11.07.12

Rechtsstreit um Papst-Titel

"Titanic"-Chef: "Notfalls ziehen wir vor das Jüngste Gericht"

Das Satire-Magazin will die von Papst Benedikt XVI. erwirkte einstweilige Verfügung anfechten. "Titanic" droht Bußgeld von bis zu 250.000 Euro.

Foto: Andrew Medichini/AP/dapd/DAPD
Muss wohl noch ausharren: Das Satiremagazin "Titanic" will gegen die von Benedikt XVI. (Archivbild) erwirkte einstweilige Verfügung vorgehen. Gegen den umstrittenen Papst-Titel "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" sind bislang 27 Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen
Muss wohl noch ausharren: Das Satiremagazin "Titanic" will gegen die von Benedikt XVI. (Archivbild) erwirkte einstweilige Verfügung vorgehen. Gegen den umstrittenen Papst-Titel "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" sind bislang 27 Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen

Hamburg/Frankfurt/Postdam. Das Satire-Magazin "Titanic" will das Verbot seines Papst-Titelbildes nicht hinnehmen . Noch vor dem Wochenende werde die Anwältin der "Titanic" Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts einlegen, sagte Chefredakteur Leo Fischer in Frankfurt.

Die katholische Kirche hatte am Dienstag bei der Pressekammer des Hamburger Landgerichts eine einstweilige Verfügung erreicht. Demnach dürfen Titelblatt und Rückseite der aktuellen "Titanic" nicht länger verbreitet werden. Bei einem Verstoß droht dem Satiremagazin ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

Unter dem Titel "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" und mit einem Bild des Papstes in besudelter Soutane hatte das Magazin auf die "Vatileaks" genannte Enthüllungsaffäre angespielt, bei der mehrfach geheime Dokumente aus dem Vatikan publik geworden waren. Das Oberhaupt der katholischen Kirche fühlt sich durch das aktuelle Titelbild des Satiremagazins in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt.

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"Wir werden sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen und notfalls bis zum Jüngsten Gericht ziehen", kündigte "Titanic"-Chefredakteur Fischer an. Gleichwohl sei die "Hand der Versöhnung" weiter ausgestreckt, und sie suchten das "persönliche Gespräch" mit Papst Benedikt XVI.

Journalisten-Verband: Verfügung ist überzogen

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die gerichtliche Verfügung gegen die Papst-Satire der "Titanic" als überzogen kritisiert. "Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken am Mittwoch. Benedikt XVI. werde von "Titanic" als Sinnbild der "Vatileaks"-Affäre dargestellt. "Das ist legitim", erklärte Konken weiter.

Im Rahmen der "Vatileaks"-Affäre war der Kammerdiener des Papstes wurde festgenommen worden. Er soll eine Reihe vertraulicher Dokumente entwendet haben, die dann durch Medien öffentlich wurden.

"Über Geschmack lässt sich streiten, aber die Darstellung fällt unter die Freiheit der Satire", erklärte der DJV-Vorsitzende weiter. Die Zeitschrift habe keine religiösen Gefühle von Katholiken verletzt, weil die Fotomontage ihn in seiner Rolle als Repräsentant der Vatikan-Bürokratie karikiert habe. Die Chefredaktion von "Titanic" sollte die Einstweilige Verfügung nicht hinnehmen. "Es wäre nicht die erste Entscheidung des Landgerichts Hamburg gegen ein Medium, die auf dem Weg durch die Instanzen keinen Bestand hätte", sagte Konken.

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Bis zum Mittwochmittag sind beim Deutschen Presserat 27 Beschwerden gegen die "Titanic" eingegangen. Die Beschwerdeführer sähen religiöse Gefühle oder die Menschenwürde oder die Würdes Papstamtes verletzt, sagte Pressesprecherin Edda Kremer in Berlin. Das Selbstkontrollgremium der deutschen Presse will sich auf seiner nächsten Sitzung Ende September damit befassen.

Barenboim und West-Eastern Divan Orchestra gratulieren dem Papst

Erfreuliches gibt es dann doch auch noch für den Papst: Dirigent Daniel Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra gratulieren Benedikt XVI. am heutigen Mittwoch mit einem Privatkonzert zum Namenstag. Musiziert werde in Castel Gandolfo, der päpstlichen Sommerresidenz bei Rom, wie das Orchester mitteilte. Der 11. Juli ist der Gedenktag des Ordensgründers und Patrons von Europa, des Heiligen Benedikt von Nursia. Gespielt werden Werke von Ludwig van Beethoven. Zu dem Konzert kommt auf Einladung von Barenboim, der auch Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden ist, auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

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Die Musiker des 1999 gegründeten West-Eastern Divan Orchestra kommen aus Israel, Palästina, Syrien, Jordanien, Ägypten, dem Libanon, dem Iran, der Türkei und Spanien. Jedes Jahr treffen sie für Sommerworkshops zusammen, die inspiriert sind vom Geist der Musik und der Bereitschaft, sich mit den Erfahrungen und Sichtweisen des jeweils anderen auseinanderzusetzen.

Mit Material von dpa, dapd, kna und epd

Einen Tag nach dem Verbot des Covers mit der Zeile "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" hat das Satire-Magazin "Titanic" seinen Juli-Titel modifiziert
Foto: Screenshot: titanic-magazin.de Einen Tag nach dem Verbot des Covers mit der Zeile "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" hat das Satire-Magazin "Titanic" seinen Juli-Titel modifiziert
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