07.06.12

Finanzkrise in Europa

Merkel kämpft für den Fiskalpakt - Cameron weiter dagegen

Großbritannien will beim europäischen Anti-Schulden-Pakt nicht mitmachen, das betonte Cameron in Berlin. Doch Merkel lässt nicht locker.

Foto: AFP
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Premierminister David Cameron gestern in Berlin
Angela Merkel und David Cameron in Berlin. Der britische Premierminister erteilte einer EU-weiten Finanztransaktionssteuer erneut eine Absage

Berlin. Zwischen Deutschland und Großbritannien gibt es keine Annäherung im Streit um den europäischen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin. Das wurde am Donnerstag bei einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem britischen Premierminister David Cameron in Berlin deutlich. Zugleich versuchte die Kanzlerin, Ängste vor einem Europa der zwei Geschwindigkeiten zu dämpfen, falls zahlreiche Euro-Länder künftig enger zusammenarbeiten würden. Merkel betonte, der gemeinsame Binnenmarkt sei das Band, das die 27 EU-Staaten zusammenhalte.

Nach der Verständigung auf Eckwerte für eine Finanzsteuer mit der Opposition hofft Merkel auf eine endgültige Einigung über den Fiskalpakt in Deutschland. Dazu würden intensive Gespräche geführt. Mit Blick auf ein Spitzentreffen von Koalition und Opposition am 13. Juni ergänzte die Kanzlerin: "Wir werden am nächsten Mittwoch sehen, wie weit wir gekommen sind." Sie freue sich, dass diese Gespräche konstruktiv von allen Seiten geführt würden. "Ich glaube, das ist ein guter Beitrag für Europa."

Cameron erteilte einer EU-weiten Finanztransaktionssteuer erneut eine Absage. Diese könnte die Abwanderung von Finanzgeschäften in andere Länder zur Folge haben. Natürlich müssten Banken und Finanzinstitute vernünftig besteuert werden. Großbritannien tue hier sogar mehr als viele andere europäische Länder, sagte Cameron mit Blick auf die Bankenabgabe und "Stempelsteuer" bei Börsengeschäften. Zugleich betonte er, sein Land würde an einer Banken-Union innerhalb der EU nicht teilnehmen.

Merkel sagte auf die Frage, ob der Fiskalpakt die Rettung des Euro sei: "Der Fiskalpakt kann eine notwendige, aber noch keine hinreichende Voraussetzung dafür sein." In der akuten Krise stünden Instrumente der Solidarität wie etwa für die Rekapitalisierung von Krisenbanken oder für Schutzmauern zur Abschottung vor einem Übergreifen der Krise auf andere Länder zur Verfügung. Deutschland sei bereit, mit diesen Instrumenten zu arbeiten, wann immer dies notwendig sei. Auf lange Sicht sei aber eine engere Zusammenarbeit der Staaten unabdingbar.

Cameron forderte schnelle und nachhaltige Maßnahmen gegen die Euro-Schuldenkrise, um die Unsicherheit auf den Märkten zu bekämpfen. Es sei wichtig, dass es glaubwürdige Pläne zur Bekämpfung der Schuldenproblematik und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit gebe. Sein Land werde weiterhin für einen fairen Binnenmarkt eintreten und hier auch bestimmte Sicherheiten verlangen. Es gebe keinen Konflikt zwischen Wachstum und dem Beherrschen der Defizite.

Auf die Frage, ob es ein Europa der zwei Geschwindigkeiten gebe, antwortete Merkel, es habe in der EU schon früher verschiedene Formen der Integration gegeben. Man könne auch "in einem Europa gut zusammenleben, das nicht alle Vergemeinschaftungsschritte gemeinsam geht". Zugleich betonte sie, bei der engeren Zusammenarbeit etwa der Euro-Länder gehe es nicht um Abschottung oder ein Infragestellen des gemeinsamen Marktes. Der gemeinsame Markt sei das verbindende Element. Notwendig sei auch ein vertiefter gemeinsamer Arbeitsmarkt.

