Drohende Staatspleite
IWF will Griechenland offenbar die Finanzhilfen entziehen
Damit könnte der marode griechische Staat bereits im September in die Pleite rutschen. Ökonom erhebt derweil schwere Vorwürfe gegen den IWF.
Berlin/Washington. Eine Staatspleite Griechenlands wird immer wahrscheinlicher: Einem Medienbericht zufolge hat der Internationale Währungsfonds (IWF) angedeutet, dem maroden Euro-Land keine weiteren finanziellen Hilfen zur Verfügung zu stellen. Das berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf hochrangige Vertreter der EU-Kommission. Damit könnte Griechenland bereits im September in die Pleite rutschen, denn offenbar seien viele Regierungen der Euro-Zone ebenfalls nicht mehr willens, neue Geldspritzen für das Land zu schultern. Unterdessen hat ein scheidender Ökonom dem IWF in einem Brandbrief schwere Versäumnisse in der Euro-Krise vorgeworfen.
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Die neue griechische Regierung will die Euro-Länder und den IWF um mehr Zeit für die Umsetzung der vereinbarten Sparschritte und Reformen bitten. Das Magazin nennt Schätzungen, wonach dies zusätzliche Hilfen zwischen zehn und 50 Milliarden Euro erfordern würde. Die Bundesregierung stellt sich gegen einen Aufschub der griechischen Ziele. Sie betonte zuletzt, dass neben den Reforminhalten auch der Zeitrahmen Teil der Verabredungen sei.
Dem Magazinbericht zufolge wird das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion in den Ländern der Euro-Zone mittlerweile für beherrschbar gehalten. Um die Ansteckungsgefahr für andere Länder zu begrenzen, wollten die Regierungen den Beginn des neuen Rettungsschirms ESM abwarten. Dieser sollte ursprünglich bereits am 1. Juli startklar sein, kann nun jedoch nicht vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über ESM und Fiskalpakt am 12. September in Kraft treten.
Ob Griechenland aus dem Hilfstopf der Währungspartner und des IWF weitere Zahlungen erhält, entscheidet die Troika aus EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB). Die Troika-Experten sollten am Dienstag erneut nach Athen reisen, um die Fortschritte der Regierung zu prüfen. Sollten sie einer Freigabe der Tranche zustimmen, so ist diese erst für September zu erwarten. Doch das wäre für Athen zu spät. Um im August über die Runden zu kommen, bemüht sich die klamme Regierung um einen Überbrückungskredit von Euro-Ländern und IWF, wie jüngst aus dem griechischen Finanzministerium verlautete.
Für erhöhten Druck sorgt inzwischen auch die EZB. Sie wird ab Mittwoch keine griechischen Staatsanleihen als Sicherheiten bei ihren Refinanzierungsgeschäften mehr zulassen. Damit hängen die griechischen Banken bis auf weiteres vollständig am Tropf der heimischen Notenbank. Ob die EZB die Hellas-Bonds künftig wieder akzeptieren wird, hängt ebenfalls vom Bericht der Troika ab.
In einem Brandbrief hat ein scheidender Ökonom den IWF nach einem Bericht des US-Senders CNN derweil schwere Vorwürfe gemacht. In dem Schreiben an den Vorsitzenden des Exekutivdirektoriums, auf das CNN auf seiner Website verlinkt, kommt der Mitarbeiter zu einem vernichtenden Fazit: "Ich schäme mich dafür, jemals mit dem Fonds zu tun gehabt zu haben." Die Versäumnisse hätten dazu geführt, dass nun der Euro am Abgrund stehe und der IWF nur noch reagieren könne.
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Intern seien etwa Krisenwarnungen unterdrückt worden. Außerdem bezeichnete er die Personalentscheidungen an der Spitze der Organisation im vergangenen Jahrzehnt als "katastrophal". Mit der derzeitigen IWF-Chefin Christine Lagarde geht er ebenfalls hart ins Gericht: "Auch die aktuelle Amtsinhaberin ist vorbelastet", schreibt der Ökonom, der laut CNN seit 20 Jahren für den Fonds gearbeitet hat. Weder ihr Geschlecht, noch ihre Integrität oder ihr Elan könnten die grundlegende Ungerechtigkeit des Auswahlprozesses wettmachen.
Ein IWF-Sprecher sagte CNN zufolge, es gebe keine Anhaltspunkte, die die Vorwürfe des Wissenschaftlers stützen würden. Der Brief erinnert an die Abrechnung eines früheren Mitarbeiters der Investmentbank Goldman Sachs, der sich in der "New York Times" den Frust von der Seele schrieb und Goldman-Kritikern neue Nahrung lieferte.
Mit Material von rtr/dapd















