War der Irak-Krieg richtig? "Ich weiß es nicht", sagt Colin Powell
London. Ein Jahr nach seinem leidenschaftlichen Plädoyer für ein Eingreifen im Irak vor dem Weltsicherheitsrat hat US-Außenminister Colin Powell Zweifel an der Entscheidung für den Krieg geäußert.
Auf die Frage, ob er sich für den Krieg ausgesprochen hätte, wenn damals bekannt gewesen wäre, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte, antwortete Powell in einem Interview der "Washington Post": "Ich weiß es nicht." Die Berichte über irakische Lager mit Massenvernichtungswaffen seien das letzte entscheidende Glied in der Erkenntniskette gewesen, wonach der Irak eine echte und akute Gefahr für die Region und die Welt dargestellt habe, sagte Powell. Der Außenminister betonte jedoch, der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein habe jedenfalls die "Absicht" gehabt, biologische und chemische Waffen zu erwerben.
Powell hatte vor dem UNO-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003 detaillierte Geheimdienst-Informationen über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen vorgelegt und damit der Welt die Begründung für einen Krieg präsentiert. Weil bisher aber keine Hinweise auf ABC-Waffen im Irak gefunden wurden, halten Experten eine Fehlinformation der Geheimdienste für möglich.
Einen Tag nach US-Präsident Bush hat auch der britische Premierminister Tony Blair einen Untersuchungsausschuss zu den Geheimdienstberichten angekündigt. Nachdem der zurückgetretene US-Chefwaffeninspektor David Kay deren Existenz im Irak angezweifelt habe, sei es "richtig", die Geheimdienstinformationen zu untersuchen und ihre Richtigkeit zu überprüfen, sagte Blair gestern vor einem Parlamentsausschuss in London.
Noch stärker als Bush hatte der britische Premier die Existenz von Massenvernichtungswaffen als wichtigsten Grund für den Irak-Krieg genannt.
In der gestrigen Anhörung vor einem Parlamentsausschuss sprach Blair nur noch von existierenden "Programmen" für Massenvernichtungswaffen. Es sei absolut klar, dass Saddam Hussein derartige Programme entwickelt habe und "fest entschlossen war, sie weiter zu entwickeln, sobald er die Möglichkeit dazu hat".
Blair beharrte darauf, dass der Irak-Krieg auch dann gerechtfertigt gewesen sei, wenn keine ABC-Waffen gefunden werden sollten: "Was immer auch das Ergebnis der neuen Untersuchung sein wird - ich kann nicht sehen, dass es falsch gewesen wäre, Saddam Hussein zu stürzen oder dass die Welt ohne ihn nicht ein besserer und sicherer Ort wäre."



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