24.07.12

"Vatileaks"-Affäre

Ex-Kammerdiener bittet Papst Benedikt um Vergebung

Gabriele hat den Papst offenbar in einem persönlichen Schreiben um Vergebung für die Veröffentlichung geheimer Dokumente gebeten.

Von abendblatt.de
Foto: dpa
Papst Benedikt XIV. (r.) und sein ehemaliger Kammerdiener Paolo Gabriele (l. vorne) 2010 im Vatikan
Papst Benedikt XIV. (r.) und sein ehemaliger Kammerdiener Paolo Gabriele (l. vorne) 2010 im Vatikan

Rom. Der wegen Geheimnisverrats unter Hausarrest gestellte ehemalige päpstliche Kammerdiener, Paolo Gabriele, hat Benedikt XVI. in einem persönlichen Schreiben um Vergebung gebeten. Der Brief sei der Kardinalskommission übergeben worden, die die sogenannte "Vatileaks"-Affäre untersucht, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Dienstag.

+++Kammerdiener des Papstes aus Haft entlassen+++

+++Neue geheime Vatikan-Dokumente aufgetaucht+++

Gabrieles Anwalt Carlo Fusco kennt den Angaben zufolge den Inhalt des Schreibens nicht, da es nicht in Verbindung mit den Ermittlungen gegen seinen Mandanten steht. Fusco rechnet mit einer Anklageerhebung innerhalb der nächsten Tage. Vatikansprecher Federico Lombardi stellt ein mögliches Verfahren gegen Gabriele für Spätherbst in Aussicht.

Gabriele arbeitet laut Fusco seit seiner Verhaftung vom 23. Mai mit der vatikanischen Justiz zusammen. "Weder aus den Vorwürfen noch aus den Verhören ergab sich, dass er Komplizen gehabt hätte", erklärte der Anwalt des ehemaligen Kammerdieners. In dessen Wohnung hatten die Ermittler mehrere Kisten mit vertraulichen Dokumenten aus dem päpstlichen Arbeitszimmer sichergestellt.

Die Zeitung "La Repubblica" hatte berichtet, dass Gabriele drei Komplizen gehabt haben soll. Sie arbeiteten alle im Umfeld von Papst Benedikt XVI., schrieb das Blatt am Montag, ohne Quellen zu nennen. Von den vatikanischen Ermittlern verdächtigt würden Benedikts Haushälterin und Beraterin Ingrid Stampa, der deutsche Kurienbischof Josef Clemens sowie der für Papst-Reden verantwortliche italienische Kardinal Paolo Sardi. Sie hätten auch einen vertrauten Umgang mit dem Kammerdiener Paolo Gabriele gehabt. Der Vatikan dementierte den Bericht sofort als falsch.

Nicht zufällig würden die drei Mitarbeiter jetzt auf Distanz zum Papst gehalten, schrieb das Blatt. Ingrid Stampa kümmere sich nicht mehr um die Papiere des Papstes, Benedikt habe geplante Treffen mit Clemens abgesagt und Kardinal Sardi (75) seine Aufgaben in Papstnähe aus Altersgründen niedergelegt. Federico Lombardi bestritt, dass die drei von ihren Aufgaben entbunden worden seien. Im übrigen kopiere der Bericht von "La Repubblica" einen Artikel des deutschen Vatikanisten Paul Badde vom 15. Juli ("Welt online") – an manchen Stellen sogar wörtlich.

Von einer Untersuchungskommission gehört zu werden wie die drei Mitarbeiter "bedeutet in keiner Weise, verdächtig zu sein", betonte Lombardi. Schon mehrfach habe er die Berichterstattung der römischen Zeitung über die Affäre dementieren müssen, deren Leser verdienten korrektere Informationen. Das vatikanische Staatssekretariat äußerte "völlige Missbilligung" der in Italien und Deutschland publizierten Artikel. Sie seien unfundiert und schädigten die betroffenen Personen sehr, "die seit vielen Jahren dem Papst treu dienen." Der Pressedienst des Heiligen Stuhls hielt noch fest, es sei in keiner Weise legitim, falsche und gegenstandslose Behauptungen zu verbreiten, nur weil die Ergebnisse der Ermittlungen noch nicht veröffentlicht worden seien: "Das ist nicht die Information, auf die die Leserschaft ein Anrecht hat."

Im Kern sei es aus Neid und Eifersucht zu den Enthüllungen geheimer Papiere des Vatikans gekommen, spekuliert das Blatt weiter. Gerichtet habe sich dies gegen den Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und den Privatsekretär von Joseph Ratzinger, Georg Gänswein.

Der Ende Mai festgenommene Kammerdiener steht seit dem Wochenende nur noch unter Hausarrest. Sollte er wegen Diebstahls päpstlicher Geheimdokumente verurteilt werden, droht dem Vater von drei Kindern eine mehrjährige Haftstrafe. Eine von Benedikt eingesetzte Kommission von Kardinälen, die die Hintergründe der Affäre untersucht, hat ihre Befragungen abgeschlossen und dem Papst berichtet. Der zuständige vatikanische Untersuchungsrichter wird jetzt entscheiden müssen, ob Gabriele wegen schweren Raubes vor Gericht kommen soll oder nicht.

Der Kammerdiener soll eine Reihe vertraulicher Dokumente entwendet haben, die dann durch Medien publik wurden. Teils brisante Dokumente waren aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt, so zu einem angeblichen Mordkomplott gegen Benedikt oder zu dem umstrittenen Finanzgebaren der Vatikanbank IOR. Gabriele kann nach Medienberichten mit einem milden Urteil rechnen, Benedikt könnte ihn dann auch begnadigen.

Mit Material von epd/dpa

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