Gewalt in Syrien
Amnesty-Bericht wirft Syrien Politik der verbrannten Erde vor
Amnesty International wirft Regierungstruppen zahlreiche Gräueltaten in von Rebellen kontrollierten Gebieten vor, darunter Folter und Tötungen.
Beirut. Syrien will nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) den Widerstand in der Bevölkerung mit einer Politik der verbrannten Erde brechen. In einem Bericht mit Aussagen von mehr als 200 Einwohnern werden Regierungstruppen und mit ihnen verbündeten Milizen zahlreiche Gräueltaten in von Rebellen kontrollierten Gebieten vorgeworfen, darunter Folter und Tötungen sowie die gezielte Zerstörung der Existenzgrundlage von Dorfbewohnern. Auch am Donnerstag meldeten Aktivisten neue Angriffe auf die Rebellenhochburg Homs.
Männer seien aus ihren Häusern gezerrt und vor den Augen ihrer Familien erschossen worden, heißt es in dem am Mittwoch vorgelegten Bericht. Ihre Leichen seien verbrannt worden. Auch Vieh werde abgeschlachtet und die Ernte verbrannt, um die Existenzgrundlage zu entziehen. Wie zuvor der oberste UN-Friedensschützer Hervé Ladsous und der französische Außenminister Laurent Fabius kommt Amnesty zu der Schlussfolgerung, der vor 15 Monaten begonnene Aufstand gegen Präsident Baschar Assad sei inzwischen zu einem Bürgerkrieg eskaliert.
+++ Russen rüsten Assad auf, Saudis die Rebellen +++
+++ Riskante Hilfe für die Rebellen +++
In den vergangenen sechs Wochen hätten Amnesty-Mitarbeiter mehr als 200 Gespräche mit Einwohnern in 23 syrischen Orten dokumentiert, teilte die Organisation mit. "Die Häufigkeit und Brutalität der Regierungs-Repressalien gegen Städte und Dörfer, die die Rebellen unterstützen, hat zugenommen", schreibt Amnesty. "Offensichtlich sollen die Einwohner bestraft und gefügig gemacht werden." Ausmaß und Art der Angriffe deuteten auf ein geplantes Vorgehen hin.
Amnesty hat nach eigenen Angaben die Namen von mehr als 10.000 in Kämpfen getöteten Menschen dokumentiert. Die syrische Regierung äußerte sich zu dem Bericht nicht. Die Vereinten Nationen haben diese Woche syrischen Truppen vorgeworfen, Kinder zu foltern, zu töten und als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.
+++ UN-Friedenshüter spricht von Bürgerkrieg in Syrien +++
Anschlag in Damaskus
In mehreren Orten der Region Homs kam es nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Auch der Beschuss von Rebellengebieten sei weitergegangen, hieß es. In der Bevölkerung habe es in der Nacht mindestens vier Todesopfer gegeben.
Ein Autobombenanschlag erschütterte am Donnerstag einen Vorort von Damaskus. Mindestens zwei Menschen wurden nach Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur SANA verletzt, es entstand beträchtlicher Schaden. Der Sprengsatz detonierte auf einem Parkplatz in der Nähe des Imam-Sadr-Krankenhauses im Vorort Sajjida Sainab. Zu einem dort gelegenen Schrein pilgern immer wieder Schiiten aus dem In- und Ausland, vor allem aus dem Iran.
Deutsche Bischöfe verurteilen Gewalt
Angesichts der anhaltenden Gewalt zeigten sich deutsche Bischöfe bestürzt. Präsident Assad sei anscheinend in keiner Weise bereit, sich auf Verhandlungen und einen politischen Prozess einzulassen, sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". Das sei aber notwendig, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.
Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland, Martin Schindehütte, sagte der Zeitung, es sei bestürzend, dass sich in dem Konflikt in Syrien Gewalt gezielt gegen Kinder richte. Die Vereinten Nationen hatten in einem Bericht erklärt, dass Regimesoldaten acht- bis 13-Jährige als menschliche Schutzschilde benutzten. Außerdem würden Kinder gefoltert und verstümmelt, sexuell misshandelt und getötet. (dapd)















