05.08.12

Blutiger Konflikt in Syrien

Die Schlacht um Aleppo lässt Bewohner verzweifeln

Panzer und Kampfhubschrauber beschießen Aleppo. Rebellen entführen eine Gruppe iranischer Pilger. Iran warnt Ausland vor Intervention.

Foto: dapd
Syrische Kämpfer liefern sich heftige Gefechte mit den Regierungstruppen
Syrische Kämpfer liefern sich heftige Gefechte mit den Regierungstruppen

Aleppo. Syrische Regierungstruppen und Rebellen kämpfen ungeachtet des wachsenden Leids der Bevölkerung erbittert um die Kontrolle über die größte Stadt des arabischen Landes. Kampfhubschrauber und Panzer nahmen am Sonntag Stellungen der Aufständischen in der Millionenmetropole Aleppo unter Beschuss, deren dauerhafte Einnahme im Kampf um die Vorherrschaft im Bürgerkrieg als entscheidend gilt. In der Hauptstadt Damaskus verschleppten Rebellen knapp 50 Iraner. Nach iranischen Angaben handelte es sich bei der Gruppe um Pilger. Die Aufständischen verdächtigen dagegen die Regierung in Teheran, Kämpfer einzuschleusen, um Präsident Baschar al-Assad an der Macht zu halten.

Panzer feuerten in der lange vom Krieg verschonten Stadt Aleppo auf Aufständische, die in den Gassen des Viertels Salaheddine Schutz suchten. Der einst lebendige Einkaufs- und Restaurantbezirk hat sich in eine Landschaft aus Staub und Geröll verwandelt, wie ein Reuters-Reporter vor Ort berichtete. In den einstigen Familienwohnungen harren Scharfschützen der Rebellen aus. Vereinzelt wagten sich Bewohner zurück ins Kampfgebiet, um Wertsachen zu bergen. Doch der monatelange Bürgerkrieg hat bei den Zivilisten deutliche Spuren hinterlassen.

+++ Ban sucht schon nach einem Nachfolger für Annan +++

Mitten in einem Gefecht lief am Sonnabendabend ein älterer Mann zwischen Rebellen und Soldaten, bis er von einem Kämpfer am Kragen gepackt und in Deckung gezogen wurde. "Ich wollte doch nur Brombeersaft kaufen", stammelte der Mann. An einer Kreuzung stand, zitternd vor Angst, ein Paar. "Nur weil er (Assad) an der Macht bleiben will, zerstört er unsere Straßen und Häuser, ermordet unsere Söhne", weinte Fausia Um Ahmed. "Ich erkenne diese Straßen nicht mehr wieder." Im staatlichen Fernsehen hieß es, die Armee "reinige das Land vom terroristischen Schmutz". Für die kommenden Tagen erwarteten die Rebellen eine Großoffensive der Armee. In Damaskus bombardierten Kampfjets nach Darstellung eines Bewohners das letzte noch von Aufständischen gehaltene Viertel.

Iran warnte als Schutzmacht der syrischen Führung vor einer Intervention des Auslands. Parlamentspräsident Ali Laridschani warf den USA und regionalen Mächten vor, die Rebellen militärisch zu unterstützen. "Was erlaubt es diesen Ländern, sich in interne syrische Angelegenheiten einzumischen?", fragte der als moderat geltende konservative Politiker. Nach seiner Darstellung werde sich der Konflikt auch auf Israel ausweiten. Ein Militäreinsatz des Auslands gilt derzeit aber als ausgeschlossen. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere unterstrich in der "Welt am Sonntag" seine Skepsis, was eine Intervention angeht.

+++ Obama unterstützt die Rebellen in Syrien +++

Nach der Aufgabe des Sondervermittlers Kofi Annan sind die Hoffnungen auf eine friedliche Lösung weiter geschrumpft. Als neuen Anlauf, den internationalen Bemühungen wieder Leben einzuhauchen, versuchten die USA einen Vorstoß in Richtung Türkei. Außenministerin Hillary Clinton will sich mit dem Nachbarland Syriens enger abstimmen und kündigte für Ende kommender Woche einen Besuch in Istanbul an.

Ein hochrangiger Oppositioneller erklärte sich derweil prinzipiell zu Gesprächen mit Regierungsvertretern bereit, nannte aber Bedingungen. So dürften seine Verhandlungspartner "kein Blut an den Händen" haben, sagte der Vorsitzende des syrischen Nationalrates, Abdelbasset Seida, der Zeitung "Aschark al-Awsat". Vorraussetzung für Gespräche wäre außerdem ein Rücktritt Assads und seiner Getreuen. Es gibt jedoch keinerlei Anzeichen, dass der syrische Machthaber dazu bereit sein könnte.

