01.06.12

Vor Antrittsbesuch in Berlin

Westerwelle fordert von Putin Überdenken der Syrien-Politik

Moskau müsse erkennen, "dass wir nicht gegen russische Interessen arbeiten, wenn wir die Gewalt in Syrien benden." Amnesty fordert Waffenstopp.

Foto: dpa
Nach der Rückkehr in den Kreml steht am Freitag wieder einmal ein Antrittsbesuch von Russlands Präsident Putin in Berlin auf dem Programm. Kanzlerin Merkel will auch unangenehme Themen nicht aussparen
Nach der Rückkehr in den Kreml steht am Freitag wieder einmal ein Antrittsbesuch von Russlands Präsident Putin in Berlin auf dem Programm. Kanzlerin Merkel will auch unangenehme Themen nicht aussparen

Berlin. Russlands neuer Präsident Wladimir Putin reist am Freitag zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin. Vor dem Treffen forderte die Menschrechtsorganisation Amnesty International (AI) einen sofortigen Stopp von russischen Waffenlieferungen an Syrien. Russland komme eine Schlüsselrolle bei den internationalen Bemühungen zu, dem Morden in Syrien endlich ein Ende zu machen, erklärte der Russlandexperte von AI, Peter Franck, am Freitag in Berlin. Insbesondere müsse Russland endlich seine Waffenlieferungen an Syrien einstellen und im Uno-Sicherheitsrat für ein umfassendes Waffenembargo stimmen. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) applellierte an Moskau, seine Politik gegenüber Syrien zu ändern.

+++Russland warnt vor einem Krieg um Syrien+++

+++Krieg, Lügen und Moral: Wird Syrien das neue Afghanistan?+++

Peter Franck sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse ihrem Gast auch deutlich machen, "dass die seit vielen Jahren praktisch unverändert durch den russischen Staat begangenen Menschenrechtsverletzungen von den europäischen Partnern nicht länger hingenommen werden". Putin müsse endlich dafür sorgen, dass Russland die Verpflichtungen einhält, die das Land mit dem Beitritt zur Europäischen Menschenrechtskonvention übernommen hat. Als Beispiele für Menschenrechtsverletzungen verwies Franck unter anderem auf die bislang nicht aufgeklärten Morde an den Journalistinnen Anna Politkowskaja und Natalja Estemirowa, die Haftstrafen für die Unternehmer Michail Chodorkowski und Platon Lebedew und die Menschenrechtslage im Nordkaukasus. Zudem verhänge der russische Staat Administrativhaft gegen friedliche Demonstranten und verabschiede Gesetze, die das öffentliche Auftreten für die Rechte von Schwulen und Lesben kriminalisierten.

Unmittelbar vor dem Besuch des russischen Präsidenten hat auch Außenminister Westerwelle an Russland appelliert, seine Syrien-Politik zu ändern. "Russland und seine Haltung zum Regime Assad spielen in der Syrien-Frage eine Schlüsselrolle", sagte der FDP-Politiker der "Welt". Russland sollte "erkennen, dass wir nicht gegen strategische russische Interessen arbeiten, wenn wir die Gewalt in Syrien beenden möchten". Es gelte, einen Flächenbrand in der gesamten Region zu verhindern: "Das kann nur gelingen, wenn die internationale Gemeinschaft zusammensteht." Russland und China widersetzen sich im Uno-Sicherheitsrat sowohl schärferen Sanktionen als auch einem möglichen Eingreifen der Vereinten Nationen zur Beendigung des Blutvergießens in Syrien.

Westerwelle warnte vor einer Diskussion über eine militärische Intervention: "Man darf in dieser schwierigen Lage nicht den Eindruck erwecken, als wäre eine militärische Intervention der Königsweg zu einer schnellen Lösung", sagte er. Die politischen und diplomatischen Bemühungen seien äußerst mühsam, aber sie müssten weitergehen. Der Friedensplan von Kofi Annan als Sonderbeauftragtem von Uno und Arabischer Liga sei "immer noch die beste Grundlage für eine politische Lösung". Er müsse eine Chance bekommen.

Westerwelle äußerte die Erwartung, dass es zu einem Mandat der Vereinten Nationen für die Anwendung militärischer Gewalt nicht kommen werde. "Auch deswegen beteiligt sich die Bundesregierung auch nicht an Überlegungen, militärisch in Syrien einzugreifen, und setzt weiter auf eine politische Lösung." Wie in Jemen könnte die Macht auf einen Übergangspräsidenten übergehen, der einen Neuanfang organisieren müsste. "Wir müssen vorsichtig sein, dass wir mit Diskussionen über ein militärisches Eingreifen nicht Erwartungshaltungen wecken, die am Schluss nicht zu erfüllen sind", sagte er.

