerium entgegnete, dass es sich bei den Entführten einzig um gottesfürchtige Pilger handele. "Wir weisen diese Berichte einiger arabischer Medien kategorisch zurück", sagte ein Ministeriumssprecher am Sonntag in Teheran.

Für seine wirtschaftliche Misere machte das syrische Regime die USA und die EU und deren Sanktionen gegen das Land verantwortlich. Beobachter verweisen aber auch auf die enormen volkswirtschaftlichen Kosten eines Bürgerkriegs, der ganze Landesteile lahmlegt, Menschen am Arbeiten hindert und öffentliches wie privates Eigentum zerstört.

Während die Vereinten Nationen nach dem Rückzug von Kofi Annan nach einem neuen Syrienvermittler suchen, dringen die arabischen Staaten auf eine veränderte Ausgestaltung des Mandats. "Der einzige annehmbare Auftrag ist, auf eine friedliche Machtübergabe in Syrien hinzuarbeiten", sagte der Ministerpräsident von Katar, Scheich Hamad bin Dschasim al-Thani.

Ministerpräsident setzt sich nach Jordanien ab

Syriens Ministerpräsident Rijad Hidschab hat sich offenbar ins Nachbarland Jordanien abgesetzt. Das verlautete am Montag aus jordanischen Regierungskreisen. "Hidschab ist mit seiner Familie in Jordanien", hieß es. Zuvor hatte das syrische Staatsfernsehen berichtet, Hidschab sei von Präsident Baschar al-Assad entlassen worden.

Assad habe eine Übergangsregierung unter Omar Ghalawandschi eingesetzt, hieß es in dem Fernsehbericht. Mit Ghalawandschi kommt ein früherer stellvertretender Regierungschef ins Amt. Er solle die Übergangsregierung leiten, berichtete das Fernsehen.

Hidschab war früher Landwirtschaftsminister und hatte den Posten als Ministerpräsident erst im Juni nach der Parlamentswahl übernommen. Die Wahl im Mai hatte die Führung als Schritt hin zu politischen Reformen bezeichnet. Die Opposition hatte diese Lesart als Farce zurückgewiesen.

Assad versucht seit 17 Monaten einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen.

mit Material von dapd, dpa und Reuters

Revolutionary Guards among kidnapped Iranians in Syria
Foto: dpa
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