05.07.12

Punkband Pussy Riot

Inhaftierte Putin-Gegnerinnen treten in Hungerstreik

Weil sie in einer Kirche gegen Putin protestiert haben, sitzen Mitglieder einer Punkband in Untersuchungshaft. Nun treten sie in Hungerstreik.

Foto: dpa/DPA
Nadezhda Tolokonnikova, Mitglied der Punkgruppe Pussy Riot. Seit gut vier Monaten sitzen drei Mitglieder der Frauenband in Untersuchungshaft. Aus Protest gegen Justizwillkür in Russland werden sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen
Nadezhda Tolokonnikova, Mitglied der Punkgruppe Pussy Riot. Seit gut vier Monaten sitzen drei Mitglieder der Frauenband in Untersuchungshaft. Aus Protest gegen Justizwillkür in Russland werden sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen

Moskau. Weil sie in einer Kirche gegen Kremlchef Putin protestiert haben sitzen drei Mitglieder der russischen Punkrockband Pussy Riot seit gut vier Monaten in Untersuchungshaft – zu Unrecht, wie ihre Anwälte meinen.

Erst Punkrock gegen Kremlchef Wladimir Putin und nun Hungerstreik im Gefängnis: Aus Protest gegen Justizwillkür in Russland werden sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen, teilten die Putin-Gegnerinnen Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) am Mittwoch mit. Sie hatten als Mitglieder der Frauenband Pussy Riot im Februar in der Erlöserkathedrale in Moskau laut für ein Ende von Putins Dauerherrschaft gebetet. Die beiden sitzen mit dem Bandmitglied Maria Aljochina (24) wegen Rowdytums seit mehr als vier Monaten in Untersuchungshaft.

+++ Für Putin sind Menschenrechtler westliche Agenten +++

Richterin Natalja Konowalowa lehnte den Antrag der Frauen ab, die 3000 Seiten der Untersuchungsakten vor dem Prozessbeginn länger studieren zu dürfen. Menschenrechtler kritisieren den Prozess als politisch gesteuert. Vor dem Taganski-Gericht in Moskau nahm die Polizei mehrere Unterstützer von Pussy Riot fest, die eine sofortige Freilassung der jungen Frauen gefordert hatten.

"Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass Putin selbst oder seine Umgebung das Verfahren lenkt und am Ende für alle drei echte Haftstrafen verhängt werden, obwohl es dafür keine Grundlage gibt", sagte Anwalt Nikolai Polosow im Gericht. Den Frauen drohen bis zu sieben Jahre Gefängnis.

Die Verteidiger kritisierten es als Zumutung, die sieben Aktenordner bis zum 9. Juli zu lesen. "Das ist menschlich unmöglich", sagte Polosow. Zehntausende Russen haben einen offenen Brief von Prominenten im Internet unterstützt, in dem das Vorgehen des Staates und der russisch-orthodoxen Kirche gegen die Putin-Gegnerinnen kritisiert wird. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Frauen wie den seit 2003 inhaftierten Putin-Gegner Michail Chodorkowski als politische Gefangene anerkannt.

( dpa )

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