22.06.12

Afghanistan

Taliban attackieren Ausflugshotel - mehr als 20 Tote

Taliban-Kämpfer haben ein Ausflugshotel in Kabul attackiert und Geiseln genommen. Sicherheitskräfte griffen zu und töteten die Angreifer.

Foto: REUTERS
Afghanische Sicherheitskräften in Kabul, wo Taliban-Kämpfer vor einigen Tagen ein Hotel angegriffen haben
Afghanische Sicherheitskräften in Kabul, wo Taliban-Kämpfer ein Hotel angegriffen haben

Kabul. Beim Angriff eines Terrorkommandos der Taliban auf ein Ausflugshotel vor den Toren Kabuls sind mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen, darunter die sieben beteiligten Aufständischen. Auch 15 Zivilisten, drei Wachleute und ein Polizist seien bei den zwölfstündigen Gefechten am Freitag getötet worden, sagte Kabuls Polizeichef Ajub Salangi. Insgesamt hätten sich zwischen 350 und 450 Menschen in dem Anwesen aufgehalten, als es attackiert wurde. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Er habe Afghanen und Ausländern gegolten, die das Hotel für "wilde Partys" missbrauchten, hieß es.

Nach Angaben Salangis war das schwer bewaffnete Taliban-Kommando gegen Mitternacht in das Spozmai-Hotel eingedrungen. Mindestens einer der Angreifer habe eine Sprengstoffweste gezündet. "Zunächst hat die Polizei aus Angst um die Sicherheit der Gäste nicht eingegriffen", sagte er. Zahlreiche Menschen mussten daher stundenlang ausharren und auf Rettung warten. Einige wurden vorübergehend als Geiseln genommen. "Die Aufständischen haben die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Erst am frühen Morgen habe der Einsatz begonnen, erklärte Salangi. Anschließend hätten sich die Aufständischen heftige Schusswechsel mit afghanischen Sicherheitskräften und Nato-Soldaten geliefert. Ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe Isaf bestätige, dass die Afghanen von ausländische Truppen unterstützt wurden. Der Einsatz sei jedoch von den einheimischen Kräften geführt worden. Nach Berichten von Augenzeugen waren Hubschrauber der Isaf an der Aktion beteiligt.

+++ Angeblicher Nato-Angriff auf Zivilisten sorgt für Wirbel +++

Nach Informationen des Auswärtigen Amts in Berlin wurden keine Ausländer getötet oder verletzt. Zwar sei so kurz nach der Attacke nicht auszuschließen, dass auch Ausländer in dem Hotel waren, sagte ein Sprecher. "Aber die Erkenntnisse, die uns vorliegen, die lassen erwarten und lassen hoffen, dass keine Deutschen oder andere Ausländer betroffen sind." Das an einem See gelegene Kargah ist ein beliebtes Ausflugsziel rund 20 Kilometer westlich von Kabul. Wohlhabende Hauptstädter verbringen dort gern ihre Freizeit. Nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amts wird Kargah auch von Ausländern besucht.

Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Tat und bedauerte den Verlust von Menschenleben. Deutschland werde seine Politik in Afghanistan aber nicht ändern, versicherte er bei einem Besuch im südindischen Bangalore. "Der Terror wird uns nicht davon abbringen, für eine bessere, friedliche Zukunft für Afghanistan zu arbeiten."

Zuletzt hatte es in Afghanistan verstärkt Anschläge gegeben. Erst am Mittwoch hatte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Markt im Osten des Landes neben einer Nato-Patrouille in die Luft gesprengt. Dabei waren mindestens drei US-Soldaten und zahlreiche afghanische Zivilisten getötet worden. Anfang Juni waren bei einem Doppelanschlag im südlichen Kandahar mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. (dpa/abendblatt.de)

Schwere Anschläge auf Hotels
Terroristen haben in den vergangenen Jahren mehrfach Anschläge auf Hotels verübt – wie am Freitag in einem Ausflugsort vor den Toren der afghanischen Hauptstadt Kabul.
11. Juni 2011: Bei einem Anschlag im nordpakistanischen Peshawar explodiert zunächst in einer Hoteltoilette ein kleiner Sprengsatz. Als sich Anwohner, Rettungskräfte und Journalisten in der belebten Geschäftsstraße versammeln, sprengt sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Das Hotel und fünf Geschäfte werden zerstört. Mindestens 35 Menschen sterben.
25. Januar 2010: Vor drei internationalen Hotels in Bagdad explodieren nahezu zeitgleich Autobomben. Nach Angaben von Ärzten sterben mindestens 38 Menschen. Die Bomben explodieren vor dem Palestine-Meridien, dem Babylon-Oberoi und dem Al-Hamra. In den Gebäuden leben und arbeiten zahlreiche Medienvertreter. Der Al-Kaida-Ableger Islamischer Staat im Irak bekennt sich zu den Anschlägen.
3. Dezember 2009: Drei Minister der somalischen Übergangsregierung werden bei einem Selbstmordanschlag in einem Hotel der Hauptstadt Mogadischu getötet. Mit ihnen sterben 21 weitere Menschen, als sich ein als Frau verkleideter Selbstmordattentäter in dem Gebäude in die Luft sprengt. Zum Zeitpunkt des Anschlags findet in der Hotelhalle eine Abschlussfeier für Studenten statt.
6. Juni 2009: Bei einem Selbstmordanschlag auf das Fünf-Sterne-Hotel Pearl Continental im nordpakistanischen Peshawar sterben mindestens 18 Menschen. Die Attentäter schießen sich den Weg zum Hotelgebäude frei. Dort sprengt einer von ihnen ein mit Sprengstoff beladenes Auto in die Luft. Die Behörden machen die radikal-islamischen Taliban für den Anschlag verantwortlich.
26. November 2008: In der indischen Finanzmetropole Mumbai (Bombay) beginnt eine mehrtägige Terrorserie, in deren Verlauf mindestens 171 Menschen getötet werden. Mit Schnellfeuerwaffen und Handgranaten greifen Terroristen auch die Luxushotels Taj Mahal und Oberoi Trident an und nehmen dort zahlreiche Geiseln. Die Polizei nimmt drei mutmaßliche Terroristen fest, die der in Pakistan ansässigen Rebellengruppe Lashkar-e-Taiba angehören sollen.
14. Januar 2008: Sieben Menschen sterben bei einem Selbstmordanschlag von Taliban-Kämpfern auf das vor allem von Ausländern genutzte Serena Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Die Terroristen attackieren das schwer gesicherte Luxushotel mit Handgranaten und Maschinenpistolen. Einer der Angreifer sprengt sich in der Lobby in die Luft.
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