Syrien-Konflikt
Türkei schließt Grenzübergänge nach Syrien
Drei noch offene Übergänge sollen geschlossen werden, der Warenhandel stoppen. Flüchtlinge kommen über Schleuserrouten in die Türkei.
Beirut/Istanbul/Bonn. Als Antwort auf die zunehmende Gewalt in Syrien hat die Türkei die Schließung aller Grenzübergänge ins Nachbarland angeordnet. Ab Mittwoch sollten die drei noch offenen Übergänge geschlossen werden, sagte ein Mitarbeiter des Handelsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Damit wird insbesondere der Warenhandel zwischen den beiden Staaten unterbunden. Flüchtlinge aus Syrien gelangen über Schleuserrouten in die Türkei.
Im Kampf gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben die Aufständischen mehrere Grenzübergänge unter ihre Kontrolle gebracht. Die Regierung in Ankara hat Assad zum Rücktritt aufgefordert. Bei dem seit 16 Monaten anhaltenden Aufstand in Syrien sind nach Schätzungen der Opposition 18.000 Menschen ums Leben gekommen, Tausende sind die Nachbarstaaten geflüchtet.
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind mehr als 120 000 syrische Flüchtlinge in Jordanien, im Libanon, in der Türkei und im Irak registriert worden. Nach Angaben der Regierungen seien die wirklichen Zahlen jedoch noch weitaus höher, erklärte das UNHCR am Mittwoch in Bonn. Viele Flüchtlinge seien auf humanitäre Hilfe und auf Spenden angewiesen.
Drei Viertel der Flüchtlinge sind den Angaben zufolge Frauen und Kinder. "Ich bin den Nachbarländern sehr dankbar, dass sie die Grenzen für die Flüchtlinge offen halten", sagte der UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. In den aufnehmenden Gemeinden fehlten jedoch Unterkünfte, Wasser, Medikamente und Nahrungsmittel.
+++ Weiterer enger Vertrauter von Assad bestätigt Flucht +++
+++Israel warnt syrisches Regime vor Einsatz von Chemiewaffen+++
Heftige Kämpfe zwischen Rebellen und syrischen Regierungstruppen haben nach Oppositionsangaben auch in der Nacht auf Mittwoch wieder weite Teile der Millionenstadt Aleppo erschüttert. Zuvor hatte Russland Syrien vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Das russische Außenministerium erklärte am Dienstag in Moskau, Syrien habe eine Konvention zum Verbot von Chemiewaffen unterzeichnet. Die russische Regierung erwarte, dass die Führung in Damaskus ihre internationalen Verpflichtungen einhalte.
Israel kündigte sofortiges Handeln an, sollte die radikalislamische Hisbollah syrische Lager mit chemischen und biologischen Waffen plündern. "Für uns ist das der Kriegsfall", sagte Außenminister Avigdor Lieberman im israelischen Radio. Bereits in den vergangenen Tagen hatten israelische Politiker gewarnt, dass die Streitkräfte des Landes bereit seien, die Inbesitznahme syrischer Waffen durch die libanesische Hisbollah-Miliz mit einem Angriff auf die Waffenarsenale zu verhindern.
Ein enger Vertrauter des syrischen Präsidenten Baschar Assad und ranghoher Kommandeur bestätigte unterdessen seine Flucht aus Syrien. Brigadegeneral Manaf Tlass, Sohn eines früheren Verteidigungsministers, sagte dem Fernsehsender Al Arabija, die Syrer müssten jetzt zusammenarbeiten, um ein neues, demokratisches Land aufzubauen. Es war sein erster öffentlicher Auftritt, seit er sich Anfang Juli ins Ausland absetzte. Sein langes Schweigen hatte Spekulationen aufkommen lassen, ob er sich dem Aufstand anschließen oder nur dem Bürgerkrieg entkommen wollte. (dapd/rtr)