Der Konflikt entwickelt unterdessen immer gewaltsamere Züge und lockt offenbar auch zunehmend Extremisten an. Eine radikale Islamistengruppe bekannte sich nach Darstellung von Experten dazu, einen Moderator des Staatsfernsehen entführt und exekutiert zu haben. Die Gruppe Al-Nusra erklärte demnach auf ihrer Internetseite, die Tat sei als Warnung an alle Unterstützer des Präsidenten zu verstehen.

Mit Material von Reuters

Die Chronologie der Eskalation zwischen Syrien und der Türkei
Die Chronologie der Eskalation zwischen Syrien und der Türkei
Seit Ausbruch der Gewalt in Syrien herrscht politische Eiszeit zwischen Damaskus und Ankara. Die Lage an der fast 900 Kilometer langen gemeinsamen Grenze ist bedrohlich eskaliert.
6. Juni 2011: Die ersten 100 Syrer retten sich aus der Provinz Idlib in die Türkei. In Ankara verspricht Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Flüchtlingen eine offene Grenze. Zehn Tage später leben bereits mehr als 9000 Syrer in türkischen Lagern.
12. November 2011: Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad attackieren die türkische Botschaft in Damaskus
16. März 2012: Ankara ruft türkische Staatsbürger auf, Syrien wegen der zunehmenden Gewalt zu verlassen. Am 26. März schließt die Türkei ihre Botschaft in Damaskus.
9. April 2012: Syrische Truppen feuern über die Grenze hinweg auf das Flüchtlingslager Kilis. Zwei Syrer und zwei Türken werden verletzt. Ankara verstärkt die Truppen an der Grenze und warnt vor weiteren Angriffen. In türkischen Lagern leben inzwischen 24 700 Syrer.
30. Mai 2012: Als Reaktion auf das Massaker an Zivilisten im syrischen Al-Hula weist die Türkei alle syrischen Diplomaten aus Ankara aus.
13. Juni 2012: Damaskus behauptet, Kämpfer der Freien Syrischen Armee würden auf Schmugglerwegen auch mit Waffen aus der Türkei aufgerüstet. Ankara bestreitet Waffenlieferungen an syrische Rebellen, die Unterstützung sei rein humanitärer Art.
23. Juni 2012: Nahe der Küstenstadt Latakia schießt Syrien einen türkischen Militärjet ab. Das Kampfflugzeug war nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen.
26. Juni 2012: Der Nato-Rat verurteilt den Abschuss.
28. Juni 2012: Die Türkei stationiert Militärfahrzeuge und Raketenabwehrsysteme an der Grenze zu Syrien. 30. Juni: Die türkische Armee lässt Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der Grenze näherten.
2. Juli 2012: 85 syrische Soldaten setzen sich in die Türkei ab, darunter ranghohe Offiziere mit ihren Familien – zusammen fast 300 Menschen. Insgesamt sind über 30 000 Syrer in die Türkei geflohen
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Gewohntes Bild: Stillstand auf der A 7
12:30Engpass Hamburg
Große Projekte - kleiner Etat

Um den Standort wirtschaftlich weiterzubringen, müssten Großprojekte wie Hafenquerung oder Elbvertiefung in der Hansestadt dringend verwirklicht werden. Doch es mangelt an Geld und Willen. mehr...


Trainer Thorsten Fink will seine Spieler noch in die Europa League führen
14:04Fußball-Bundesliga live
Countdown zum Euro-Finale: HSV vs Leverkusen im Liveticker

Der HSV braucht einen Sieg gegen den Tabellendritten und muss zeitgleich auf eine Niederlage von Eintracht Frankfurt hoffen, um sicher in die Europa League einzuziehen. Hier geht's zum Liveticker. mehr...

Trübes Wetter auf Norderney
14:09Rat: Sonntag reisen
Grauer Himmel zu Pfingsten über Deutschland

Schade: Gerade zu Pfingsten sagt der Sommer uns wieder Ade. Aber das frische Grün überall bleibt. So heißt es schon in dem plattdeutschen Lied "To Pingsten, ach wie scheun, – wenn de Natur so greun...… mehr...

Hamburg/Stormarn
18.05.13 HASteinburg
Miss Hamburg - So meistert Jule das Model-Leben

Seit der Wahl zur Miss Hamburg hat die 17-Jährige aus Mollhagen viele öffentliche Auftritte absolviert. Dem Abendblatt schildert sie ihre Erfahrungen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Wetter
Hamburg Wetter am Wochenende

Hamburg Wetter am Wochenendemehr »

Top Bildergalerien mehr
Nordseeinsel

Sylter Marsch - vom Ellenbogen bis Hörnum

Entwürfe für neue Süderelbebrücke bei Moorburg

Eimsbüttel

Haltestelle Osterstraße ist jetzt barrierefrei

Hamburg

Tierkinder-Inventur bei Hagenbeck

Highlights
rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr

rb_webcam_926043a.jpg
Webcams

Besuchen Sie online die schönsten Orte der Welt. mehr