Nach Tod von Atta MIlls
Historiker Mahama ist Ghanas neuer Präsident
Am Dienstag wurde der überraschende Tod von Präsident John Atta Mills bekanntgegeben. Mahama verspricht, den Frieden in Ghana zu bewahren.
Accra/Kapstadt. Wenige Stunden nach dem Tod des ghanaischen Präsidenten John Atta Mills ist gemäß der Verfassung des Landes bereits sein Nachfolger ernannt worden: Der bisherige Vizepräsident John Dramani Mahama. Der Generalstabschef John Henry Martey Newman hatte am Dienstag im staatlichen Fernsehen den Tod des 68 Jahre alten Mills bestätigt. Er sei am Dienstagnachmittag in einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Accra gestorben, sagte Newman. Der 68-Jährige sei erst wenige Stunden zuvor in die Klinik gebracht worden, hieß es in der Erklärung. Zur Todesursache äußerte er sich nicht. Über Atta Mills Gesundheitszustand war zuletzt immer wieder spekuliert worden. Unbestätigten Berichten zufolge litt er an Kehlkopfkrebs.
Sein Nachfolger, der 53-jährige Historiker Mahama, versprach in seiner Antrittsrede, den Frieden in Ghana zu bewahren. Die Zeremonie zu seiner Vereidigung wurde am Dienstagabend im ghanaischen Fernsehen übertragen. Der ehemalige Diplomat gilt als ein Mann des Ausgleichs.
Bei der Zeremonie im Parlament in Accra sprach die Oberste Richterin Ghanas, Georgina Wood, vom "traurigsten Tag in der Geschichte unserer Nation". US-Präsident Barack Obama würdigte Mills als einen Mann, der "unermüdlich daran gearbeitet hat, das Leben des ghanaischen Volkes zu verbessern". Mills habe "die große demokratische Tradition Ghanas weiter gestärkt", heißt es in der vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung. Ghanaische Medien berichteten, der Präsident sei an Herzversagen gestorben. Allerdings litt der Jurist, der in England und den USA studiert hatte, offenbar seit längerem an einer Krebserkrankung.
"Wir haben gehört, er sei an Kehlkopfkrebs gestorben", sagte ein Regierungsvertreter der Elfenbeinküste, der Atta Mills vor rund sechs Monaten bei einem Gipfel der Afrikanischen Union in Äthiopien getroffen hatte. "Er lief langsam. Ich war überrascht, als ich hörte, dass er erst 68 Jahre alt war. Er sah viel älter aus." Dennoch kam die Nachricht von Atta Mills Tod für viele Ghanaer überraschend. Der neue Präsident sagte nach seiner Vereidigung, das Land sei erschüttert über den Tod. Er sei schockiert gewesen, als er im Fernsehen vom Tod des Präsidenten erfahren habe, sagte der Student Louis Agbo. "Ich konnte noch nicht einmal schreien oder weinen."
Der langjährige Universitätsprofessor Atta Mills führte sein Land seit 2009. Von 1997 bis 2001 war er Vizepräsident unter dem damaligen Staatschef Jerry John Rawlings. Bevor er im Dezember 2008 bei den Wahlen äußerst knapp siegte, war er zweimal als Präsidentschaftskandidat bei Wahlen gescheitert. Er wollte sich im kommenden Dezember um eine zweite Amtszeit bewerben. Im Wahlkampf versprach er eine gerechtere Verteilung der Gewinne aus dem florierenden Erdöl-, Gold- und Kakao-Geschäft. "Die Leute beschweren sich. Sie sagen, dass sich die Lebensbedingungen in den vergangenen acht Jahren verschlechtert haben", sagte Atta Mills. "Wenn Ghana ein Modell des Wachstums ist, dann hat sich das noch nicht zu etwas entwickelt, das die Menschen spüren können."
Ghana gilt als eine der wenigen funktionierenden Demokratien in Afrika. Friedliche Machtwechsel im vergangenen Jahrzehnt und ein Wirtschaftsboom in den letzten Jahren machten es zu einem Musterland des Kontinents. Der einzige Besuch von US-Präsident Obama in Afrika südlich der Sahelzone galt deshalb auch Ghana mit seinen 25 Millionen Einwohnern.
Mit Material von dpa/dapd/epd