Wie die Bundesregierung Wachstum schaffen will
Wie die Bundesregierung Wachstum schaffen will
Die Bundesregierung will den Euro-Partnern und der deutschen Opposition entgegenkommen und bereitet sich darauf vor, neben der Schuldenbremse im Fiskalpakt auch das Wachstum in Europa zu fördern. Geplant ist unter anderem:
Strukturelle Reformen am Arbeitsmarkt:
Dazu gehören eine Erhöhung des Rentenalters, flexiblere Beschäftigungssysteme, eine bessere Arbeitsvermittlung und ein Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Die grenzüberschreitende Mobilität in Europa soll verbessert werden. Die Arbeitsvermittlung soll europaweit ausgebaut werden, ebenso die Berufsberatung. Die Mittel des Europäischen Sozialfonds sollen der betriebsnahen Aus- und Weiterbildung zugutekommen.
Mehr Investitionen:
Das Kapital der Europäischen Investitionsbank soll um zehn Milliarden Euro erhöht werden. Damit könne die Bank 80 Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Die Bank soll sich auf den Ausbau transeuropäischer Netze konzentrieren und kleinen und mittleren Unternehmen einfacher Kredite geben. Das soll durch bessere Förderprogramm der EU und der Europäischen Investitionsbank geschehen.
In den Krisenländern sollen die EU-Strukturfonds auf Wachstumsförderung konzentriert werden. Auch soll für die Infrastruktur privates Kapital mobilisiert werden. Mittel der Agrarförderung sollen umgeschichtet werden in die Forschung und Innovation. Anträge auf Innovations- und Forschungsförderung sollen innerhalb von drei Monaten entschieden werden, bislang dauert es ein Jahr. Unternehmensgründungen sollen innerhalb von drei Tagen möglich sein, bisher sind es 7,4 Tage.
Ausbau des Binnenmarktes in Europa:
Die Bundesregierung will mehr Privatisierung und eine weitere Öffnung der Märkte. Auch soll rasch ein einheitliches EU-Patent eingeführt werden. Laut EU-Kommission würde dies 3,7 Millionen neue Jobs bis zum Jahre 2020 ermöglichen.
Außerdem will die Regierung mehr Wettbewerb bei der netzgebundener Infrastruktur. So soll der Schienenverkehr konsequent liberalisiert, der grenzüberschreitende Netzausbau beim Strom gefördert werden. Auch sollten die Postmärkte geöffnet werden. Ziel sei es außerdem, bis 2020 die Ausgaben der Staaten für Forschung und Entwicklung auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung auszuweiten. (dapd)
(dpa/abendblatt.de)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Dunkle Wolken über der Baustelle der Elbphilharmonie in Hamburg. Heute wird in der Bürgerschaft über den Weiterbau entschieden.
08:03Elbphilharmonie
Hamburgs Politiker waren wie Freier auf St. Pauli

Hamburgs Bürgerschaft entscheidet über eines der umstrittensten Steuergelder-Gräber Deutschlands – den Weiterbau der Elbphilharmonie. Die Kosten sind von 77 auf 789 Millionen Euro gestiegen. mehr...

Barack Obama
Aktualisiert vor 4 MinutenLiveticker
Obama wird atomare Abrüstung vorschlagen

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und ihre Töchter Sasha und Malia sind in Berlin. Verfolgen Sie den ersten offiziellen Besuch der Familie in Deutschland im Liveticker. mehr...

Nordfriesische Inseln - Sylt
19.06.13 HAMissbrauch auf Sylt?
Lehrer wollte Schüler mit Energy-Drinks gefügig machen

Der Pädagoge des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Sinstorf wurde sofort beurlaubt. Die Schulbehörde spricht von "ernst zunehmenden Vorwürfen". Das Landeskriminalamt ermittelt. mehr...


Richard Golz, hier bei einem Benefiz-Spiel, wechselt zu Hertha BSC Berlin
07:19Interview mit Richard Golz
"Arnesen hat sich nicht so richtig gekümmert"

Der ehemalige HSV-Torwart erzählt, warum er zu Hertha BSC Berlin wechselt. An seinem bisherigen Arbeitgeber hat der Nachwuchstrainer Kritik zu üben. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Sport
HSV bietet Santa Cruz Zwei-Jahres-Vertrag

Roque Santa Cruz soll der neue Top-Stürmer beim HSV werden und mit einem bis Sommer 2015 datierten Vertrag ausgestattet werden.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Konzert

Depeche Mode live in Hamburg

Massenproteste in Brasiliens Großstädten

Rathaus

Sommerfest der Bürgerschaft

Brandstiftung

Autobrände in Schnelsen

Highlights
rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr

rb_webcam_926043a.jpg
Webcams

Besuchen Sie online die schönsten Orte der Welt. mehr