Nordkorea
Kim Jong Un überrascht mit einer Frau an seiner Seite
Umbruch an der Spitze von Nordkoreas Militär. Machthaber Kim Jong Un ist in den höchsten militärischen Rang des Landes erhoben worden. Kim Jong Un überrascht die Welt aber nicht nur im Bereich Militär, sondern auch dadurch, dass er einen Einblick in sein Privatleben gewährt.
Pjöngjang/Seoul. Nordkoreas Armee erlebt ein Stühlerücken auf Führungsebene: Nachdem Militärchef Ri Yong Ho überraschend von allen Posten entbunden wurde, hat Staatsführer Kim Jong Un den Titel eines Marschalls angenommen. Kurz zuvor war der General Hyon Yong Chol zum Vize-Marschall befördert worden. Seit Kim Jong Un im Dezember 2011 die Macht in Nordkorea übernommen hat, sind vier der neun Vize-Marschalls neu im Amt.
Die Armee mit 1,2 Millionen Soldaten und fast 5 Millionen Reservisten ist eine der größten der Welt. Die aktuellen Personalien markieren wichtige Veränderungen, sagen Beobachter – doch in welche Richtung weist der neue Weg?
Dass Ri – wie offiziell behauptet – aus gesundheitlichen Gründen die Führung des Heers abgeben musste, glaubt kaum ein Analyst. Denn Ri erschien bei seinen letzten öffentlichen Auftritten kerngesund. "Ob nun wegen eines physischen Leidens oder wegen einer politischen Sünde – Ri ist draußen und Pjöngjang lässt die Welt wissen, dass sie von ihm nichts mehr zu erwarten hat", sagt John Delury von der südkoreanischen Yonsei-Universität.
Noch sei nicht klar, ob Kim Jong Un von sich aus versuche, seine Machtbasis abzusichern oder ob er auf Herausforderungen aus dem System reagieren müsse, sagt Bruth Klingner, Nordkorea-Analyst der Heritage Foundation, einer Denkfabrik in Washington. "Instabilität in Nordkoreas Führungsschicht macht den USA und ihren Verbündeten Sorgen, weil so die Möglichkeit wächst, dass es zu Provokationen kommt oder gar ein Regime zusammenbricht, das Atomwaffen besitzt", befindet Klingner.
Kim Jong Un überrascht die Welt aber nicht nur im Bereich Militär, sondern auch dadurch, dass er einen Einblick in sein Privatleben gewährt. Seit neuestem zeigt sich Kim bei offiziellen Terminen in der Öffentlichkeit mit einer Frau, die sich wie eine First Lady benimmt, obwohl nicht einmal ihr Name bekannt ist.
Frau an Kims Seite
In Washington rief Außenamtssprecher Patrick Ventrell Nordkorea am Montag auf, sich wieder der internationalen Gemeinschaft anzuschließen und konkrete Schritte zu unternehmen, um das Atomwaffenprogramm zu beenden. Pjöngjang solle "seine Bürger ausbilden und ernähren statt die knappen Mittel in Militärprogramme zu stecken". Solange es keinen grundsätzlichen Kurswechsel in Nordkorea gäbe, bedeuteten Personalwechsel wenig, so Ventrell.
Während die Welt rätselt, was die Neuigkeiten aus Pjöngjang zu bedeuten haben, verlautete am Mittwoch aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium: Aufgrund der jüngsten Ereignisse beobachte man gemeinsam mit den US-Truppen das nordkoreanische Militär genau, habe bisher aber keine verdächtigen Aktionen ausgemacht.
Angespanntes Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea
In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Zwischenfällen zwischen den beiden Ländern gekommen. Im November 2010 starben bei einem nordkoreanischen Artillerieangriff vier Südkoreaner. 46 Südkoreaner kamen auf einem Kriegsschiff ums Leben, als dies im März 2010 nahe der umstrittenen Seegrenze sank, wahrscheinlich von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt. Nordkorea sieht in gemeinsamen Manövern von südkoreanischen und US-Truppen Vorbereitungen für eine Invasion und hat in den letzten Monaten Drohungen in Richtung Seoul gesendet
Kim, der auf Ende 20 geschätzt wird, steht Experten zufolge unter massivem Druck, die Legitimität seiner Herrschaft zu unterstreichen und zugleich gegen die Unzufriedenheit der Bevölkerung vorzugehen. In der Amtszeit seines Vaters ging es mit der Wirtschaft des Landes rapide bergab. Die Unterdrückung nahm zu. Gleichzeitig trieb der Vater das wegen seines Atomprogramms geächtete Land weiter in die Isolation. Kim Jong Il und dessen Vater und Vorgänger Kim Il Sung hatte beide den Titel Generalissimus der nordkoreanischen Armee inne.
Nordkorea-Experten gingen bei der Absetzung von Vize-Marschall Ri von einer Säuberung in der Parteispitze aus, mit der Kim und seine Vertrauten ihre Macht festigen wollten. Ri galt als enger Vertrauter von Kim Jong Il. "Der Personenkult rund um die Kim-Familie ist jetzt voll auf Kim Jong Un übergegangen", sagte Daniel Pinkston von der Organisation International Crisis Group, die Nordkorea zu Beginn des Monats besuchte.
Nach Ende der offiziellen Trauer zeigten Fernsehbilder den jungen Kim, wie er mit alten Generälen scherzte und sich nach einer Militärparade in einer Rede direkt an das Volk wandte. Dies war ungewöhnlich, zumal sein Vater ähnliche Paraden viele Jahre schweigend verfolgte. Kürzlich überraschte Kim seine Landsleute mit Fernsehbildern, die ihn an der Seite einer unbekannten jungen Frau beim Applaudieren von Schlagersängerinnen zeigten.
Mit Material von dapd und rtr















