21.06.12

Wikileaks-Gründer

Droht Assange bei Auslieferung in USA die Todesstrafe?

Ecuador, in dessen Botschaft Julian Assange Asyl beantragt hat, prüft derzeit, ob im Falle einer Auslieferung in die USA ein Todesrisiko für ihn bestehe.

Foto: dpa/DPA
Unterstützer von Wikileaks-Gründer Julian Assange fertigen vor der Botschaft von Ecuador ein Plakat an
Unterstützer von Wikileaks-Gründer Julian Assange fertigen vor der Botschaft von Ecuador ein Plakat an

Rio de Janeiro/London. Ecuador will bei der Prüfung des Asylantrags von Wikileaks-Gründer Julian Assange dessen Risiko einer Todesstrafe in den USA abwägen. Davon hänge die Entscheidung über den Antrag ab, sagte am Donnerstag Staatschef Rafael Correa dem spanischsprachigen Sender der BBC in Rio de Janeiro, wo er an der UN-Konferenz Rio+20 teilnimmt. Auch werde geprüft, ob Assange bei dem Verfahren zur Auslieferung von Großbritannien nach Schweden einen gerechten Prozess gehabt habe.

+++Julian Assange darf nach Schweden ausgeliefert werden+++

Assange hatte sich am Mittwoch in die Londoner Botschaft Ecuadors geflüchtet und dort Asyl im südamerikanischen Land beantragt. Der 40 Jahre alte Australier soll wegen des Vorwurfs sexueller Nötigung und Vergewaltigung von zwei Frauen nach Schweden ausgeliefert werden, um dort verhört zu werden. Eine Anklage existiert jedoch bislang nicht. Assange befürchtet vielmehr, später von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Verfahren wegen Geheimnisverrats droht. Seine Internetplattform Wikileaks hatte Tausende diplomatische Depeschen mit teils brisanten Inhalten veröffentlicht. Seinem in den USA inhaftierten Informanten droht lebenslange Haft.

+++ Assange verblüfft Freunde und Gegner - Festnahme droht +++

+++Wikileaks-Gründer scheitert mit Einspruch gegen Auslieferung+++

Correa erklärte, es gebe keine Frist für eine Entscheidung über den Asylantrag. Es werde auch nicht mit anderen Ländern darüber verhandelt. Der Präsident räumte allerdings ein, dass die Meinung anderer Regierungen angehört werden solle. Eine eventuelle positive Entscheidung für den Asylantrag von Assange dürfte nicht die Beziehungen Ecuadors zu anderen Ländern beeinträchtigen. "Schauen Sie doch, wie viele Lateinamerikaner in den USA leben, die (in ihren Ländern) auf der Flucht vor der Justiz sind", sagte er.

Mit Material von dapd

Warum Ecuador? - Assanges Versuch eines Asylantrags
Warum ausgerechnet Ecuador? Für die Flucht des Wikileaks-Gründers Julian Assange in die Botschaft des 14-Millionen-Einwohner-Landes in Südamerika gibt es nicht die unmittelbar auf der Hand liegende Erklärung.
Bereits im November 2010 hatte Ecuador Assange einen Aufenthalt in dem südamerikanischen Land angeboten. Es hatte damals aber darauf hingewiesen, es handele sich nicht um ein Asylangebot.
Assange wird ein persönlich gutes Verhältnis zu Ecuadors Präsidenten Rafael Correa nachgesagt. Correa war Gast in Assanges Talkshow im Fernsehsender Russia Today gewesen.
Ecuador hat vergleichsweise viel Erfahrung mit politischen Flüchtlingen.
Nach Informationen des "Guardian" kommen dort 8,5 Flüchtlinge auf je 10.000 Einwohner. In Großbritannien liegt diese Quote nur bei 3,1.
Die meisten der insgesamt 144.000 Flüchtlinge kommen aus dem Nachbarland Kolumbien. 68 Prozent aller Asylanträge werden abgelehnt.
Politisch liegt Ecuador mit den USA über Kreuz und das Verhältnis ist stark angespannt.
Das vergleichsweise arme Land pflegt aber gute Wirtschaftsbeziehungen zu den USA und auch Großbritannien.
Offizielles Zahlungsmittel in Ecuador ist der US-Dollar.
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