Mit Material von dpa/epd

Resolutionen und Erklärungen der UN zu Syrien
Resolutionen und Erklärungen der Uno zu Syrien
Das brutale Vorgehen der syrischen Armee gegen das Volk hat nach UN-Schätzung bereits mehr als 10 000 Menschen das Leben gekostet...
...Resolutionen und Erklärungen von Sicherheitsrat und Vollversammlung der Vereinten Nationen konnten das Blutvergießen bisher nicht stoppen.
3. August 2011: Nach Monaten der Gewalt einigt sich der UN-Sicherheitsrat auf eine Verurteilung des Regimes in Damaskus...
...Allerdings hat das Papier nur den Status einer Präsidentiellen Erklärung und ist damit weniger gewichtig als eine Resolution.
23. August: Der UN-Menschenrechtsrat verurteilt die Gewalt und fordert die ungehinderte Einreise für unabhängige Experten.
4. Oktober: Eine von den EU-Ländern vorgeschlagene Resolution des Sicherheitsrates findet zwar 9 der 15 Stimmen im mächtigsten UN-Gremium,...
...scheitert aber am Veto Russlands und Chinas. Ein früherer Resolutionsentwurf war im Sommer gar nicht erst zur Abstimmng gekommen.
22. November: Das Menschenrechtskomitee der UN-Vollversammlung verurteilt Syrien wegen der Gewalt gegen das eigene Volk.
Am 2. Dezember folgt eine Verurteilung durch den UN-Menschenrechtsrat.
19. Dezember: Die UN-Vollversammlung weist Syrien wegen der Gewalt gegen Demonstranten mit überwältigender Mehrheit zurecht – ohne weitere Konsequenzen für das Regime in Damaskus.
4. Februar 2012: Erneut blockieren Russland und China eine Resolution gegen Syrien. Der von Arabern und Europäern unterstützte Entwurf hatte...
...die syrische Regierung aufgefordert, "sofort alle Menschenrechtsverletzungen und Angriffe (...) zu beenden". Sollte die Resolution von Syrien nicht umgesetzt werden, sollten "weitere Maßnahmen erwogen" werden.
16. Februar: Die UN-Vollversammlung verurteilt die Gewalt des syrischen Regimes mit großer Mehrheit. Die Erklärung hat nur rein appellativen Charakter und ist nicht an Sanktionen geknüpft.
21. April: Der UN-Sicherheitsrat erteilt einer 300 Mann starken Beobachtertruppe zur Überwachung der Waffenruhe in Syrien das Mandat.
Die Beobachter sollen auf die Durchsetzung des Friedensplans von Sondervermittler Kofi Annan pochen.
In dem von Russland eingebrachten Entwurf wird die unbewaffnete UNSMIS-Mission (United Nations Supervision Mission in Syria) einem militärischen Beobachter unterstellt.
27. Mai: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt scharf ein Massaker an mehr als 100 Zivilisten in der syrischen Stadt Al-Hula und macht die Regierung von Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich.
Quelle: dpa
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Kind vn Tor erschlagen
21.05.13 HADrama bei Dersimspor Harburg
Von Tor erschlagen: Landet der Fall im Sportausschuss?

Die Polizei versucht, den Hergang des tragischen Unfalls zu ermitteln, bei dem der sieben Jahre alte Effi ums Leben kam. Verein Dersimspor hat alle sportlichen Aktivitäten abgesagt. mehr...

Fussball
21.05.13 HAHSV
Arnesen soll noch im Sommer gehen - Rettig der Nachfolger?

Der HSV-Aufsichtsrat hat bereits vor dem Saisonfinale mit drei Nachfolgekandidaten gesprochen. Favorit ist DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig. mehr...

Aufklärungsdrohne Euro Hawk
08:51Drohnenprojekt
Info-Blockade bei Euro Hawk wohl rechtswidrig

Das Verteidigungsministerium hat Anfragen des Rechnungshofs zum Drohnenprojekt Euro Hawk zurückgewiesen, offenbar rechtswidrig. Derweil fordert auch die CDU den Stopp des Nato-Drohnenprojekts. mehr...


Ein israelischer Stützpunkt im Hermongebirge auf den Golanhöhen – zuletzt kam es in dem Grenzbereich wiederholt zu Schusswechseln
07:06Golanhöhen
Israelische Armee erwidert Beschuss aus Syrien

Nachdem israelische Streitkräfte auf den Golanhöhen von Syrien aus unter Beschuss geraten sind, haben sie das Feuer erwidert. Die mit dem Iran verbündete Hisbollah hatte neue Angriffe angekündigt. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Sport
HSV-Sportchef Arnesen massiv in der Kritik

HSV-Sportchef Arnesen massiv in der Kritikmehr »

Top Bildergalerien mehr

Monster-Tornado in Oklahoma

Rothenburgsort

Reh vor dem Ertrinken gerettet

Die ESC-Party auf der Reeperbahn

2. Liga

Die Bilder zu Lautern - St. Pauli

Highlights
rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr

rb_webcam_926043a.jpg
Webcams

Besuchen Sie online die schönsten Orte der Welt. mehr