04.06.12

Atomenergiebehörde in Wien

IAEA-Chef Amano hofft auf Mitarbeit des Iran

Atomstreit mit dem Iran beschäftigt diese Woche erneut Atomenergiebehörde IAEA. Die Behörde verlangt den Zugang zu der Anlage Parchin.

Foto: dpa
Yukiya Amano, der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, hofft auf ein baldiges Übereinkommen mit dem Iran
Yukiya Amano, der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, hofft auf ein baldiges Übereinkommen mit dem Iran

Wien. Yukiya Amano, der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, erwartet vom Iran eine "aktive Zusammenarbeit" mit der Behörde bei der Untersuchung des Militärgeländes von Parchin. Das sagte Amano bei einer Pressekonferenz am Montag zu Beginn einer Konferenz des IAEA-Gouverneursrats in Wien. Bei der fünftägigen Tagung hinter verschlossenen Türen spielt der Atomstreit mit dem Iran eine wichtige Rolle. Am Freitag soll dann ein weiteres Treffen der IAEA mit iranischen Vertretern in Wien folgen, gab Amano bekannt.

IAEA-Chef Yukiya Amano forderte den Iran in seiner Eröffnungsansprache auf, den IAEA-Inspekteuren bald Zugang zu der umstrittenen Militäranlage Parchin zu gewähren. Für die IAEA hat dies höchste Priorität, weil die Behörde vermutet, dass auf dem Gelände Sprengtests mit nuklearem Material durchgeführt wurden und nun dort Reinigungsarbeiten im Gange sein könnten.

+++ IAEA: Atomabkommen mit Iran kurz vor der Unterzeichnung +++

"Die Agentur verfügt über sehr hoch entwickelte Instrumente, um kleinste atomare Teilchen zu entdecken", sagte Amano vor Journalisten. "Andererseits stellen wir Aktivitäten in Parchin fest", führte er aus. "Wir hegen Sorge, dass diese Aktivitäten zukünftige Untersuchungen verhindern könnten." Satellitenbilder vom Mai zeigten, dass auf dem Gelände unter anderem Gebäude abgerissen wurden und Erde abgetragen wurde.

Ziel der Behörde in der Auseinandersetzung mit dem Iran sei, dass alle offenen Fragen zur möglichen militärischen Dimension im Atomprogramm des Landes geklärt würden, sagte Amano. Dazu soll auch eine Vereinbarung dienen, auf die sich Amano selbst am 21. Mai bei seinem Besuch in Teheran mit dem iranischen Atom-Chefunterhändler Said Dschalili verständigt hatte. Es legt die Bedingungen fest, unter denen der Iran den IAEA-Kontrolleuren Zugang zu Anlagen, Dokumenten und Experten gewährt.

"Ich hoffe, dass das Übereinkommen so bald wie möglich unterzeichnet wird", sagte Amano. Ob es bei dem für Freitag angekündigten Treffen in Wien dazu kommen wird, ist offen. Diplomaten hatten im Vorfeld der Tagung kritisiert, dass der Iran seit dem Treffen mit Amano keine weiteren Maßnahmen umgesetzt habe. "Der Iran sollte nunmehr konkrete Schritte ergreifen, um einen Prozess der Vertrauensbildung einzuleiten", sagte der deutsche Vertreter am Sitz der Vereinten Nationen in Wien, Rüdiger Lüdeking.

Eine Einigung bei den Verhandlungen mit der IAEA am Freitag, die sich auf die technischen Aspekte konzentrieren, könnte sich positiv auf die politische Ebene des Atomstreits auswirken. Am 18. Juni ist eine weitere Runde der Atomgespräche mit den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und China in Moskau geplant.

Westliche Länder beschuldigen den Iran, an einem geheimen Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Ajatollah Ali Chamenei, das geistliche Oberhaupt des Irans, wies derartige Verdächtigungen am Sonntag als "Lüge" zurück. (dpa)

Die iranischen Atomanlagen
Natans: In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden...
...Nach dem jüngsten Bericht der Internationale Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.
Fordo: Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung...
...Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.
Buschehr: Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück...
...Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.
Isfahan: Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.
Arak: Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.
Teheran: Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.
Karadsch: Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.
Parchin: Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.
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