02.08.12

Geforderte Auslieferung

Schweden und Ecuador streiten um Assange-Befragung

Die Skandinavier lehnen das Angebot des südamerikanischen Staats ab, den Wikileaks-Gründer in der Londoner Botschaft zu befragen.

Foto: dapd/DAPD
Emotionaler Appell mit Kinderfotos: Christine Assange, Mutter des der Vergewaltigung bezichtigten Wikileaks-Gründers Julian Assange, wirbt derzeit in Ecuador für die Unschuldsvermutung hres Sohnes
Emotionaler Appell mit Kinderfotos: Christine Assange, Mutter des der Vergewaltigung bezichtigten Wikileaks-Gründers Julian Assange, wirbt derzeit in Ecuador für die Unschuldsvermutung hres Sohnes

Quito. Schweden will den Wikileaks-Gründer Julian Assange offenbar nicht in der ecuadorianischen Botschaft in London befragen. Das Angebot einer persönlichen Vernehmung oder eines Gesprächs per Videoschaltung sei abgelehnt worden, hieß es am Mittwochabend in einer Mitteilung des Außenministeriums in Quito.

Ecuador will den unter Vergewaltigungsverdacht stehenden Australier Assange vor einer Auslieferung in das skandinavische Land bewahren. Man sei enttäuscht, dass Schweden das Angebot zurückgewiesen habe, Assange in der Botschaft Ecuadors in London zu befragen, sagte Außenminister Ricardo Patino am Mittwoch.

"Dies macht es für uns schwieriger, eine Entscheidung zu treffen, die zur Folge hätte, dass Herr Assange nach Schweden reisen müsste." Patino sagte nicht, wann das südamerikanische Land das Urteil über Assanges Antrag auf politisches Asyl fällen will. Sein Land werde mit der Entscheidung versuchen, Assanges Leben zu schützen und sein Recht auf Freiheit zu sichern, sagte der Außenminister. Schwedens Außenministerium wollte keine Stellung nehmen.

Assange befindet sich seit rund sechs Wochen in Ecuadors Botschaft in London. Dort soll er zu Vergewaltigungsvorwürfen befragt werden. Assange selbst hat dies als Vorwand für eine Auslieferung an die USA bezeichnet. Mit einem Asylantrag will er seine Auslieferung nach Schweden verhindern. Er fürchtet um sein Leben, falls er von Großbritannien nach Schweden und von dort an die USA ausgeliefert werden sollte. Dort drohen Assange Anklagen wegen der Veröffentlichung zahlloser geheimer Dokumente.

Das von Assange gegründete Internet-Portal WikiLeaks hatte 2010 weltweit für Furore gesorgt, als es Tausende geheime US-Dokumente unter anderem über die Kriege im Irak und Afghanistan veröffentlichte. Die US-Regierung sieht in Assange seitdem einen Landesverräter.

Die Regierung in Ecuador will nach eigenen Angaben nicht vor dem Ende der Olympischen Spiele in London über den Asylantrag Assanges entscheiden. Die Mutter des Australiers, Christine Assange, traf in dem südamerikanischen Land am Mittwoch Präsident Rafael Correa, um ihn zu einer Annahme des Asylantrags zu bewegen.

Mit Material von rtr und dapd

Warum Ecuador? - Assanges Versuch eines Asylantrags
Warum ausgerechnet Ecuador? Für die Flucht des Wikileaks-Gründers Julian Assange in die Botschaft des 14-Millionen-Einwohner-Landes in Südamerika gibt es nicht die unmittelbar auf der Hand liegende Erklärung.
Bereits im November 2010 hatte Ecuador Assange einen Aufenthalt in dem südamerikanischen Land angeboten. Es hatte damals aber darauf hingewiesen, es handele sich nicht um ein Asylangebot.
Assange wird ein persönlich gutes Verhältnis zu Ecuadors Präsidenten Rafael Correa nachgesagt. Correa war Gast in Assanges Talkshow im Fernsehsender Russia Today gewesen.
Ecuador hat vergleichsweise viel Erfahrung mit politischen Flüchtlingen.
Nach Informationen des "Guardian" kommen dort 8,5 Flüchtlinge auf je 10.000 Einwohner. In Großbritannien liegt diese Quote nur bei 3,1.
Die meisten der insgesamt 144.000 Flüchtlinge kommen aus dem Nachbarland Kolumbien. 68 Prozent aller Asylanträge werden abgelehnt.
Politisch liegt Ecuador mit den USA über Kreuz und das Verhältnis ist stark angespannt.
Das vergleichsweise arme Land pflegt aber gute Wirtschaftsbeziehungen zu den USA und auch Großbritannien.
Offizielles Zahlungsmittel in Ecuador ist der US-Dollar.
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